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Politik nur für ein Geschlecht?

geschrieben von: Lucas Schoppe

Jahresrückblick auf die Familienpolitik 2019 – Ein Gastbeitrag von Gerd Riemeier

Vorbemerkung von Lucas Schoppe: Gerd Riedmeier ist der erste Vorsitzende des Forum Soziale Inklusion (FSI) und der Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV), in der verschiedene Verbände organisiert sind. Ich bin dort auch selbst Mitglied.

Ziel ist es jeweils, eine Gleichberechtigung der Geschlechter durch Gespräche und Verständigung zu fördern – also spezifische Interessen von Jungen, Männern oder Vätern so zu thematisieren, dass eine Vermittlung der Interessen von Müttern und Vätern, Frauen und Männern oder Mädchen und Jungen möglich wird.

Es passt daher gut, dass Gerd Riedmeier einer der Autoren im von Arne Hoffmann herausgegebenen Band Gleichberechtigung beginnt zu zweit ist, in dem Frauen und Männer zu verschiedenen Aspekten der Gleichberechtigung schreiben.

Leider kollidiert dieser geschlechterdemokratische Ansatz mit dem institutionell verhärteten Selbstverständnis etablierter Geschlechterpolitik und mit den dort verwalteten Besitzständen.

Die Protagonisten dieser Verhärtungen – insbesondere die Bundesministerin Franziska Giffey – produzierten auch im letzten Jahr laufend eben die Diskursausschlüsse, ohne die sich ihre einseitigen  Positionen schon längst nicht mehr halten ließen. Gerd Riedmeier berichtet in einem Gastbeitrag von den Erfahrungen des letzten Jahres – und obwohl dieser Erfahrungen ärgerlich und deprimierend sind, freue ich mich darüber, dass er sie hier weitergibt. Lucas Schoppe

 

Gerd Riedmeier: Jahresrückblick Familienpolitik 2019

Bilden Frauen allein immer schon die Vielfalt des Diskurses ab? (Foto: Olaf Kosinsky)

Im Rückblick für das Jahr 2019 ragen die Anstrengungen von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) heraus, den bundesweiten Ausbau der frühkindlichen Betreuung finanziell zu unterstützen bei gleichzeitigem Augenmerk auf die (nötige) Verbesserung der Qualitätssicherung in den Kitas. Eine große Anstrengung für Frau Giffey und ein großer Erfolg für die Sozialdemokratie.

Parallel dazu ist jedoch für die gesamte Bundespolitik in 2019 ein eklatantes Defizit erkennbar, wenn es um die Gleichbehandlung der Bedürfnisse von Frauen und Männern, Müttern und Vätern geht – in den Parteien, im Bundestag wie in Frau Giffeys Ministerium.

So fand Mitte Februar im Rechtsausschuss des Bundestages eine Anhörung zum Thema „Wechselmodell“ statt, der alternierenden Betreuung der Kinder in Nachtrennungsfamilien. Keine der Parteien lud dazu Väterverbände ein.

Mitte März folgte die Anhörung zur Neuregelung des Abstammungsrechts; es ging um die rechtliche Definition von Vaterschaft. Keine der Altparteien wollte dazu einen Väterverband einladen.

Ende September hörten die Abgeordneten des Rechtsausschusses Sachverständige an zum Thema „Fortbildungspflicht für Familienrichter“. Lediglich die CDU/CSU-Fraktion lud einen Vätervertreter zum Vortrag.

Die Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) ersuchte zur Halbzeit der Legislaturperiode den Familienausschuss des Bundestages um eine Einladung zum Vortrag zur Vorstellung Männer- und Väter-relevanter Themen. Sämtliche Obleute aller Fraktionen lehnten ab. Der Deutsche Frauenrat (FR) durfte zu Beginn der Legislaturperiode ohne Themenbeschränkung vortragen. Begründung der Vorsitzenden Sabine Zimmermann (Die Linke): Der FR bilde bereits die Vielfalt im Diskurs ab.

