Feminismus Männerechtsbewegung Wissenschaft

Ist die Emanzipation Geschichte?

geschrieben von: djadmoros

Ingbert Jüdt über die seltsame ewige Gegenwart des Feminismus und den Mythos vom Patriarchat

 

1. Warum Männer nicht zerstören und Frauen nicht retten

2. Wellen und Haltebefehle: Was heißt Historisierung des Feminismus?

3. Die seltsame ewige Gegenwart des Feminismus

 

Vorbemerkung von Lucas Schoppe: Ingbert Jüdt, im Netz auch  als djadmoros bekannt, provoziert schon mit dem Titel seines gerade erschienenen Buches „Der Mythos vom Patriarchat und der Niedergang des Feminismus“ gleich zwei ganz unterschiedliche politische Gruppen: diejenigen, denen der Feminismus so wichtig ist, dass sie niemals einen Niedergang einräumen würden – und diejenigen, die darauf bestehen, dass der Feminismus ohnehin niemals ernstzunehmende Anliegen hatte, also auch gar keinen Niedergang erleben konnte.

Schlimmer noch: Den Begriff Patriarchat, der von vielen als ernstzunehmender und gewichtiger politischer Terminus verwendet wird, kritisiert Jüdt umfassend und enorm kenntnisreich als eine „mythische Denkform“. Er habe über mehrere Generationen hinweg niemals überzeugend begründet werden können.

Damit aber wären Feministinnen mehrerer Generationen jeweils daran gescheitert, die Grundlagen ihrer eigenen Position kritisch zu betrachten und zu klären – wenn sie es denn überhaupt versucht hätten. Heute wäre es, so Jüdt, die Männerbewegung, die auf die blinden Flecke des Feminismus hinweist und die so gleichsam sein schlechtes Gewissen darstellt.

Wenn Jüdt am Ende des Ausschnittes aus seinem Buch, den ich hier veröffentlichen kann, als Beispiele die Rede vom Gender Pay Gap, die von einer rape culture und die Klischees zur häuslichen Gewalt anführt, möchte ich als Trennungsvater noch ein Beispiel ergänzen.

Für den deutschen Gesetzgeber haben Väter und Kinder heute noch immer keine eigenständige Beziehung zueinander, und rechtlich wird ihre Beziehung immer noch über die Mutter begründet. Der Vater hat ein Sorgerecht dann, wenn er mit der Mutter verheiratet ist – oder wenn die Mutter seinem Sorgerecht ausdrücklich zustimmt.

Erst auf massiven Druck aus der europäischen und der juristischen Ebene, nämlich nach Urteilen des Europäischen Gerichtshofs und des Verfassungsgerichts, war die deutsche Familienpolitik zu kleinen Zugeständnissen an die Rechte von Kindern und Vätern bereit. Seit 2013 kann ein Gericht die fehlende Zustimmung der Mutter ersetzen.

Dass damit Väter und Kinder rechtlich noch immer kein eigenständiges Verhältnis zueinander haben, passt offenkundig nicht in eine moderne, rechtsstaatliche Gesellschaft. Vergleichbar verrückt wäre es, wenn Frauen rechtlich keine eigene Geschäftsfähigkeit hätten, sondern dabei jeweils auf die Zustimmung eines Mannes angewiesen wären.

Es sind aber ausgerechnet wesentlich Feministinnen, die solche anachronistischen Bedingungen der Rechtsverletzung und der Ungleichheit ideologisch orchestrieren und lobbyistisch durchsetzen. Menschen hingegen, die sich gegen diese Ungleichheit wenden, werden als „antifeministisch“ in die Nähe von Nazis gerückt oder zumindest als reaktionäre Frauenfeinde hingestellt.

Jüdts Text gibt auch eine Antwort darauf, wie sich solche verkehrten Verhältnisse überhaupt entwickeln konnten, die uns heute als normal erscheinen, obwohl wir längst merken, dass vieles daran nicht stimmt.

Im folgenden Text sind nur die Überschriften, die Bilder und die Texte zu den Bildern von mir, alles andere stammt von Ingbert Jüdt. Ingbert hat, mit anderen Schwerpunkten, sein Buch auch schon in den Blogs Geschlechterallerlei und Alles Evolution vorgestellt. Lucas Schoppe

 

Warum Männer nicht zerstören und Frauen nicht retten

Mit der Entfaltung des globalisierten, neoliberalen Kapitalismus und dem Druck, den er auf die Erwerbssphäre ausübt, ist in der bürgerlichen Gesellschaft das Verhältnis von Erwerbssphäre und Privatsphäre wieder kritisch geworden. Dieses Verhältnis war auf die bürgerliche Paarbeziehung und in erweiterter Form auf die Familie abgebildet worden, in deren Binnenraum das bürgerliche Ideal des guten Lebens angesiedelt worden war, deren Alltagsform sich heute im Problem der »Work-Life-Balance« manifestiert.

Als bilaterale Kernfamilie stellt sie anders als Clans oder abstammungsorientierte Lineages zudem ein hochflexibles »Sozialatom« dar, das in hohem Maße für horizontale Vernetzung und soziale Mobilität geeignet ist. Sie ist das vorläufige Endprodukt und eine leistungsfähige »Formel« der spezifischen kulturellen Evolution des Okzidents und an die multipolaren, stark horizontal integrierten sozialen Umwelten, die sie hervorgebracht haben, ideal angepasst.

Die berechtigte feministische Kritik, dass die komplementären Funktionen, die in Paarbeziehung und Familie zusammengefasst werden, über geschlechtsspezifische Rollenzwänge implementiert worden sind, ändert jedoch nichts daran, dass es sich grundsätzlich nicht um hierarchische, sondern um komplementäre Funktionsbereiche handelt, die mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen ausgestattet sind.

Eine Maschinerie, in der verschiedene Teile ineinander greifen. Aus der Perspektive einer traditionellen bürgerlichen Ehefrau kann es erscheinen, als ob nur sie selbst in diese Maschinerie eingebunden wäre, während der Mann sich frei bewegen könne. Im Feminismus wird dieses Missverständnis bei heute aufrecht erhalten.

Die damit verbundene Arbeitsteilung hat sich jedoch als nur unter Zwang geschlechtsspezifisch zuschreibbar erwiesen. Wer diese geschlechtsspezifische Kodierung aufheben oder wenigstens aufweichen und ausgleichen will, muss daher die Art der Arbeitsteilung zwischen Erwerbs- und Privatsphäre ausgleichen, was letztlich darauf hinausläuft, den auf den familialen Zellen lastenden äußeren ökonomischen Überlebens- und Erfolgsdruck abzumildern.

Anders gesagt: dass die Geschlechtsrollen »Konstruktionen« sind, besagt nicht, dass sie beliebig und ohne Realitätsgehalt, mithin ausschließlich auf ihren Zwangscharakter reduzierbar wären. Ihr Realitätsgehalt liegt jedoch nicht darin, dass sie Geschlechtspersönlichkeiten angemessen repräsentierten, sondern dass sie soziale Funktionsbereiche und die in ihnen waltenden objektiven Anforderungen in einen sinnlich erfahrbaren Code übertragen.

Dabei ist es letztlich unerheblich, ob sich ein Teil der Asymmetrie zwischen den Geschlechtern evolutionspsychologisch erklären lässt – denn eine solche tendenzielle Asymmetrie, gleich welchen Ursprungs, ist nicht dasselbe wie die angebliche scharfe Polarität der Geschlechtscharaktere, die dieser Form der Arbeitsteilung ideologisch zugrundegelegt worden war.

In dem Moment jedenfalls, in dem der Zwangscharakter der bürgerlichen Geschlechtsrollen wegbricht, bricht auch die Polarität von Entfremdung und Erlösung zusammen, welche ihr Fundament dargestellt hat. Wir müssen uns damit abfinden, dass Männer nicht zerstören und Frauen nicht retten.

Es ist heute jedoch paradoxerweise der Feminismus selbst, der dieser Einsicht entgegensteht, denn allen Lippenbekenntnissen zum Trotz ist die Nische der »Entfremdungsentlastung« und die narzisstische Prämie, Rettung und Erlösung zu sein, zu verlockend und zu komfortabel, um sich freiwillig davon zu lösen, zumal auch die Eigenlegitimation der feministischen Lobbies wesentlich auf dieser ideologischen Konstruktion beruht.

Damit ist die  Frauenbewegung als Emanzipationsbewegung »Geschichte«.

 

 

Wellen und Haltebefehle: Was heißt Historisierung des Feminismus?

Da die neue Frauenbewegung im Kontext der 68er-Bewegung entstanden ist, ist es unumgänglich, die Frage nach ihrer Historisierung im Kontext der Diskussion um eine Historisierung der 68er-Bewegung zu betrachten, zumal diese Diskussion bereits weiter fortgeschritten ist. Die heutigen Kulturkämpfe, die aus linker Perspektive als Verteidigung gegen einen »Rechtsruck« wahrgenommen werden, können wir auch als Verteidigung der zur kulturellen Hegemonie gelangten »68er« vor der Drohung verstehen, selber »Geschichte« zu werden, das heißt: in den eigenen Ansprüchen und dem eigenen Selbstverständnis kontextualisiert und relativiert zu werden. Ein Beispiel:

An Herbert Grönemeyers umstrittener Ansprache auf seinem Konzert auf der Berliner Waldbühne wurde vor allem sein angeblich an Goebbels Sportpalastrede gemahnender Tonfall beanstandet – eine Analogie, die an Plausibilität verliert, wenn man berücksichtigt, dass genau dieser Tonfall schon immer ein Stilmittel Grönemeyers gewesen ist, ohne dass die betreffende Analogie gezogen worden wäre.

Weniger auffällig scheint dagegen der Inhalt des Aufrufs zu sein: nämlich sich doch bitte »keinen Millimeter nach rechts« zu bewegen. Im Grunde spricht der Künstler hier einen Haltebefehl aus, der symptomatisch für eine auf Verteidigung ausgerichtete, sich »eingrabende«, mitunter »einbetonierende« politische Haltung ist. Der thematische Kontext, nämlich die Verteidigung eines liberalen Umgangs mit Migration und politischem Asyl, lässt sich zweifellos in den Wertehorizont der »68er« einfügen.

