Fake News Hate Speech Moderne/Postmoderne Political Correctnes Wissenschaft Zivilgesellschaft

Humanität in Zeiten von Corona

geschrieben von: Lucas Schoppe

Streifzüge durch den alltäglichen Irrsinn. Teil 1

 
  1. Ist Corona fair? Zur Freude über das Unglück anderer
  2. Wen schreiben wir ab? Zur Konjunktur inhumaner Kalküle
  3. Botschaften von der Benutzeroberfläche der Gesellschaft
  4. War die Pest weiter nichts als ein verunglücktes Narrativ?
 

Die Gesamtsituation ist so unwirklich, dass mir die Idee, ganz normal zu bloggen, seit zwei Wochen skurril vorkam. Immerhin ist unser Kind seit mehr als einer Woche bei mir, weil die Schulen geschlossen sind und ich den Unterricht von der Einzimmerwohnung aus erledigen kann, die ich für den Umgang gemietet habe.

Es geht gut, ohne Klaustrophobie und Koller. Ich verstehe die Eltern nicht ganz, die nun beifallheischend in sozialen Medien über die Belastung klagen, ihre Kinder den ganzen Tag um sich haben müssen. Ich sitze oft mit dem Kleinen am Tisch, ich mache meine Arbeit für die Schule, er macht seine, und ich genieße dann die Situation – so wie er sie nach meinem Eindruck auch genießt.

Aber obwohl ich normalerweise einen unerschütterlichen Schlaf habe, liege ich jetzt nachts oft wach, wenn der Junge schläft, weil ich dann die ganzen Informationen hin- und herwälze, die ich tagsüber gelesen oder gehört habe.

Es ist nun einmal eine Situation, die dringend Lösungen erfordert, für die wir aber zugleich jetzt keine Lösungen finden können – und so bewegen sich die Gedanken immer weiter auf der Suche nach Klärungen, die es nicht gibt.

Wie aber konnte es überhaupt dazu kommen? Warum war weder unsere Politik noch unser öffentlicher Diskurs, in den wir ja Milliarden investieren, nicht in der Lage, rechtzeitig auf die überdeutlichen Warnungen zu reagieren, die es seit Anfang des Jahres gab?

Ich merke jedenfalls, dass mich nicht nur die Krankheit beunruhigt – sondern manchmal auch die Art und Weise, in der über sie geredet und geschrieben wird.

 

Ist Corona fair? Zur Freude über das Unglück anderer

Einige der dämlichsten und zynischsten Statements zur Lage kamen von der AfD. Als bekannt wurde, dass Angela Merkel wegen eines Corona-Verdachts unter Quarantäne gestellt wurde, reagierten gleich einige Funktionsträger mit Häme und offener Freude. Dass sie nicht einmal auf die Idee kamen, bei aller möglichen sachlichen Kritik an Merkel  die Person in ihrem möglichen Unglück noch zu respektieren, zeigt vor allem: Die AfD ist kein Teil eines zivilen politischen Konsens.

Ganz ähnlich sieht es bei medialen Zuarbeitern der Partei aus. Der Verleger Götz Kubitschek zelebriert in seiner Zeitschrift Sezession gerade genüsslich die finanzielle Notsituation, in die viele seiner politischen Gegner durch die Corona-Krise gekommen sind: ganz deplatziert angesichts der Größe des Unglücks für viele Erkrankte und ihre Familien.

So rutscht aber die AfD in den Umfragen ausgerechnet zu einer Zeit ab, in der viele Menschen noch ganz andere Sorgen haben als den Kampf gegen rechts. Eine Partei, sie sich als Alternative zum bestehenden System verkauft, hat nun einmal nicht viel zu bieten, wenn es darum geht, eben dieses System in einer katastrophalen Notsituation irgendwie aufrecht zu erhalten.

Wer die politische Ordnung der Bundesrepublik, wie Höcke, nur als Instrument wahrnimmt, mit dem die Deutschen durch die Erinnerung an die Verbrechen von Deutschen von ihrer irgendwie wahren Größe abgehalten werden sollen – der hat dann eben auch nichts zu bieten, wenn es darum geht, diese Ordnung zu schützen.