Anfang Oktober veröffentlichte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) ein „Thesenpapier“ mit Vorschlägen zur überfälligen Neuregelung des deutschen Familienrechts. Die Thesen waren das Ergebnis aus 3 ½ Jahren Diskurs zweier Arbeitskreise. Wer war in die Arbeitskreise nicht geladen? Väterverbände. So verwundert es nicht, dass die veröffentlichten Thesen im Wesentlichen die Vorstellungen von Frauen- und Mütterorganisationen abbilden.

Männer- und Väterverbände wurden in 2019 von den SPD- und Frauen-geführten Bundesministerien der Justiz und für Familie nicht zum Gespräch geladen, Frauen- und Mütterverbände schon. Frau Giffey bezeichnete sich regelmäßig und in exkludierender Weise als Bundesfrauenministerin. Finanzielle Förderungen in Millionenhöhe gewährte sie ausschließlich Frauenverbänden.

Was wird nun 2020 bringen?

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) möchte eingetragenen Vereinen, die ausschließlich Männer als Mitglieder führen, die Gemeinnützigkeit entziehen. Darüber kann man diskutieren. Er möchte jedoch für prominente Frauenverbände, die in ihrer Satzung Männer als Mitglieder kategorisch ausschließen, die Sanktionen nicht angewendet sehen.

Politik 2020 – nur für ein Geschlecht?

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7 Comments

  • Vielen Dank für diesen Beitrag und den Rückblick auf das Jahr 2019.

    Was mich mal interessieren würde: Haben Organisationen wie die Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) einen Blick dafür, dass es normalen Männern herzlich egal ist, wenn seit Jahrzehnten Familienpolitik gegen sie und ihre Interessen gemacht wird?

    Dies ist jedenfalls mein Eindruck: normale Männer wollen vor allem Eines: unbedingt eine Frau kriegen, irgendeine, irgendwie. Kein Opfer ist groß genug, damit Männer es nicht auf sich nehmen würden, um wenigstens eine Frau zu kriegen.

    In früheren Jahren habe ich etlichen meiner männlichen Bekannten oder Kollegen nahegelegt – nämlich dann, wenn sie sich anschickten, den heiligen Bund der Ehe einzugehen -, sich doch mal mit dem Scheidungsrecht vertraut zu machen, und auch mal einen geschiedenen Mann zu befragen.

    Die Reaktionen waren ausnahmslos negativ, teilweise feindselig. Ich sage das nicht vorwurfsvoll: jeder soll tun, was er für richtig hält. Aber durch diese Ablehnungen wurde ich bestärkt in meinem Verdacht, dass normale Männer auf eine männerfreundliche Familienpolitik keinen Wert legen. Offenbar haben sie keine familienpolitischen Interessen.

    Ich schreibe dies, weil mir scheint, dass Organisationen wie die Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) einer solchen Bewusstseinslage normaler Männer Rechnung tragen sollte. Entweder indem man sagt: Scheiß drauf (also letztlich einfach aufgeben) – oder indem man auf diese Bewusstseinslage gezielt eingeht (z. B. indem man bei normalen Männern eine entsprechende Umwertung auslöst – oder aber indem ihre gezielte Entrechtung weiter vorantreibt).

    Vielleicht tut das eine Organisation wie die Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) schon seit langem? Ich weiß es nicht. Aber auch wenn ich hierbei nicht informiert bin und letztlich gar nicht mitreden kann, wollte diesen Aspekt zumindest mal angesprochen haben …

    Ciao – und für alle hier ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2020 😉

    • Ich kenne viele Männer, die sich Jahrelang einen Dreck um Familienrecht etc. geschert haben, und nach der Scheidung zu Kreuze kriechen.