Die Diskussion um den politischen Umgang mit der Flüchtlingswelle von 2015 ist einer der wenigen Fälle, in dem sich dieser Wertehorizont explizit herausgefordert sah und erneut geltend machte, die spontane Hilfsbereitschaft der zahlreichen als »Teddybärenwerfer« verunglimpften Menschen aber auch zeigte, dass dieser Wertehorizont nahezu zum kulturellen Allgemeingut geworden ist.

Dass wir nach der als »zweite Welle« des Feminismus bezeichneten »neuen Frauenbewegung« der 1960er Jahre auch von einer dritten und vierten Welle der 1990er und 2010er Jahre sprechen, zeigt an, dass es die Frauenbewegung vermocht hat, ihre ursprüngliche Mobilisierung und Rekrutierung in zwei neuen Folgegenerationen zu wiederholen. Demgegenüber wird der Begriff »68er« heute oft synonym und austauschbar mit dem Begriff »Alt-68er« verwendet – was anzeigt, dass eine betreffende, als spezifisch wahrgenommene Haltung mit einer einzigen Generation »von damals« verbunden wird.

Demonstration nach dem Attentat auf Rudi Dutschke (Quelle)

Die 68erBewegung ist folglich darum einer Historisierung leichter zugänglich als die Frauenbewegung, weil sie vornehmlich in den individuellen Biographien ihrer ehemaligen Protagonisten einerseits sowie in den zum Allgemeingut gewordenen Werten einer liberalen Kultur andererseits fortlebt und von ihr kein Anspruch auf eine geschlossene Weltanschauung mehr ausgeht.

 

Die seltsame ewige Gegenwart des Feminismus

Das trifft auf Frauenbewegung und Feminismus so nicht zu: Anders als die individualisierten »68er« sahen und sehen sich Feministinnen kontinuierlich und nicht erneut, sondern noch immer in aktuelle und akute Kämpfe gegen »patriarchale Unterdrückung« und eine »sexistische Gesellschaft« verstrickt.

Im Unterschied zu 68er-Bewegung hat sie sich freilich auch in viel höherem Maße durch Institutionalisierung und durch die erfolgreiche Etablierung von Lobby-Organisationen und Netzwerken kollektiv organisatorisch verstetigt und ihre Ideen in den politischen Mainstream eingebracht, und eine große Zahl ihrer Protagonistinnen wird aus Steuermitteln alimentiert oder bezuschusst. Auch die Frauenbewegung gehorcht dem »ehernen Gesetz der Oligarchie«. Eine historisierende Kritik am Feminismus stellt daher unvermeidlich auch einen Angriff auf die »feministische Machtvertikale« und ihre kulturelle Hegemonie dar.

Ein Anzeichen dafür, dass eine Epoche »Geschichte wird«, ist es, wenn ihre Protagonisten in fortgeschrittenem Alter damit beginnen, ihre Lebenserinnerungen zu Biografien zu verarbeiten oder von Forschern zu ihren Erinnerungen interviewt werden. Die späten, reflektierenden Rückblicke auf individuelle Leben verdichten sich dann zu einem reflektierenden Rückblick auf die Epoche, in der diese Leben gelebt wurden. Oft enthalten solche Erinnerungen bereits selbst eine Distanzierung  von den früheren, erinnerten Ereignissen, weil die Intensität, mit der man selbst einmal in die Ereignisse verwickelt gewesen ist, nachgelassen hat oder erloschen ist.

Wenn jedoch seitens der älteren oder auch der jüngeren Generation ein Interesse daran besteht, eine generationsübergreifende Kontinuität aufrechtzuerhalten, wird die Intensität der biografischen Verwicklung in Ereignisse und Strukturen eher neu belebt, als dass sie sich abschwächt. In diesem Fall ist mit einem Effekt der reflexiven Distanzierung nicht zu rechnen.

Kontinuität über Generationen hinweg: Ein Erfolg – oder das Versäumnis, rechtzeitig die Richtung zu wechseln?

In Frauenbewegung und Feminismus ist eben dies unverkennbar der Fall. Dies kann man an den regelmäßig wiederkehrenden Selbstvergewisserungen ablesen, warum Feminismus auch 50 Jahre nach der Entstehung der Bewegung, in deren direkter Kontinuität man sich sieht, »immer noch notwendig« sei, die Gesellschaft oder die Frauen »Feminismus brauchen«, oder »wie viel noch zu tun ist«.

Das grundlegende Deutungsparadigma, demzufolge messbare soziale Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht auf unterschiedliche Präferenzen, sondern auf männliche Unterdrückung, Sexismus, »binäre Geschlechterrollen« und »hierarchische Geschlechterverhältnisse« zurückzuführen seien, setzt sich ungebrochen fort. Da eine jüngere Generation (die Frauen des »Netzfeminismus« bzw. der »Vierten Welle«) in den feministischen Diskurs nachrückt, ist auch die persönliche Identifikation mit der Sache stark und identitätsbildend.

Feministische Weltanschauungen stellen, zumal wenn sie in der Öffentlichkeit und durch die bestehenden Infrastrukturen und Netzwerke Unterstützung und Anerkennung erfahren, für viele jüngere Frauen (und einige jüngere Männer) immer noch ein Identifikationsangebot von hoher Anziehungskraft dar. Das Generationenverhältnis innerhalb des Feminismus ist eines der Kontinuität, nicht des Bruchs, und daher ist eine kritische Distanzierung von und eine historische Relativierung der Bewegung aus dieser Richtung nicht zu erwarten.

Der Realitätsverlust und die Realitätsverweigerung, die einen großen Teil unserer heutigen politischen Klasse kennzeichnet, ist daher in wesentlichen Hinsichten auch ein feministischer Realitätsverlust. Es ist stattdessen die Männerrechtsbewegung, die mit ihrer grundsätzlichen Kritik mittlerweile in einem doppelten Sinne zum externen schlechten Gewissen des Feminismus geworden ist:

(a) weil sie alles das benennt, was der Feminismus verdrängt hat und

(b) weil sie Feministinnen zu hochgradig projektiver Kritik provoziert, in der dieses Verdrängte durchscheint, wenn sie im psychoanalytischen Sinne in narzisstische Abwehr verfallen.

Es ist die Männerrechtsbewegung, die insbesondere die auf fundamentalen Fehlbilanzierungen beruhenden drei »Großen Lügen« des Feminismus – den »gender pay gap«, die Behauptung, häusliche Gewalt sei fast ausschließlich Männergewalt, und die Rede von einer angeblichen rape culture – dekonstruiert beziehungsweise deren wissenschaftliche Dekonstruktionen in den politischen und kulturellen Raum kommuniziert hat.

Ohne die Re-Integration der männerrechtlichen Kritik in die von Verdrängung bestimmte politische Artikulation von Geschlechterthemen lässt sich ein diesbezügliches emanzipatorisches Potential nicht mehr wiederbeleben.

Eine politische Bewegung, die ihre eigenen Grundlagen nicht kritisiert, endet als Farce – und als autoritäre Farce, wenn sie trotzdem Machtpositionen besetzen kann.

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46 Comments

  • Ich habe soeben auf Amazon eines der letzten beiden verfügbaren Exemplare verkauft. Ich bin sicher, es finden sich darin überraschende, originelle Formulierungen. Ich finde mich damit ab, dass Vordenker einen Vorteil darin sehen mögen, dass „… die Re-Integration der männerrechtlichen Kritik in die von Verdrängung bestimmte politische Artikulation von Geschlechterthemen … ein diesbezügliches emanzipatorisches Potential … wiederbeleben [könnte/sollte].“ Das bedeutet: Feminismus 5.0.
    Man muss nur seine Augen öffnen und die Angst vor Frauen ablegen, dann geschehen die wundersamsten Dinge: ich war heute beim Lidl und wurde barsch von einer hinter mir stehenden Frau zur Seite gedrängt mit der Behauptung, ich hätte meine Stellung in der Schlange zu Unrecht erschlichen. Tatsächlich saß sie einem Wahrnehmungsfehler auf, den ich hier nicht erläutere. Ich tat es ihr gleich und verschob sie mit beiden Händen zur ursprünglichen Position. Darauf entstand ein wütender Mob von Frauen unterschiedlicher Bildung, inklusive der Kassiererin, die mich anschrieen, das Wachpersonal zu Hilfe holten und mit Hausverbot drohten. Ich bin in der weiblichen Psyche und besonders in deren gewalttätigen Ausprägung geschult und konnte aus einer Metaebene heraus alle Verwünschungen gegen mich rational spiegeln, zum Verebben bringen und die Lage beruhigen. Ich hätte das Ding mit einem Fingerschnippen eskalieren lassen können. Ich glaube an keinen guten Feminismus. Wer darauf hofft, sollte Feldexperimente dieser oder ähnlicher Art durchführen. Ich habe diesen Vorgang dem LIDL Hauptquartier mitgeteilt, mit der Bitte, eine Einschätzung unter geschlechtergerechten Aspekten abzugeben. Dies habe ich zur Erbauung gemacht.

    Ich empfehle jeder Theorie des Feminismus, soweit sie nicht von Feministen stammt, die Gewaltätigkeit von Frauen ggü. Männern als konstantes Element in dem jeweiligen theoretischen Gerüst einzufügen – das verringert die Wahrscheinlichkeit der Frage nach „[der] seltsame[n] ewige[n] Gegenwart des Feminismus“. Die Gewalttätigkeit ist einen immerwährende Konstante und die Liebe von Frauen zu Männern ist in modernen Zeiten von zweifelhafter Qualität. Wir benötigen als Kritik etwas ganz anderes, als „eine historisierende Kritik am Feminismus“. Der Feminismus kann nicht historisiert, verniedlicht und in die Ecke gestellt werden. Er ist immer da, gewalttätig und bricht manchmal als Krieg aus, wie der 1. Weltkrieg zum Beispiel, wahrscheinlich auch der zweite. Eine historische Kritik würde eine alte Form des Feminismus kritisieren, der aktuelle kann diesen „Angriff auf die »feministische Machtvertikale« und ihre kulturelle Hegemonie“ locker wegstecken.