Doch auch ganz andere Gruppen und Institutionen sind hoffnungslos überfordert mit der Aufgabe, auf die Situation auch nur halbwegs angemessen zu reagieren. Das öffentlich-rechtliche Bohemian Browser Ballet veröffentlicht einen Film, in dem das Virus als „fair“ gepriesen wird, weil es die Alten dahinraffe und die Jungen leben lasse. Das wäre nur gerecht, weil doch schließlich die Generation 65+ den Planeten in den letzten 50 Jahre an die Wand gefahren hätte.

Außerdem wären „fette“ Menschen betroffen, die insbesondere in den USA lebten. Corona sei eine Antwort auf den Turbokapitalismus, und in China sei durch Corona die Luftverschmutzung zurückgegangen – ein „schöner und sinnvoller Reflex der Natur“.

Natürlich wurde das peinliche, demonstrativ empathielose Video sogleich als „satirische Einordnung“  verteidigt, ohne das klar war, was denn hier eigentlich satirisch überspitzt bloßgestellt werden sollte. Die Generationenklischees von Fridays for Future? Der deutsche Antiamerikanismus? Zynische und windige Äußerungen, in denen der Corona-Katastrophe positive Auswirkungen für das Weltklima zugesprochen werden?

Tatsächlich funktioniert der Film als Ironie ähnlich wie der bejubelte Satz der Gruppe KIZ (keiner weiß, was der Name bedeutet, aber die KZ-Assoziation ist gewiss gewollt), dass an Corona doch ohnehin nur alte weiße Männer sterben würden: Die einen können jubeln, weil es die Richtigen trifft – die anderen können jubeln, weil sie die Ironie zu erkennen glauben – und die Dritten regen sich darüber auf und tragen damit zur Bekanntheit bei.

Das nicht erst seit Böhmermann beliebte, routinierte, aber eigentlich platte Spiel, zwischen Ironie und Nicht-Ironie unentscheidbar zu changieren, wirkt ja eben gerade dadurch, dass kein klarer Bezug zur Wirklichkeit außerhalb der medial verbreiteten Sprache hergestellt wird.

Mit eben dieser Wirklichkeit aber haben wir es nun in jedem Moment zu tun.

Falls sich das böhmische Browserballet erhofft hatte, nun einen ähnlichen Shitstorm loszutreten wir vor einigen Wochen ein Kinderlied über eine Oma im Hühnerstall, dann ging das daneben: Wir haben jetzt ganz einfach andere Sorgen, als uns über einen verrohten Film aufzuregen.

Dazu gehören zum Beispiel Nachrichten wie die, dass Erkrankte, die über 80 Jahre alt sind, in Straßburg nicht mehr beatmet werden: Als flotte Ironie kann diesen Film also nur noch jemand wahrnehmen, der ausblendet, wie brutal die Wirklichkeit ist, über die da gewitzelt wird.

Zudem ist sicherlich vielen klar, dass ein Film wie dieser bei unzureichend sozialisierten Zeitgenossen dazu beitragen kann, die Seuche nicht ernst genug zu nehmen, weil es ja ohnehin die Richtigen – und das heißt natürlich: die anderen – treffe. Berichte darüber gibt es laufend, manchmal sind sie vielleicht moderne Legenden, in anderen Fällen aber offenbar tatsächlich authentisch.

 

Wen schreiben wir ab? Zur Konjunktur inhumaner Kalküle

Noch deutlich schlimmer aber und vielleicht auch bald folgenreicher als solche Situationen und Positionen sind Rechnungen, wie sie der enorm gut vernetzte vielmillionenschwere Finanzmanager Alexander Dibelius im Handelsblatt anstellt: 

Ist es richtig, dass zehn Prozent der – wirklich bedrohten – Bevölkerung geschont, 90 Prozent samt der gesamten Volkswirtschaft aber extrem behindert werden, mit der unter Umständen dramatischen Konsequenz, dass die Basis unseres allgemeinen Wohlstands massiv und nachhaltig erodiert?