      Ich kenne Mütterlobbyisten, die sich, sobald die Scheidung naht, auf einmal um 180° drehen. Ein prominentes Beispiel, Le Pen der Alte. Seine Partei ist, ähnlich der AfD, auf das traditionelle Familienbild ausgerichtet. Bei seiner eigenen Scheidung kämpfte er dafür die Kinder zu behalten. Ähnlich geht es vielen feministinnen, wenn sie Grossmutter sind und Sohnemann sowas von abdriftet. Ihr Sohn ist ja anders weil…

      Insofern ist der Interessenverband hier schon auf der richtigen Seite…

      • Die Frage ist ja nicht, ob der Interessensverbund auf der richtigen Seite steht, in Frage gestellt wird, ob „normale“ Männer an der Thematik „männerfreundliche“ Politik bzw. Gesellschaft interessiert sind.
        Und da trügen die Erfahrungen den Jochen offensichtlich nicht.
        Ich selbst kenne auch einige Männer, die die Thematik insgesamt bisher wenig bis gar nicht interessiert. Ich habe durchaus manchmal das Gefühl, wenn ich ganz allgemein das Thema Gleichberechtigung und Männerrechte aufbringe, insgeheim die Augen verdreht werden, frei nach dem Motto „Ach der nu wieder.“
        Ich kenne allerdings auch einen Mann, der mit mir übereinstimmt und auch einiges zum Thema Diskriminierung von Jungen und Männern beizusteuern hat.
        Der spricht als geschiedener Vater mit mittlerweile entfremdeten Kindern aus eigener (schmerzlicher) Erfahrung.

        • Der spricht als geschiedener Vater mit mittlerweile entfremdeten Kindern aus eigener (schmerzlicher) Erfahrung.

          Genau hier liegt das Problem. Wer nicht selbst, ganz persönlich betroffen ist und nie erlebt hat, was da abgeht, der kann es sich schlicht nicht vorstellen und kann die Problematik darum auch nicht erfassen.
          Der Kern der Männerrechtsbewegung – ich behaupte das mal – bilden Männer, die von der Schieflage persönlich betroffen sind. (Fast) alle anderen interessiert es nicht, aus dem genannten Grund..

  • Ich finde Gerd Riedmeiers beharrlichen und unbeirrbaren Einsatz für Väter- und Männerrechte bewundernswert. Und möchte ihm auf diesem Weg dafür danken. Ich hatte schon das Vergnügen, ihn persönlich kennen und schätzen zu lernen als verbindlichen, zugewandten und humorvollen Menschen, dem es vielleicht auch aufgrund dieser Eigenschaften immer wieder gelingt, mit politischen Entscheidungsträgern ins Gespräch zu kommen. Ich glaube allerdings, dass sich solange nicht Gravierendes zugunsten von Männer- und Väterrechtne ändern wird, wie die Politiker keinen spürbarenDruck bekommen – von Wählern, Medien, aufgrund publikumswirksamer Aktionen.

  • Ich kann euch sagen, es ist nicht leicht als junger Mann heute. Ich hätte gerne Frau und kinder sobald ich mit Ausbildung und Weiterbildung fertig bin. Jedoch denke ich dass dies ein grosses Risiko birgt und dies kommt für mich nicht in frage. Ich hoffe es wird in Zukunft wieder mehr ein miteinander als ein gegeneinander fokussiert.

  • Hallo Samuel,
    es wäre schade, wenn du dich von den möglichen Risiken abschrecken ließest und so aus Angst ein großes Lebensereignis verpasst. Jeder ist seines Glückes Schmied und wenn jeder, der schlechte Erfahrungen gemacht hat, sich nicht mehr aus seiner Höhle wagen würde, können wir den Laden gleich dichtmachen. Es gibt ganz viele anständige, normale Frauen. Die Kunst liegt darin, mehr mit Herz und Hirn zu denken als mit tieferliegenden Organen, Dinge nicht übers Knie brechen, sicher auch im Vorfeld rechtliche bzw. finanzielle Absicherung und klare Vereinbarungen zu treffen und den gesunden Menschenverstand und seine Lebenserfahrung kritisch einzusetzen.
    Als Mutter zweier Töchter (die wir zu fairen Menschen zu erziehen versuchen, fernab des Opfermodus‘) und glückliche Ehefrau mit glücklichem Ehemann, die lange nach dem Richtigen gesucht hat und die findet, dass sich die Zähigkeit sehr gelohnt hat, wie sich auch Zähigkeit täglich im (Ehe-)Leben auszahlt, wünsche ich dir: Gib nicht auf, verzweifle nicht, setze dich für deine Wünsche ein und urteile nicht zu schnell!
    Viel Glück!

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