    • @quellwerk:

      »Das bedeutet: Feminismus 5.0.«

      Feminismus ist nur eine Seite des Geschlechterthemas (auch wenn viele Feministinnen einen inklusiven Anspruch erheben). Ich betrachte in dem Buch die »Gesamtgeschichte« der westlichen Gesellschaften als eine Emanzipationsgeschichte, und darum steht der Begriff der Emanzipation im Zentrum. Richtiger wäre es also, zu sagen, dass es um »Emanzipation 5.0« geht, und ob darin Feminismus noch eine Zukunft hat, hängt von der Lernfähigkeit der Feministinnen ab (die ich sehr pessimistisch einschätze).

      »Ich empfehle jeder Theorie des Feminismus, soweit sie nicht von Feministen stammt, die Gewaltätigkeit von Frauen ggü. Männern als konstantes Element in dem jeweiligen theoretischen Gerüst einzufügen«

      Mit Verlaub, aber der Verweis auf die Schieflage bei der Wahrnehmung häuslicher Gewalt ist schon seit langem ein Kernstück der männerrechtlichen Kritik. Und zur politischen Gewaltsamkeit (unter anderem) des Feminismus hat eben erst Arne Hoffmann ein Buch herausgebracht.

      »Der Feminismus kann nicht historisiert, verniedlicht und in die Ecke gestellt werden. Er ist immer da, gewalttätig und bricht manchmal als Krieg aus, wie der 1. Weltkrieg zum Beispiel, wahrscheinlich auch der zweite.«

      Der erste Weltkrieg als Produkt des Feminismus?! In welchem Paralleluniversum lebst Du?

      »Eine historische Kritik würde eine alte Form des Feminismus kritisieren, der aktuelle kann diesen „Angriff auf die »feministische Machtvertikale« und ihre kulturelle Hegemonie“ locker wegstecken.

      Zur historischen Kritik gehört auch die Kritik existierender Geschichtsbilder, und ich kritisiere, dass Feministinnen dazu neigen, ihre eigene Geschichte analog zum Muster des »Handelns großer Männer« erzählen, über das die Geschichtswissenschaft aus guten Gründen längst hinaus ist.

  • Wäre dein Blick nicht vernebelt, würdest du den Feminismus der 1. Welle als Katalysator des 1. Weltkrieges nicht von vornherein ausschließen und in ein Paralleluniversum verbannen.

    https://www.sueddeutsche.de/politik/frauenbewegung-im-ersten-weltkrieg-heimatfront-im-dienste-der-maenner-1.2071424

    https://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35261/erster-weltkrieg?p=all

    Es gibt aktuelle Beispiele aus dem kolonialen Gender Mainstreaming, die auszugraben einer qualtitav anderen wissenschaftlichen Neugier vorbehalten sind. Ein offizielle Anleitung zum Gendern (Gender-Handbuch – eine Analyse gibt es hierzu von Jan Deichmohle: https://www.amazon.de/Die-Genderung-Welt-Feminismus-Geschlechter/dp/3845917156 und eine Rezension dieser Analyse von mir hier: http://www.faktum-magazin.de/2015/12/gleichheit-und-differenz/) in der 3. Welt zersetzt bewusst Familien und lobt Kriege, die vor allem Männer zum Opfer fallen, mit dem Hinweis, sie seien eine Chance für die Frauenbwegung in Afrika.

    Es gehört nicht viel Scharfsinn dazu, hier einen Zusammenhang zu postulieren und zum wissenschaftlichen Gegenstand zu erheben, nämlich zu fragen, inwieweit Nutznießer von Folgen des Krieges (vermeintlich oder tatsächlich) zur Entstehung der bedingenden Prämissen dieser Folgen beigetragen haben.

    • @quellwerk:

      Die von Dir verlinkten Texte belegen die Tatsache, dass sich die bürgerliche Frauenbewegung (ebenso wie übrigens die deutsche Sozialdemokratie) zum »Großen Krieg« nicht besonders kritisch geäußert hat – ähnliches gilt auch für England (wer Understatement findet, darf es behalten). Das ändert aber nichts daran, dass die zum Krieg führenden Zusammenhänge auf einer anderen Ebene angesiedelt sind, nämlich bei den Regierungen und Parlamenten der europäischen Nationen und der von ihnen betriebenen Bündnis- und Machtpolitik. »Katalysiert« hat die Frauenbewegung hier gar nichts, sie hat nur begeistert „Jawoll!“ gerufen, als der Krieg schließlich da war – wie so viele andere Menschen beiderlei Geschlechts auch (und nicht nur in Deutschland).

      »Es gehört nicht viel Scharfsinn dazu, hier einen Zusammenhang zu postulieren und zum wissenschaftlichen Gegenstand zu erheben«

      Es genügt aber nicht, den Zusammenhang zu postulieren, Du musst ihn auch belegen, sonst endet das Postulat als gescheiterte Arbeitshypothese. Dazu wäre es angemessen, wenn Du das Argument im verlinkten Buchtitel kurz zusammenfassen und/oder die Kernaussage Deiner Rezension reproduzieren würdest.

      • Soweit ich es sehe, gibt es im deutschsprachigen Raum keinen, der diesen Zusammenhang ausspricht. Sucht man nach Feminismus als Kriegsursache findet man „Männlichkeit als Kriegsursache“. Es tut mir leid, dass ich dir kein Standardwerk reichen kann, da du so gern auf breiten Pfaden wanderst. In meinem Argument habe ich das Postulat aufgestellt, dass Nutznießer einer Folge B auch an der Entstehung ihrer Ursache A beteiligt sein können. Im Gender Mainstreaming in Afrika ist die Gender Politik, afrikanische Männer zu entwurzeln, Familien zu zersetzen, insgesamt dörfliche Strukturen zu beschädigen, so dass junge Männer die Dörfer verlassen, um für ein Auskommen zu sorgen. Diese Männer finden sich u.a. bei Boko Haram wieder. D.h. Feminismus fördert Terrorismus. Aktuelle Bombenexplosionen in Schweden sind ein direktes Produkt des Feminismus und hier hast du sogar dein ersehntes Parlament und Regierung als Agenten, denn diese sind dort feministisch. Dies ist aktuell. In Deutschland fördert ein feministischer Mindset Massenimigration was auf langer Sicht zu einer Zermürbung der heimischen Bevölkerung führt, das ganze begleitet von feministischer Irrationalität. Dies geschieht zeitgleich in mehreren europäischen Staaten. Wenn wir hier in 5 oder 10 Jahren in Europa Krieg haben werden, dann sage ich: das ist ein feministisches Werk, während du nach ökonomischen Lobbygruppen als Verursacher suchen wirst. Vor dem 1. Weltkrieg gab es den Feminismus der erstem Welle, dessen hervorstechendes Merkmal Hysterie war. Sie bildeten ein Vorgriff, ein Template für die nachfolgende Massenmobilisierung. Auch hier erfolgte vorher eine jahrelange Zersetzung männlicher Werte.

        Jeder, der diese Zusammenhänge untersuchen wollte, ist wissenschaftlich erledigt – insofern ist dein Bitte um wissenschaftliche Nachweise betrüblich. Eine korrekte Antwort von dir wäre gewesen: der Nachweis, dass Feminismus Krieg verursacht, ist nicht erbracht – der Nachweis, dass Feminismus keinen Krieg verursacht, ebenso wenig. Dass Feminismus keinen Krieg verursacht, sagt der Feminismus selbst – allein diese Tatsache ist ein Hinweis auf die Gültigkeit des Gegenteils. Jeder, der sich kritisch mit Feminismus beschäftigt lernt als erstes, das Gegenteil einer feministischen Aussage als die realistischere Arbeitshypothese zu wählen.

        • @quellwerk:
          In meinem Argument habe ich das Postulat aufgestellt, dass Nutznießer einer Folge B auch an der Entstehung ihrer Ursache A beteiligt sein können.

          Dann wäre als erstes zu klären inwiefern spezifisch Frauen Nutznießer von Kriegen sind. In meiner Welt sind i.A. weder Frauen noch Männer an Kriegen interessiert, Ausnahmen mag es geben, diese verteilen sich jedoch ebenfalls auf beide Geschlechter. Dass ein Krieg Vorteile spezifisch für Frauen brächte scheint mir eine etwas weit hergeholte These, welche auch der Alltagsrealität der meisten Menschen völlig widerspricht. Die allermeisten Menschen (!) wollen keinen Krieg.

          Es mag sein, dass Gender Mainstreaming unwissentlich zu gesellschaftlichen Zuspitzungen beiträgt, welche sich schließlich in Kriegshandlungen entladen (auch wenn ich hinter diese These ebenso ein großes Fragezeichen setzen würde). Dann zieht dein Argument aber auch nicht, denn du behauptest ja explizit dass es absichtlich, also wissentlich passiert. Um solche unvorhergesehene und unbeabsichtigten (!) Folgen (so es sie gibt) dem Gender Mainstreaming umzuhängen musst du erst recht ganz klare empirische Zusammenhänge nachweisen.

          Im Gender Mainstreaming in Afrika ist die Gender Politik, afrikanische Männer zu entwurzeln, Familien zu zersetzen, insgesamt dörfliche Strukturen zu beschädigen, so dass junge Männer die Dörfer verlassen, um für ein Auskommen zu sorgen. Diese Männer finden sich u.a. bei Boko Haram wieder. D.h. Feminismus fördert Terrorismus.

          Inwieweit nützt das Frauen? Ich sehe hier nur Nachteile, und zwar sowohl für Männer als auch für Frauen.