Zehn  Prozent einer Bevölkerung von 83 Millionen sind immerhin 8,3 Millionen Menschen, und den Begriff „geschont“ verwendet der Merkel-Berater hier als verschleiernde Bezeichnung für „nicht fahrlässig gefährdet“.

Der Teil der Bevölkerung, der hier so leichthin abgeschrieben wird, ist auch in gewöhnlicheren Zeiten schon ein Störfaktor für eine gesellschaftliche Durch-Ökonomisierung: Alte, die nicht mehr arbeiten – Kranke, die wie die Alten relativ hohe Gesundheitskosten verursachen.

Spürbar ärgert Dibelius sich darüber, dass der britische Premier Johnson das irrwitzige Experiment aufgegeben hat, die Seuche einfach über die Bevölkerung hinwegziehen und damit eine Herdenimmunität herstellen zu lassen. Seine Interpretation, dass Johnson „sich da wohl dem Druck der öffentlichen beziehungsweise veröffentlichten Meinung“ gebeugt habe, ist auf bequeme Weise kurzsichtig. Dass es tatsächlich gravierende Argumente gegen das Nichtstun gibt, zeigt eine simple Rechnung.

Die Kanzlerin kalkuliert öffentlich mit bis zu 70% Infizierten in Deutschland,  das wären bei einer Bevölkerung von 83 Millionen etwa 58 Millionen Menschen. Bei etwa 20% ist der Krankheitsverlauf schwer, das wären etwa 11,6 Millionen. 5% brauchen gar intensivmedizische Betreuung und Beatmung, das wären 2,9 Millionen Menschen. Wenn nach häufiger Schätzung etwa 1% der Infizierten stirbt, sind das 560.000 Tote, allein in Deutschland.

Selbst das aber gilt nur unter der angesichts dieser irrwitzigen Zahlen völlig unerfüllbaren Bedingung, dass das Gesundheitssystem nicht kollabiert – ansonsten würde, realistisch betrachtet, die Zahl der Toten noch deutlich höher.

Der Epidemiologe Alexander Kekulé bezeichnet solche Zahlen als „Armaggedon“ und rät mit einer impliziten Kritik an Merkel davon ab, mit ihnen zu arbeiten. Solche extremen Szenarien wären schließlich nur möglich, wenn wir nichts tun würden.

Wer sie vermeiden möchte, gibt also nicht einfach nur rückgratlos einer „veröffentlichen Meinung“ nach. Trotzdem ist mir in sozialen Netzwerken nun schon häufiger die kalte, brutale Rechnung begegnet, dass es doch besser wäre, die Angehörigen der Risikogruppen und ein paar andere zu opfern – weil der Zusammenbruch der Wirtschaft schließlich auch Folgen habe, die aller Wahrscheinlichkeit nach Leben kosten würden.

Das macht mir tatsächlich Angst: Wie groß bei einigen die Bereitschaft ist, zur Gesundung des Volkskörpers und seiner Wirtschaft einfach große Bevölkerungsgruppen im Stich und, wenn’s halt sein muss, auf furchtbare Weise sterben zu lassen. Schlimmer noch: Dibelius hat mit seinen sozialdarwinistischen Positionen größeren Einfluss als die meisten Menschen im Land, und wir können sicher sein, dass er und andere zurzeit einen erheblichen Druck auf die deutsche Politik ausüben.

Das vergleichsweise lächerliche Beispiel des Bohemian Browser Ballets hat zumindest gezeigt, dass wir dabei auf Unterstützung durch die Medien nicht zählen können – solch ein hipper, bequemer Zynismus orchestriert den kalten Zynismus von einflussreichen Akteuren, die Tausende oder gar Millionen einfach abschreiben.

Wie aber ist es möglich, dass die irrwitzige Alternative zwischen dem Zusammenbruch der Wirtschaft und dem Sterbenlassen von, möglicherweise, Hunderttausenden von einigen so selbstverständlich akzeptiert wird, als gäbe es keine anderen Möglichkeiten? Tatsächlich muss die wesentliche Frage doch sein, wie wir Menschen schützen und zugleich die materiellen Grundlagen unseres Lebens bewahren können – anstatt sogleich dazwischenzurufen und zu fragen, warum verdammt nochmal wir denn diese Menschen eigentlich schützen müssten.

Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, diejenigen Menschen zu identifizieren, die besonders gefährdet sind, und Versorgungsstrukturen für sie aufzubauen. Das allein würde wohl nicht reichen – zugleich müssten wir einfache Möglichkeiten der Testung haben, um Infizierte und ihre Kontaktpersonen schnell in Quarantäne zu bringen. Das Alltagsleben könnte durch das obligate Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ungefährlicher werden, zumindest müsste aber natürlich das medizinische Personal ausreichend mit solchem Schutz ausgestattet sei.

Es wäre also dringend, die jetzigen Wochen des Stillstands zu nutzen, um die nötigen Ressourcen und Informationen zu sammeln und die nötigen Strukturen aufzubauen, die dann eine vorsichtige Rückkehr zum Alltag ermöglichen. Wer aber jetzt kalt darüber philosophiert, ob denn tatsächlich zehn Prozent der Bevölkerung solche Anstrengungen wert wären, der lenkt nur von Wichtigerem ab.

Ich habe ohnehin schon den Verdacht, dass viele Regierungen – und nicht nur die britische und die niederländische –  lange mit der sozialdarwinistischen Idee der lässigen Herstellung einer Herdenimmunität geliebäugelt haben. Anders kann ich mir beispielsweise die enorm lange Untätigkeit der Bundesregierung nicht erklären. Stimmt das, dann hat uns dieses Kalkül überhaupt erst in die Situation manövriert, für die es sich jetzt als Lösung anbietet.

Wie aber ist es möglich, dass Menschen schnell solche offen inhumanen Kalküle als ganz legitime Option begreifen? Eine Antwort, die ich dafür habe: Wir haben uns längst daran gewöhnt, mediale Debatten zu verfolgen, als ginge es dabei um bloße Gedankenspiele, und als hätten sie nicht reale, harte Konsequenzen für unübersehbar viele Menschen.

 

Botschaften von der Benutzeroberfläche der Gesellschaft

Das macht es auch ganz anderen politischen Gruppen als der AfD schwer, aber aus ganz ähnlichen Gründen. Die Spiegel-Kolumnistin Ferda Ataman hat gerade öffentlich und ganz beleglos gemutmaßt, dass Migranten in dieser Situation in Krankenhäusern nachrangig behandelt würden. Der wütende Widerspruch wurde von Aktivisten wie denen der Amadeu Antonio Stiftung sogleich als „Shitstorm“ eingeordnet, um mit Ataman „Solidarität“ zu fordern.

Tatsächlich ist der klassische linke Wert der Solidarität hier deplatziert. Die privilegierte Spiegel-Kolumnistin spielt schlicht auf altvertraute Weise weniger privilegierte Gruppen gegen andere weniger privilegierte Gruppen aus.  Ausgerechnet in einer Zeit, zu der in den Krankenhäusern Personal aller Hautfarben ungehemmt verheizt wird, unterstellt sie diesen Menschen auch noch ganz unbelegt Rassismus – aus sicherer Distanz.

Das kann in der realen sozialen Wirklichkeit außerhalb medialer Sprachspiele durchaus erhebliche Konsequenzen haben, wenn sich etwa Menschen mit Migrationshintergrund aus Misstrauen gegenüber dem medizinischen Personal nicht untersuchen lassen und damit womöglich sich selbst und anderen schaden – oder wenn sie den Medizinern bösen Willen unterstellen, falls sich der Zustand von Angehörigen nicht bessert.