          • Wenn eine Ursache A die Folge B hat, so ist der Umfang der in A enthaltenen Prämissen und der Umfang der in B enthaltenen Teilfolgen zu bestimmen. Ferner ist ein möglicher Wechselbezug festzuhalten. Wenn ich sage, Feminismus verursacht Krieg, dann ist der Krieg eine Teilfolge der vom Feminismus hergestellten Prämissen. In diesem Zshg. ist es durchaus möglich, das der Feminismus sagt, es wolle die Teilfolge B1 (Krieg) nicht, aber die Teilfolge B2 (Emanzipation der Frau). Wie djadmoros oben bemerkt, hat der Feminismus des 1. Weltkrieges B1 gewollt. Aktuell sagt der deutsche Feminismus, er wolle B1 nicht. Die Amerikanerin Hillary Clinton, eine Feministin, wollte und will Krieg. Die Prämissen zur Erreichung von B2 sind von besonderer Qualität, sie unterscheiden sich zum Beispiel signifikant von den Prämissen, die eine Befreiung von politischen Gefangenen zum Inhalt haben. Politische Gefangene sind von materiellen Ressourcen und der Meinungsfreiheit ausgeschlossen. Partriarchalische Gefangene (Frauen), die befreit werden sollen (B2), dominieren den Diskurs (=haben als die größte Meinungsfreiheit von allen) und verfügen vermittelt durch Männer über mehr nicht selbst erwirtschaftete materielle Ressourcen, als ihre Gefangenenwärter (Männer). Diese spezifische Gefangenschaft erfordert spezifische Prämissen, die der Art der Gefangenschaft angemessen sind. Um B2 (-> noch mehr Dominanz der Diskurses, noch mehr Partizipation an fremden ökonomischen Ressourcen) zu forcieren, müssen die Prämissen zum Beispiel sein: A1: Einführung von Irrationalität als valides Denken A2: Verfestigung des Opferbildes der Frau A3: Etablierung der geschlechtslosen Frau, um sie als omnipotent darstellen zu können A4: Einführung von Doppelsprech (das einmal die Frau als Opfer, dann als omnipotent darstellt) A5: Abwertung männlicher Werte A5: explizite Diskriminierung von 80% der Männer A6: Abschaffung von Wahrheit, Charakter, Ehrlichkeit -> führt zu mafiösen Strukturen, Auflösung des Staates, usw. usw. und ermöglicht die Erbeutung von gesellschaftlichen Ressourcen.

            Es gibt also ein ganzes Bündel links und ein ebenso großes Bündel rechts des Ursachen-Wirkung-Zusammenhanges und es kommt noch der Rückbezug und Wechselbezug hinzu.

            Ich gebe dir recht, Feministen sind i.A. zu schlicht, um die gesamte Interdependenz des Zshgs zu überschauen, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sie in der Lage sind, das Bündel der Prämissen A1,A2,….. herzustellen, ohne zu wissen, wie die Wirkung B1,B2,….. aussehen mag. Insofern halte ich meinen Standpunkt: Feminismus verursacht Krieg.

          • @ quellwerk „In Deutschland fördert ein feministischer Mindset Massenimigration“ Naja, wenn alles irgendwie feministisch ist, ist es auch nicht verwunderlich, dass der Feminismus irgendwie an allem Möglichen Schuld trägt. Das ist dann aber eine schlichte Frage der Definition, keine empirische Aussage.

            Der Wunsch, EINE WESENTLICHE Ursache für Katastrophen und Verbrechen zu finden, hat immer auch eine Entlastungsfunktion. Wenn eine bestimmte Gruppe verantwortlich gemacht werden kann, dass können sich andere freigesprochen fühlen.

            „Auch hier erfolgte vorher eine jahrelange Zersetzung männlicher Werte.“ Kriegspropaganda, auch vor den Weltkriegen, betont gerade ganz bestimmte, als männlich geltende Werte – Tapferkeit, Opferbereitschaft, aber auch Härte, Dominanz und Selbstbeherrschung.

            Schlüssig ist es eher, davon auszugehen, dass eine stark komplementäre Geschlechterordnung politische Verbrechen und Kriege begünstigt, weil sie eine Diffusion der Verantwortung nahelegt. Frauen können sich schuldlos fühlen, weil sie ja den Eindruck haben, sie würden eigentlich gar nichts tun – Männer können sich schuldlos fühlen, weil sie das Gefühl haben, sie würden ja nicht für sich selbst in den Krieg ziehen, sondern für das Volk, als dessen Mittelpunkt dann die Frau und Mutter imaginiert wird.

            Daraus lassen sich durchaus Argumente gegen bestimmte feministische Positionen gewinnen, hier z.B. gegen Mitscherlichs Vorstellung von der „friedfertigen (deutschen!) Frau“, die an den Verbrechen des Nationalsozialismus unschuldig gewesen wäre. Aber diese Argumente lassen sich eben nur klären, wenn nicht von Vornherein immer schon feststeht, dass der Feminismus irgendwie ohnehin an allem Schuld ist.

            Differenziertere und eben auch fairere Haltungen können ebenfalls kritisch sein, sind aber viel wirkungsvoller.

            Die Kritik, die Ingbert am Feminismus äußert, trifft auch deswegen so gut, weil er Feministinnen eben nicht für alles immer schon verantwortlich macht. Deshalb finde ich es schade, und eine verschenkte Gelegenheit, wenn wir hier über die Schuld des Feminismus am 1. Weltkrieg debattieren (an dem nun wirklich ganz andere massive Schuld trugen) , anstatt auf Ingberts Text einzugehen.

          • @Lucas Schoppe
            Verhalte dich zum Feminismus nicht so zärtlich. Ich mache den Feminismus nicht für alles verantwortlich. Ich weiß ziemlich genau, zu was er in der Lage ist und was er nicht vermag. Als Endursache fällt der Feminismus schon deswegen aus, weil ihm dazu die intellektuelle Kapazität fehlt. Vielmehr mache ich deutlich, dass die Idee, eine akademische Konfrontation des Feminismus sei möglich, illusorisch ist, weil Feminismus nicht wissenschaftlich vorgeht. Wenn man den akademischen Wettkampf mit Feministen aufnimmt, sagt man implizit, dass man nach den feministischen Regeln spielt. Das ist wie bei Wikipedia. Ich nehme Ingbert ernst und polemisiere gegen seinen Anspruch. Ich kann aber auch, wenn du es möchtest, Ingbert loben und auf die Schulter klopfen – so etwas mache ich aber eigentlich nur bei denen, von denen ich glaube, sie schaffen es nicht.
            Außderdem: eine stark komplementäre Geschlechterordnung begünstigt nach deiner Einschätzung politische Verbrechen und Kriege, weil sie eine Diffusion der Verantwortung nahelegt. Wo steckt hier das Oben und Unten? Wir machen Krieg aus einem dringlichen Bedürfnis heraus und eine Verschiebung der Verantwortung kommt uns gelegen? Diese These ist wesentlich schräger als meine des kriegsverursachenden Feminismus. Eine Masse von Menschen begeht Krieg aus Unsicherheit, Bedrohung, geringes Selbstwertgefühl, Selbstverachtung, erfahrene Erniedrigung oder Gewalt, alles negative Sachen, die – ich weise noch einmal darauf hin – das Spezialgebiet des Feminismus sind. Hier ist er zu Haus und treibt sein Spiel und die Menschen ins Unglück.

          • @quellwerk:

            »Wenn man den akademischen Wettkampf mit Feministen aufnimmt, sagt man implizit, dass man nach den feministischen Regeln spielt.«

            Da widerspreche ich Dir. Die akademischen Regeln sind mit den feministischen Regeln nicht identisch, und man kann im Gegenteil gerade dadurch den Feminismus konfrontieren, dass man aufzeigt, wo dessen Vertreter die akademischen Regeln verletzen. Die Kritik beispielsweise an der Genderforschung macht genau dies. Man kann zeigen, dass ein erheblicher Teil der wissenschaftlichen feministischen Theoriebildung und empirischen Forschung schlechte Wissenschaft ist, junk science, wie etwa sciencefiles nicht müde wird zu betonen.

          • Der Feminismus hat nur leider die Macht ihre Regeln als die Wissenschaft schlecht hin zu deklarieren. Und gleichsam echte Wissenschaft als patriarchale Diskriminierung und Unterdrückung der Frau hinzustellen.

  • „Mit der Entfaltung des globalisierten, neoliberalen Kapitalismus und dem Druck, den er auf die Erwerbssphäre ausübt, ist in der bürgerlichen Gesellschaft das Verhältnis von Erwerbssphäre und Privatsphäre wieder kritisch…
    …sondern dass sie soziale Funktionsbereiche und die in ihnen waltenden objektiven Anforderungen in einen sinnlich erfahrbaren Code übertragen.“

    Habe das in anderen Worten schon oft gelesen auch hier von Schoppe und stimme dem voll und ganz zu.

    Wenn man das für „Nichtintelektuelle“ auf „Normal“ (man verzeihe mir bitte die Saloppe Formulierung) schreiben könnte, würden, denke ich, Feministinnen sehr viel Zulauf verlieren und gleichsam Menschenrechtler an Zulauf gewinnen.

    (und bitte nicht als Kritik verstehen, dass es schlecht sei. Ich finde es sehr gut und weis ja selbst auch nicht, wie man das einer breiten Masse leicht erklären kann)

    • @Andreas:

      »Wenn man das für „Nichtintelektuelle“ auf „Normal“ (man verzeihe mir bitte die Saloppe Formulierung) schreiben könnte, würden, denke ich, Feministinnen sehr viel Zulauf verlieren und gleichsam Menschenrechtler an Zulauf gewinnen.«

      Ich finde den Einwand nicht unberechtigt und höre ihn auch öfter. Ich sehe da eine grundsätzliche Schwierigkeit, wenn man über komplexe Zusammenhänge zu schreiben versucht, dass mir die einfachen Versionen meiner Gedanken erst dann einfallen, wenn ich zu meinem eigenen Text eine gewisse Distanz gewonnen habe.

      Ich sehe mich auch jetzt erst allmählich in der Lage, das Gesamtargument des Buches so zusammenzufassen, dass ich beispielsweise einen Vortrag daraus destillieren könnte.

  • @djadmoros

    Gib’s das Buch auch irgendwo in einer digitalen Fassung (PDF, Kindle etc.)? Würde es gerne lesen, aber eben digital! 🙂

    • @Mark Smith:

      Ich hatte bei BoD eine Ebook-Version (dort nur als PDF möglich) mitbestellt, aber die scheint noch nicht fertig zu sein. Und die Kundenhotline ist seit ein paar Minuten im Wochenende. Wenn am Montag früh immer noch keines lieferbar ist, rufe ich umgehend dort an und frage nach.

    • @Mark Smith:

      Laut Auskunft von BoD ist die Bereitstellung als PDF ist darum aufwendig, weil unterschiedliche EBook-Anbieter unterschiedliche Formate verwenden, die alle berücksichtigt werden müssen. Die Wartezeit beträgt zwei bis vier Wochen nach Erscheinen des Print-Titels, und da eben erst die Buchmesse vorbei ist, die viel Kapazität bindet, muss ich wohl eher mit vier Wochen rechnen. Ich mache mir mal eine »Wiedervorlage« für Montag, 11. November.

      • „Laut Auskunft von BoD ist die Bereitstellung als PDF ist darum aufwendig, weil unterschiedliche EBook-Anbieter unterschiedliche Formate verwenden, die alle berücksichtigt werden müssen.“

        So ein Quatsch!
        PDF ist zu praktisch und einfach, deshalb werden völlig überflüssige E-books fabriziert, damit eben gerade NICHT jeder Interessierte auf einfache Weise an den Text kommen kann. Man soll ja überflüssige Hardware und dazugehörige Spyware abnehmen müssen, um von unsinnigem Mist abhängig zu werden.

        • @Fiete:

          »PDF ist zu praktisch und einfach, deshalb werden völlig überflüssige E-books fabriziert, damit eben gerade NICHT jeder Interessierte auf einfache Weise an den Text kommen kann«

          BoD verwendet ja das PDF-Format als Ebook-Format. Was der Support mit »anderen Formaten« gemeint hat, kann ich Dir leider auch nicht sagen.

  • Sehr erhellende Analyse – vielen Dank dafür!

    Zwei Ergänzungen zum obigen Text würde ich überlegen:

    – In dem obigen Absatz „Im Unterschied zu 68er-Bewegung hat sie sich freilich auch in viel höherem Maße durch Institutionalisierung und durch die erfolgreiche Etablierung von Lobby-Organisationen und Netzwerken kollektiv organisatorisch verstetigt und …“ könnte man auf den Staatsfeminismus hinweisen, der seit dem Ende der 1970er Jahre die westlichen Demokratien prägt. Ich würde auch den „governance feminism“ nennen – dies ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

    – In dem obigen Absatz mit den „drei »Großen Lügen« des Feminismus“ würde ich als vierte Lüge die Reduzierung der Frau auf ihre Gebärfunktion nennen. Dieses Dogma ist heute etwas in den Hintergrund getreten, spielte in den 1960er und 1970er Jahren aber eine große Rolle. Jessica Valenti wiederholt es noch in ihrem Buch von 2007 „Full Frontal Feminism: A Young Woman’s Guide to Why Feminism Matters“: Frauen werden von Männern angeblich dazu gezwungen, Kinder zu kriegen und Kinder großzuziehen – danch ist ihr Leben fast vorbei.

    Allgemein habe ich den Eindruck, Deine Analysen könnte akademisch erheblich aufgewertet werden, wenn Du sie einbetten würdest in Foucaults Projekt einer Genealogie gesellschaftlicher Diskurse („Genealogie“ im Sinne Foucaults, ausgehend von Nietzsche). Inhaltlich bietet sich das ohnehin an, und es würde Deinen Thesen großen Nachdruck verleihen. (Es ist klar, daß Du hierdurch nicht alle Macken und Mätzchen Foucaults übernehmen mußt – es geht vornehmlich um seinen theoretischen Rahmen.)

    • Damit seine Erkenntnisse von Butler 2.0 rezipiert werden? Foucault als Garant akademischer Aufwertung – nicht schlecht. Deutlicher kann man den Wunsch, vom wissenschaftlichen feministischen Mainstream ernstgenommen zu werden, nicht ausdrücken. Übrigens könnte dein Vorschlag vom Autor als Beleidigung aufgefasst werden, nämlich insofern, indem seine Texte fähig seien, für ein poststrukturales Gemurmel verwurstet werden zu können.

    • @Jochen Schmidt:

      »Zwei Ergänzungen zum obigen Text würde ich überlegen«

      Ja, den Text kann man mit Sicherheit noch präzisieren und ausdetaillieren. Allerdings ist das Buch das erste einer geplanten Reihe, und wenn mich nicht vorher der Blitz beim Scheißen trifft, dann ist die historisch detaillierte Darstellung der Frauenbewegung Gegenstand des letzten Hauptabschnitts, »Der Mythos von der politischen Unschuld des Feminismus«. Im aktuellen Band nehme ich gleichsam eine Vogelperspektive auf die Geschichte der westlichen Gesellschaften ein, da habe ich dem historischen Längsschnitt Vorrang vor den Details einzelner Epochen eingeräumt.

      »Allgemein habe ich den Eindruck, Deine Analysen könnte akademisch erheblich aufgewertet werden, wenn Du sie einbetten würdest in Foucaults Projekt einer Genealogie gesellschaftlicher Diskurse«

      Ich stimme Dir grundsätzlich zu, würde aber allgemeiner auf eine »Diskursanalyse« abzielen, in der Foucault zweifellos eine Rolle spielen wird, in der ich aber nicht so stark festgenagelt bin. (Auch @quellwerk:) Der Witz ist ja, dass unsere Feministinnen »Diskursanalyse« auf alles und jeden anwenden (sie kann als feine Ausrede missbraucht werden, um über jemanden zu reden anstatt mit jemandem), nur nicht auf sich selbst. Es gibt in meinen Augen keine »bösen« Theoretiker, es gibt nur naive Rezeptionsweisen (bzw. das Bedürfnis, einen Jargon zu kopieren), was man ohnehin vermeiden sollte. Da halte ich es mit Leszek, der immer wieder betont, dass er versucht, aus einzelnen Theoretikern die »Teilwahrheiten« zu extrahieren, und m. E. kann gute Sozialwisssenschaft gar nicht anders funktionieren als so, weil eben der Gegenstand der Sozialwissenschaften viel weniger klar bestimmt ist als der der Naturwissenschaften.

    • Noch ein Nachschlag zu den »bösen« Theoretikern: Sich auf Argumente einzulassen, ist ein Anspruch, den jeder erheben kann, der Argumente liefert, also in das »Spiel des Gebens und Verlangens von Gründen« (Robert Brandom) eintritt. Das schließt, um es am Extremfall zu illustrieren, auch den hinterletzten Nazi und Holocaustleugner ein – denn wenn niemals jemand herginge und die Texte des hinterletzten Holocaustleugners läse und seine Argumente prüfte, dann hätte auch niemals jemand die hinterletzten Holocaustleugner in der Sache widerlegt! Grundsätzlich ist dazu aber eine prinzipielle Offenheit erforderlich, die sich selbst gegenüber die Chance einräumt, auf unerwartete Argumente zu stoßen, die es möglicherweise erforderlich machen, die eigene Position zu modifizieren. Wer dieses Risiko scheut (»Ambiguitätstoleranz«), der sollte die Wissenschaft an den Nagel hängen und in der Kirche beten gehen. Leider ist es so, dass die intersektionalen Sektierer sich genau so verhalten und aus den Sozialwissenschaften weitflächig eine Kirche gemacht haben.

  • Limburg: Mann tötet Frau brutal mit Axt auf Straße – Beziehungstat vermutet
    https://www.morgenpost.de/vermischtes/article227463407/Limburg-Mann-toetet-Frau-mit-Axt-auf-Strasse-Polizei-mit-Appell.html

    Mann tötet Ex-Freundin und ihre Familie
    https://www.sueddeutsche.de/panorama/kitzbuehel-fuenf-tote-1.4629239

    Mann tötet 19-Jährige und schießt auf ihre Mutter
    https://www.welt.de/regionales/duesseldorf/gallery119043886/Mann-toetet-19-Jaehrige-und-schiesst-auf-ihre-Mutter.html

    Ehemann soll Frau mit Messerstichen getötet haben
    https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_86560214/beziehungsdrama-in-ennigerloh-ehemann-soll-frau-mit-messerstichen-getoetet-haben-.html

    Tödliches Beziehungsdrama in Rünthe: Ein 32-Jähriger hat in Rünthe seine Lebensgefährtin umgebracht und dann Suizid begangen.
    https://www.hellwegeranzeiger.de/bergkamen/toedliches-beziehungsdrama-in-ruenthe-plus-1457758.html

    Nachbarn hörten Schreie – Mann tötet Noch-Ehefrau
    https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-aktuell/brandenburg-eine-tote-und-ein-schwerverletzter-in-teltow-65583076.bild.html

    Und hier eine Übersicht: Opfermeldungen 2019
    http://www.onebillionrising.de/femizid-opfer-meldungen-2019/
    Deutschland 2019 – Bis heute wurden in diesem Jahr bereits 104 Frauen und 13 Kinder durch ihre (Ex-)Partner getötet, weitere 37 Frauen z.T. lebensgefährlich verletzt.

    Wenn mal keine solchen Morde mehr passieren, DANN ist es Zeit, den Feminismus zu „historisieren“.

    Fazit: TÖDLICHE Gewalt geht von Männern aus.

    Wie kann man da ernsthaft behaupten, der Feminismus hätte keine Berechtigung mehr?

    Was für eine Haltung / welches Denken steht hinter all diesen Taten? Man kommt doch gar nicht dran vorbei, das als „patriarchalisch“ zu bezeichnen: nämlich als die Meinung, der Mann hätte das Recht, über Leben und Tod der Frau zu befinden, wenn ihm etwas nicht passt. Speziell „dass sie ihm gehöre“, er sie also töten dürfe, wenn sie ihn verlässt.

    In Männerblogs liest man häufig, Frauen seien in Beziehungen genauso gewalttätig. Ich lese allerdings keine vergleichbaren Meldungen, auch nicht über z.B. Vergiftungen, die ja als „weibliches“ Tötungsmittel gelten.

    Diese Behauptung gelingt nur, wenn man den Gewaltbegriff weit ausdehnt und z.B. weniger verletztende und „psychische Gewalt“ einbezieht.

    Das aber werfen Männerblogger auch den Umfragen vor, bei denen heraus kommt, dass jede 3. oder 4. Frau schon Gewalt erlebt habe. Argumentieren dann aber selbst genauso!

    • @Leander:

      Das Thema der von Frauen ausgeübten Gewalt habe ich in einem anderen Buchauszug angeschnitten, den Du bei Alles Evolution findest. Hier ist die feministische Haltung zur häuslichen Gewalt einschlägig: Bereits Erin Pizzey, die Gründerin der britischen Frauenhausbewegung, wußte aus der Erfahrung mit ihrer Klientel, dass 60 Prozent der Frauen selber auch Gewalt ausübten und dass sich solche Gewaltverhältnisse auch nicht auflösen lassen, in dem man eine Seite einseitig für schuldig erklärt. Ein Standardwerk zum Thema ist mittlerweile das Handbuch Familiäre Gewalt im Fokus, und wie das öffentliche Wissen über diese Verhältnisse beispielsweise bei Wikipedia frisiert wird, kannst Du (weiterführende Links inklusive) bei Genderama nachlesen, dort wird auch eine weitere Linksammlung verwiesen. In den USA ist der Fall Jodi Arias spektakulär geworden, ein Beziehungsmord durch eine Frau, die dafür nur knapp der Todeszelle entronnen ist.

      Eine Pilotstudie zum Thema von 2004 mit ähnlichen Ergebnissen stammt sogar vom BMFSFJ selbst (Kurfassung, Langfassung), und trotzdem sind die politischen Kampagnen zum Thema völlig einseitig auf Männergewalt ausgerichtet. Einschlägig zur Wahrnehmung von Gewalt gegen Männer sind auch Verhaltensexperimente im öffentlichen Raum wie diese hier: Gewalt gegen Männer wird nicht als Gewalt wahrgenommen. In dieselbe Kerbe haut auch das feministische male tears-Mem: der verlinkte Slate-Artikel verniedlicht die entsprechende Einstellung als Ironie, was jedoch auf dem Zirkelschluss beruht, bereits in die Prämisse verlegt zu haben, dass Gewalt gegen Männer weniger zählt (und gezählt wird). Das genannte Handbuch verweist auch auf das Duluth model, das eine solche schiefe Wahrnehmung in Gesetzesform gegossen hat – die Polizei darf weibliche Gewalttäter nicht mal dann in Gewahrsam nehmen, wenn sie sie in flagranti erwischt, sondern muss den Mann mitnehmen. Manndat hat mal darauf hingewiesen, auf welche Weise die öffentliche Wahrnehmung zum Thema manipuliert wird, in diesem Fall vom Deutschlandfunk.

      Kommen wir nun zu den Beziehungsmorden im engeren Sinne: da haben wir im Kern die Ehrenmorde, die ganz überwiegend einen migrantischen Hintergrund haben. Solche Morde finden im Kontext soziokultureller Milieus statt, in denen noch ganz andere Faktoren als das männliche Geschlecht des Täters eine Rolle spielen: in der Regel sind solche Morde Entscheidungen eines Familienrats, dem auch die Mutter angehört, oder die Initative geht direkt von der Mutter aus. Der männliche Täter ist dann derjenige, an den die »Ehre« delegiert wird, den Mord auszuführen. Unabhängig vom Migrationsthema: entscheidend ist, dass der Feminismus komplett unfähig ist, trotz allen Geschwätzes von »Strukturen«, solche konkreten Strukturen tatsächlich zu analysieren. Wenn das »Patriarchat« sein soll, dann ist der feministische Begriff des Patriarchats »broken beyond repair«, und genau das ist meine These. »Patriarchat« als Strukturbegriff, der dann doch bloß wieder auf irgendeine »Männlichkeit« zurückgeführt wird, leistet dies nicht, und hier hat feministische Ideologie eine ganze akademische Generation verdorben!

      Und hier kommen wir allmählich zum Kern der Sache: zu dieser ganzen Thematik haben Feministinnen nur einen Hammer im Gepäck, weshalb für sie alles wie ein Nagel aussieht: ein obskures ideologisches Konstrukt namens »Männergewalt«, im Kontext solcher ebenso obskuren Konstrukte wie »hegemoniale« und »toxische Männlichkeit«. Und das ist mit den Jahrzehnten nicht besser geworden, sondern schlimmer. Die feministische Weltwahrnehmung hat sich so tief in ihre eigenen sexistischen Klischees verrannt, dass von ihr kein Beitrag zu einer realistischen Problemwahrnehmung mehr ausgeht. Und darum plädiere ich dafür, den Feminismus zu »historisieren«. Feminismus schadet nicht nur Männern, er schadet auch Frauen, und unsere Frauenlobbies lassen sich dafür vom Staat Zucker in der Arsch blasen und die Nase vergolden, dass sie der politischen Klasse ein Scheinproblem nach dem anderen servieren, anhand dessen diese dann eine Problemlösungskompetenz simulieren kann, über die sie mangels Lernbereitschaft schon lange nicht mehr verfügt.

      • @djad: Ich bewundere dein Fähigkeit, wieder und wieder mit so exzellenten Beiträge auf dieselben altbekannte, vor Ideologie strotzenden Einwände (wie immer vorgebracht im Brustton der ehrlichen Entrüstung, diesmal von Leander) zu antworten.

        Großes Kompliment, dein Post kann als prototypischen Antwort auf den blinden Fleck „Frauengewalt“ im Feminismus dienen.

        @leander: Ich wünsche dir die Fähigkeit dich von einer einseitigen Betrachtungsweise zu lösen und beide Seiten der Medaille anzuerkennen. djadmoros Antwort ist hierzu ein guter Anfangspunkt.

        • @pingpong:

          Danke! 🙂 Ich könnte solche komprimierten Zusammenfassungen aber nicht in relativ kurzer Zeit formulieren, wenn ich nicht auf die immense Menge an Wissen zugreifen könnte, die die männerrechtliche Szene in den letzten zehn Jahren erarbeitet, aufbereitet und zusammengestellt hat.

      • @ Leander, djadmoros Eine kleine Ergänzung noch zum Begriff „Historisierung“, weil der Titel dieses Textes – für den ich verantwortlich bin – hier tatsächlich ein Missverständnis nahelegt.

        „Historisierung“ bedeutet nicht zu zeigen, dass etwas nicht mehr relevant ist. Es bedeutet allerdings, es im zeitgeschichtlichen Kontext, und daher mit Distanz, zu betrachten.

        Wenn wir heute Filme aus den 70ern sehen, können wir – manchmal amüsiert, manchmal mit Fremdscham – oft sehr leicht die Klischees der Zeit erkennen. Wir können manchmal sogar merken, dass sich auch Leute in den 70ern schon über Klischees anderer Zeiten, etwa aus den 50ern, lustig gemacht haben.

        Unsere eigenen Klischees sind uns hingegen meistens überhaupt nicht klar, über die werden Menschen in 20 Jahren lachen oder den Kopf schütteln. Wir haben eben die Distanz nicht, die uns bei anderen Zeiten eine kritische Auseinandersetzung leichter macht.

        Die fehlende Historisierung des Feminismus einzuklagen, bedeutet daher: Es hat besonders auf der Linken niemals eine ernsthafte Auseinandersetzung mit und eine Distanzierung von den selbstverständlichen Klischees gegeben, von denen natürlich auch feministische Positionen nicht frei sind.

        Judith Butler hat zwischendurch mal die Rede vom „Patriarchat“ abgelehnt, aber nicht etwa, um die Idee einer Männerherrschaft anzuzweifeln – sondern weil sie meinte, der Begriff „Patriarchat“ würde „Mann“ und „Frau“ immer schon als gegeben voraussetzen, anstatt sie als Konstruktionen zu entlarven. Die Fixierung auf diffus bleibende Herrschaftsstrukturen hat sie ganz selbstverständlich intensiviert, anstatt sie zu überprüfen.

        Eben in diesem Sinn ist der Feminismus, gemeinsam mit seinen zentralen Annahmen, niemals historisiert worden. Dass es ein Patriarchat gäbe, eine Männerherrschaft, männliche Privilegien, und dass sich daraus so ziemlich alle Unannehmlichkeiten und Schrecknisse der modernen Welt erklären ließen – das ist außer von Einzelnen trotz seiner offenkundigen Klischeehaftigkeit und Simplizität bei der Linken niemals ernsthaft angezweifelt worden.

        Eben daher ist es auch richtig, „Patriarchat“ als einen Mythos herauszustellen. Es ist ein grundlegendes Erklärungsmuster, das seinerseits nicht mehr erklärt und schon gar nicht angezweifelt wird. Feministische Positionen werden damit von links auch eigentlich auch gar nicht als politische Positionen wahrgenommen – denn dann würden sie ja selbstverständlich kritisiert werden können.

        Die Mythologisierung, die sich auch in der fehlenden Bereitschaft zur Historisierung zeigt, ist zugleich auch immer eine Ent-Politisierung.

      • @djadmoros: danke für deine umfangreiche Einlassung!

        In der von dir angeführten Studie des BMFSF (Kurzfassung) heißt es zum Thema körperliche Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Beziehungen:

        „Die quantitative Befragung erbrachte folgende Ergebnisse:

        -> Jedem vierten der befragten rund 200 Männer widerfuhr einmal oder mehrmals mindestens ein Akt körperlicher Gewalt durch die aktuelle oder letzte Partnerin, wobei hier auch leichtere Akte enthalten sind, bei denen nicht eindeutig von Gewalt zu sprechen ist.

        -> Jeder sechste der antwortenden Männer (36 von 196) gab an, einmal oder mehrfach von seiner aktuellen bzw. letzten Partnerin wütend weggeschubst worden zu sein.

        ->Die folgenden Handlungen wurden jeweils von fünf bis zehn Prozent der Männer benannt: Sie wurden von ihrer Partnerin „leicht geohrfeigt“ (18 von 196), „gebissen oder gekratzt, sodass es weh tat“ (13 von 196), „schmerzhaft getreten, gestoßen oder hart angefasst“ (10 von 196) oder die Partnerin hat „etwas nach ihnen geworfen, das verletzen konnte“ (10 von 196).“

        Sag selbst: steht das wirklich in vergleichbarem Verhältnis zu den vom mir oben zitierten Verbrechen mit tödlichem Ausgang für die Frau?

        Du schreibst auch:

        “ In den USA ist der Fall Jodi Arias spektakulär geworden, ein Beziehungsmord durch eine Frau, die dafür nur knapp der Todeszelle entronnen ist.“

        Ja warum ist er wohl „spektakulär geworden“? Weil dieser Mord eben eine höchst seltene Ausnahme ist. Im Allgemeinen sind Frauen die Opfer – und keineswegs selten, sondern bei uns mehrere Hundert pro Jahr.

        Das kann man doch nicht schönreden oder durch Vergleiche mit „leichten Ohrfeigen“ und „schubsen“ relativieren!

        Dass Feministinnen Männergewalt skandalisieren, sollte eigentlich nicht wundern. Klar halte ich verschiedene Meme und Kampfbegriffe für völlig überzogen und ungerecht – aber DASS dieses Thema ein Problem beschreibt, ist doch offenkundig.

        • @leander:
          Zwischen 66% und 75% aller Kindstötungen wird von Frauen begangen.
          (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kindst%C3%B6tung)

          Trotzdem sehen wir keine groß angelegten Kampagnen gegen toxische Weiblichkeit, Frauen werden nicht sofort kritisch beäugt wenn sie ein kleines Kind auch nur ansehen bzw. sofort verhaftet sollten sie es wagen das Kind anzurühren. Es erscheinen nicht gefühlt 100 Zeitungsartikel am Tag welche sich mit den großen Gefahren beschäftigen, die von Frauen für kleine Kinder ausgeht. Von den Berichten in Radio und Fernsehen fange ich gar nicht erst an.

          Warum passiert nichts von alledem? Könnte es daran liegen, dass das Merkmal „Geschlecht“ als Analysekategorie für die Ursachen von Kindstötungen völlig ungeeignet ist? Falls du hierauf mit „Ja natürlich“ antwortest, lies dir bitte djadmoros Antwort oben auf deine abstruse Schlussfolgerung

          Man kommt doch gar nicht dran vorbei, das als „patriarchalisch“ zu bezeichnen: nämlich als die Meinung, der Mann hätte das Recht, über Leben und Tod der Frau zu befinden, wenn ihm etwas nicht passt. Speziell „dass sie ihm gehöre“, er sie also töten dürfe, wenn sie ihn verlässt.

          nochmal durch, und versuche im Geist eine Verbindung zu der Argumentation bez. Kindstötung herzustellen. Es ist gar nicht so schwer.

          • Hmmm… „Infantizide innerhalb matriarchalischer Gesellschaftsstrukturen“. Wäre das nicht mal ein schöner Titel für ein soziologische Abhandlung? Djad, haste Lust, noch ein Bissel was zu schreiben? 😉

          • @Billy Coen:

            Kein Witz: die Matriarchatsmythologie will ich mir tatsächlich auch vorknöpfen! 😀 Mir hat auch noch keine Feministin erklären können, warum ein Musterbeispiel für eine »geschlechtergerechte« Kultur wie die Irokesen zugleich eine der kriegerischsten Indianerkulturen des Kontinents gewesen ist.

        • @Leander:

          Die Studie des »Ministeriums für alles außer Männer« ist nur eine unter sehr vielen, und sie enthält immerhin das Fazit, dass zum Thema Gewalt gegen Männer noch ein großer Forschungsbedarf besteht. Das gilt freilich nur für das Ministerium selbst, denn es gibt (und gab auch zum Zeitpunkt der Studie) bereits eine breite Forschungsliteratur, die ein genaueres Bild zeichnet. Ich zitiere aus der Zusammenfassung des genannten Handbuches, das seinerseits eine Vielzahl von entsprechenden Studien zusammenfasst:

          »Es gibt keinen Einzelfaktor, der häusliche Gewalt auslöst:

          Familiäre Gewalt und sozioökonomischer Status – Auch wenn es zutrifft, dass häusliche Misshandlung in allen Gesellschaftsschichten vorkommt, ist sie nicht in allen gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen ausgeprägt. Geringes Einkommen und niedriges Bildungsniveau sind die hauptsächlichen Risikofaktoren für häusliche Misshandlung.

          Häusliche Gewalt und Substanzmissbrauch – Zahlreiche Studien weisen eine starke Korrelation zwischen häuslicher Gewalt und Alkohol- oder Drogenmissbrauch nach.

          Weibliche Gewalt – Immer mehr Forschungsergebnisse dokumentieren die Rolle weiblicher Aggression in Beziehungsgewalt. Alle vorliegenden Ergebnisse lassen erkennen, dass für Frauen bei häuslicher Gewalt zwar größere Gefahr für Leib und Leben besteht als für Männer, dass aber eine erhebliche Minderheit der Verletzten oder Getöteten Männer sind.

          Gegenseitige Misshandlung – Ein Grund, dass die Forschung hier keine Fortschritte zeigt, liegt darin, dass der Mainstream-Diskurs über häusliche Gewalt einen weiteren Aspekt des Problems nicht zur Kenntnis nimmt: die Möglichkeit gegenseitiger Misshandlung, wenn Gewalt eben nicht zur Selbstverteidigung eingesetzt wird.

          Solange diese Faktoren bei der Gestaltung von Behandlungsprogrammen, Interventionen und Therapien unberücksichtigt bleiben, sind alle Strategien gegen häusliche Gewalt weiterhin kläglich zum Scheitern verurteilt.« (S. 698)

          Bezüglich Deines Einwandes also: es geht um weitaus mehr als um Schubsen und Kratzen, es geht auch hier um einen erheblichen Anteil von tödlicher Gewalt.

          »Dass Feministinnen Männergewalt skandalisieren, sollte eigentlich nicht wundern.«

          Einer der Aufsätze im Handbuch verweist darauf, dass die Gewaltneigung bei denjenigen Personen (m/w) am höchsten ist, die eine Persönlichkeitsstörung aufweisen. Von daher könnte man genauso gut (oder besser) von »Gestörtengewalt« reden. Klingt bloß bescheuert, nämlich fast schon tautologisch, so wie »Gewaltgeneigtengewalt«. Aber das verweist auf das Problem: auf die feministische Unterstellung, bei solcher Gewalt sei »Männlichkeit« der entscheidende Faktor. »Dass Feministinnen Männergewalt skandalisieren« ist folglich das Problem! Die Vokabel »Männergewalt« hat schlicht keinen analytischen Wert, sie sagt bloß aus: »wir picken uns denjenigen Anteil der Gewalt raus, der uns ideologisch in den Kram passt, stellen eine falsche Kausalität her und ignorieren den Rest«.

          In den USA war es aber lange Zeit so, dass genau diese feministischen Scheuklappe »Männergewalt« zur Grundlage politischer Handlungsempfehlungen bzw. -anweisungen geworden ist – mit der Idee: »wir strafen den Täter mit der ganzen Härte des Gesetzes!« Diese Vorgehensweise ist hinsichtlich der Zielsetzung, häusliche Gewalt zu verringern, schlicht gescheitert, und eine »Architektin« des Duluth Models hat später eingeräumt, dass das Konzept von Annahmen ausgegangen ist, die sich als falsch erwiesen haben.

          Zum Kontrast ein Zitat aus dem Newsletter von »Bürgerrecht Direkte Demokratie« (Sven von Storch) von gestern:

          »Der jüngste bestialische Frauenmord ist gerade ein paar Tage alt: In Limburg hat ein Mann seine Frau getötet. In den Medien ist von einem deutschen Täter die Rede. Was sie verschweigen: der Mann ist tunesischer Abstammung. Er hat seine Frau mit einer Axt nahezu enthauptet, nachdem er sie zuerst mit dem Auto überfuhr.«

          Und das wird zur Unterstützung solcher Forderungen aufgeführt:

          »Muslimische Männer werfen Kinder vom Balkon, sie gehen mit Messer und Beilen auf Frauen los, sie stoßen völlig Fremde vor Züge. Für jeden rechtsbewußten Bürger sind die Maßnahmen klar, um diese mittelalterlichen Zustände zu beenden: Ausländische Straftäter abschieben, die Grenze sichern und das von Merkel angerichtete Asylchaos endlich beenden.«

          Es sollte doch eigentlich auch Dir auffallen, wie ähnlich sich die jeweiligen Verkürzungen sind: Die einen reduzieren auf »Männer«, die anderen auf »Moslems«. Wobei ich die traditionelle Ehrenmoral vieler Muslime tatsächlich für ein Problem halte. Aber auch hier muss ich schon wieder Differenzierungen einführen, beispielsweise die soziale Herkunft aus einem traditionellen Milieu. Anstatt mich an einem Merkmal festzubeißen, muss ich in ein Faktorenbündel auflösen. Aber das lässt sich politisch nicht mehr so billig ausschlachten.

          • @djad:

            Alle vorliegenden Ergebnisse lassen erkennen, dass für Frauen bei häuslicher Gewalt zwar größere Gefahr für Leib und Leben besteht als für Männer, dass aber eine erhebliche Minderheit der Verletzten oder Getöteten Männer sind.

            Diesen Satz verstehe ich nicht ganz. Ich würde nach dem „aber“ in der 2. Satzhälfte einen Gegensatz erwarten, was dann kommt stützt bzw. ergänzt jedoch lediglich den Befund der ersten Satzhälfte? Wenn für Frauen eine größere Lebensgefahr besteht, dann ist es ja nur folgerichtig (nicht: aber!) dass Männer bei den Getöteten in der Minderheit sind.

          • Ich verstehe das so, dass es um den Unterschied zwischen »zu vernachlässigender Minderheit« und »erheblicher Minderheit« geht, denn ersteres hatte ja die feministische Deutung routinemäßig unterstellt. Das steht zwar so nicht im Satz, aber es ist der Kontext des ganzen Handbuchs (und wird von den Herausgebern explizit so benannt), dass es die Gewaltforschung vom »Mittelalter« ins »wissenschaftliche Zeitalter« führen will. Und zum »Mittelalter« gehört eben die feministische Unterstellung, Frauengewalt gegen Männer finde nicht in nennenswertem Umfang und Schweregrad statt.

          • @djad:

            Ok, mich hatte wohl das „erheblich“ im Zusammenhang mit „Minderheit“ verwirrt.
            Erheblich bedeutet in meinem Sprachverständnis: groß, bedeutend, enorm, immens usw. Und eine Minderheit ist in meinem Sprachverständnis so ziemlich das Gegenteil von diesen Attributen. 😉

        • Ergänzendes Fun-fact: Am Anfang meiner Studienzeit, so um 1987/88, war ich mal Mitglied in einer studentischen Gruppierung namens »Männer gegen Männergewalt«! Das war im Kontext derjenigen feministisch ausgerichteten Männerbewegung, die heute »lila Pudel« genannt werden. Damals war die Lufthoheit der feministischen Deutung noch ungebrochen. Ich bin nach einer Weile gegangen, als mir das dort vorherrschende emotionale Klima der Selbstzerknirschung zuviel wurde, aber der heutige Stand der Erkenntnisse schien damals völlig undenkbar!

    • @Leander
      Gewalterfahrungen in Beziehungen haben am meisten

      1. bisexuelle Frauen danach in absteigender Intensität
      2. lesbische Frauen
      3. bisexuelle Männer
      4. heterosexuelle Frauen
      5. heterosexuelle Männer
      6. schwule Männer

      Das führt zum Schluss, dass Beziehungen zu Männer am friedlichsten sind, wenn man unterstellt, dass die Position 1 von Frauen gehalten wird, die Gewalt durch Frauen erfahren haben, was dadurch nahegelegt wird, dass die danach gewalttätigste Beziehung diejenige von Lesben ist und die sicherste Beziehung von heterosexuellen Frauen diejenige zu Männern ist. Deine Liste spiegelt die Oberfläche eines tieferliegenden Problems wider, wie djadmoros kenntnisreich dargelegt hat.

        • So etwas findest du per Google – Suche nicht. Ich hatte vor einiger Zeit einmal den Ehrgeiz, unterdrückte Untersuchungsergebnisse zu Gewalt in Beziehungen zu sammeln. Es gibt sehr viele Studien, die meine Liste von oben bestätigen – hin und wieder liest man, dass lesbische Beziehungen gewalttätig sind. Tatsächlich gilt die Regel für eine Frau: willst du was aufs Maul in einer Beziehung, gehe mit einer Frau zu zusammen – dann ist die Wahrscheinlichkeit am größten. Die von mir gegebene Liste habe ich aus einer Grafik, die ich, meine ich mich zu erinnern, selbst ins Deutsche transformiert habe. Da man hier keine Bilder einfügen kann, schau bitte mal unter dem Link, den ich oben angegeben habe (meine Analyse von Deichmohles Buch):

          http://www.faktum-magazin.de/2015/12/gleichheit-und-differenz/

          Im ersten Drittel des Textes die dritte Grafik entspricht dem, was ich oben sage. Die Grafik habe ich selbst erstellt, aber aus Daten einer amerikanischen Regierungs-Studie (CDC), die eine Untersuchung über Gewalterfahrungen in Partnerschaften gemacht haben (2010). Wenn du das Bild vergrößerst, erkennst du einen Link, den du um s beim http – Protokoll erweitern musst, also so:

          https://www.cdc.gov/violenceprevention/pdf/cdc_nisvs_victimization_final-a.pdf

          Die haben das Dokoment tatsächlich noch, aber eben unter https.
          Gehe in die PDF bitte auf die zweite Seite – dort steht genau das, was ich in meiner Grafik aufgeführt habe. Um solche Untersuchungen zu finden, muss man richtig lange suchen. Ich glaube aber, dass es eine Szene gibt, die Studien sammelt, welche das feministische Narrativ widerlegen. Habe ich aber keine Zeit dafür.

    • Glaubst du allen ernstes, irgendjemand würde Frauen töten, weil er meint, dass er ein Recht dazu habe? Auf Mord steht lebenslang, das weiß jeder.

      • Die Rechtslage ist natürlich auch den Tätern bekann. Es ist jedoch etwas anderes, sich „persönlich im Recht“ zu fühlen, auch entgegen der Rechtslage.

        • @Leander Ich bestreite überhaupt nicht, dass es Männer gibt, zu deren Selbstverständnis die Verfügbarkeit von Frauen gehört. Eben auch mit Gewalt. Es gibt nur überhaupt keinen Hinweis darauf, dass das ein allgemeines männliches Phänomen wäre – und de Rechtsordnung, ebenso wie die von djadmoros angesprochene deutlich größere Empörung angesichts von Gewalt gegen Frauen, spricht eindeutig dagegen.

          Ansätze zur Erklärung häuslicher Gewalt, wie sie in dem ebenfalls von djadmoros angesprochenen großen Sammelband vorgestellt werden, unterscheiden sich von der selbstverständlichen Behauptung, Gewalt gegen Frauen durch Männer wäre in jedem Fall eine Exekution männlicher Macht, durchgeführt von Einzelnen, aber im Interesse aller Männer. Da ist eine besonders unwahrscheinliche Interpretation zur Selbstverständlichkeit geworden – und schon abweichende Interpretation müssen sich gegen den Verdacht der Frauenfeindlichkeit wehren.

          Mit einiger Wahrscheinlichkeit fördert das häusliche Gewalt eher, als dass es sie eindämmt. Weit überwiegend lässt sich häusliche Gewalt als Teil einer Dynamik analysieren, an der beide beteiligt sind. Gewaltdynamiken werden aber nun einmal von den Beteiligten in der Regel mit dem Selbstverständnis erlebt UND weitergeführt, dass sie selbst unschuldig wären und sich nur wehren müssten, während die Gewalt allein von den anderen ausginge. Eben diese ungünstige Interpretation wird durch das feministische Standardmodell der Erklärung von Gewalt befördert.

          Ein bitteres Beispiel ist ja Katharina Schulzes Stellungnahme zum Fünffachmord in Kitzbühel. Noch bevor Näheres bekannt war, ordnete sie ihn öffentlich als „Femizid“ ein und macht „toxische Männlichkeit“ dafür verantwortlich. Das, obwohl drei der fünf Opfer Männer waren. https://genderama.blogspot.com/2019/10/so-sexistisch-schlachtet-katharina.html

          Stelle Dir mal vor, ein Migrant mit türkischer Staatsangehörigkeit hätte einen Mord begangen, dessen Hintergründe noch überhaupt nicht klar sind und bei dem er drei weitere türkische Staatsangehörige und zwei Deutsche getötet hat. Ein AfD-Mann würde dann, ohne mehr zu wissen, von einem „Germanozid“ sprechen und klarstellen, dass der „toxische Islam“ ein großes Problem dieser Gesellschaft wäre.

          Kein vernünftiger Mensch würde bestreiten, dass das schamlose Hetze wäre, die den gewaltsamen Tod vieler Menschen politisch ausbeutet. Es gibt keinen Grund, Schulzes Stellungnahme anders zu bewerten. Nur merken das eben ihre Anhänger nicht, weil die pauschale Annahme, Männlichkeit wäre irgendwie grundsätzlich mit massiver Gewalt verbunden, von Ihnen gar nicht mehr angezweifelt, geschweige denn als Ressentiment kritisiert wird.

          • Danke Lucas gerade für den zweiten Teil dieser Antwort. Genau dasselbe ging mir auch durch den Kopf, unmittelbar beim Lesen von Leanders Auflistung „männlicher“ Verbrechen. Das was auch darin zu sehen ist, ist absolut deckungsgleich mit der Hetze von Rechtsextremen. Es werden hochgradig selektiv Taten genommen, die von Menschen begangen worden sind, die aufgrund einer (wie man sieht maximal austauschbaren) Eigenschaft einer zum Feind erklärten Gruppe angehören.

            Ein Rechtsextremer greift sich halt Taten raus, die von Ausländern verübt wurden und tut ansonsten exakt dasselbe, was hier nun auch von Leander so eindrucksvoll demonstriert wurde: alle Tatumstände werden ausgeblendet, man regt sich gar darüber auf, wenn von Beziehungstat gesprochen wird, denn schließlich kann es ja wohl nicht sein, dass da doch wohl wirklich das Geschlecht des Opfers wie auch des Täters gar nicht das zentrale Tatmotiv war. Stattdessen wird sich manisch auf die Herkunft / das Geschlecht des Täters fixiert und dies als einzig relevanter Faktor vorgetragen, um ein Szenario allgegenwärtiger Bedrohung durch die Gruppe, der der Täter auf Basis unveränderlicher Merkmale angehört, zu zeichnen.

            Es ist meines Erachtens wahrlich kein Ruhmesblatt der menschlichen Intelligenz, dass zwar bestimmte Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sofort von der Mehrheit erkannt und strikt abgelehnt werden, aber tatsächlich oft sogar dieselben Menschen, die das eine ablehnen sofort denselben Narrationen beipflichten, wenn als einziges nur die angefeindete Gruppe darin ausgetauscht wird.

            Sind wir mehrheitlich wirklich so unfassbar dumm und unreflektiert, dass wir gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nur dann erkennen, wenn exakt diese Form gegen exakt diese Gruppe irgendwann schon einmal zu Verschleppungen, Versklavungen oder gar Massenmorden geführt hat, aber völlig blind für dieselbe Art entmenschlichenden Denkens sind, wenn es sich gegen eine Gruppe ohne entsprechende Vorgeschichte richtet? Sind wir mehrheitlich wirklich nur in der Lage, permanent in Opfer- und Tätergruppen zu denken, ohne die Kontinuität und Gleichförmigkeit dahinterliegender Muster zu sehen, unabhängig davon, welche (arme) Sau da gerade durchs Dorf getrieben wird?

            Dass eine Katha Schulze für derlei auch noch beständige Ausflüsse – man denke nur mal an das Video, in dem sie sich an einer Stelle lang und breit, mit geradezu angeekelter Miene, über alte, weiße Männer ausgelassen hat – keinerlei Konsequenzen zu befürchten braucht, sie ja auch noch nicht mal annähernd mit ihrem Männerhass und antiweißem Rassismus irgendwo im politischen wie medialen Establishment alleine dasteht, lässt mich die eben gestellten Fragen nur mit einem resignativen „JA!“ beantworten. 🙁

    • Niemand bestreitet, dass es männliche Verbrecher gibt, die Frauen töten und niemand bestreitet, dass das ein Problem ist. Ich wehre mich aber wie viele andere Männer auch dagegen, mich pauschal in die Kategorie „toxische Männer“ einordnen zu lassen.
      Seit Jahrzehnten betreiben Feministen Hetzpropaganda. Es wird behauptet, Gewalttätigkeit, insbesondere gegen Frauen, sei etwas typisch Männliches. Dabei wird ignoriert, dass schwer gewalttätige Männer nicht als repräsentativ für Männer allgemein gelten können, da Tötungen entgegen der feministischen Propaganda sehr seltene Ereignisse sind. Was leichte Formen von Gewalt betrifft, insbesondere psychische Gewalt anbelangt, so stehen Frauen Männern in nichts nach.
      Das „Gewalt gegen Frauen – Thema“ wird politisch seit Jahrzehnten instrumentalisiert, um einen Machtanspruch von Frauen zu begründen, dem behaupteten friedlicheren, sozialeren Geschlecht. Das nennt man Sexismus.

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