Ich kann verstehen, wenn Ataman sich Sorgen darüber macht, ob etwa Menschen türkischer Herkunft ebenso engagiert behandelt werden wie andere. Das Problem bei ihr wie bei ihren Verteidigern aber ist, dass persönliche Befürchtungen unvermittelt zu Aussagen über die Welt und über andere Menschen gedrechselt werden.

Die in einigen linken Zirkeln unerschütterliche Setzung, dass der Darstellung von Betroffenen auf jeden Fall geglaubt werden müsse, löscht die Einsicht, dass es eine gemeinsame soziale Wirklichkeit gibt – eine Wirklichkeit, an der sich alle Aussagen messen lassen müssten, eben auch die von primär Betroffenen.

Natürlich gilt das nun auch für eine der liebsten Disziplinen der linken Identitätspolitik, für die Geschlechterdebatten. Nun aber wirkt es plötzlich irgendwie aus der Zeit gefallen, wenn Aktivistinnen darüber klagen, dass der Männeranteil unter den interviewten Virologen zu hoch wäre oder dass bei der Suche nach dringend benötigten Ärzten der Genderstern nicht angemessen verwendet werde.

Gerade in diesen schweren Zeiten ist der korrekte Gebrauch geschlechtergerechter Sprache unverzichtbar. Allerdings müssen die wackeren Vorkämpfer für eine bessere Welt ggfs. noch die richtige Setzung des Gendersternchens im Wort „Bull*in“ diskutieren. Aus dem anarchistischen Wochenblatt „Zündlumpen“.

Das gilt eben auch hier wie bei der AfD: Wer die gesellschaftliche Ordnung lediglich als System der Reproduktion einer irgendwie feindseligen Macht begreift, der – oder die – hat nicht viel beizutragen, wenn es darum geht, diese Ordnung irgendwie aufrecht zu erhalten.  Aber das Beispiel zeigt noch mehr.

Obwohl mehr als zwei Drittel der Toten Männer sind, titelt die Süddeutsche, dass „die Krise viele Frauen besonders hart trifft“.  Im Tagesspiegel hingegen jubelt Fabian Löhe, wie viele andere:  „Es sind die Frauen, die das Land rocken“.

Nun sind ja tatsächlich Krankenschwestern und Kassiererinnen momentan zugleich besonders gefährdet und besonders notwendig, um das Leben überhaupt aufrechtzuerhalten – und das sind nun einmal Berufe mit einem enorm großen Frauenanteil. Warum aber ist es nicht möglich, diese Frauen zu würdigen, ohne die Leistungen von Männern zu ignorieren – die zum Beispiel unter enorm schwierigen Bedingungen in LKWs überhaupt erst dafür sorgen, dass die Supermärkte Waren haben, oder die unsere Versorgung mit Strom und Wasser sichern?

Würden wir ernsthaft gegen den Abbau der öffentlichen Infrastruktur in den letzten Jahren vorgehen, in männer- wie in frauendominierten Berufen, dann wäre damit den Krankenschwestern deutlich mehr geholfen als mit feministischen Ressentiments gegen Männer. Mehr noch:

Wer so redet wie Fabian Löhe im Tagesspiegel, der nimmt gleichsam nur eine gesellschaftliche Benutzeroberfläche wahr und ignoriert die Leistungen, die – weniger sichtbar als die Leistungen mit direktem Kunden- oder Patientenkontakt – diese Oberfläche überhaupt erst ermöglichen. Das ist deswegen wichtig, weil diese bequeme Fixierung auf gesellschaftliche Oberflächen wesentlich dazu beigetragen hat, dass unsere Diskurse angesichts der Corona-Bedrohung lange Zeit katastrophal versagt und das Risiko heruntergespielt haben.

 

War die Pest weiter nichts als ein verunglücktes Narrativ?

Die Pest, die heute noch in unserem kollektiven Gedächtnis als eine der schrecklichsten Seuchen der Menschheitsgeschichte verankert ist, verbreitete sich in Gesellschaften, die für eine Epidemie oder gar Pandemie deutlich ungeeigneter waren als unsere heutigen. Die meisten Menschen lebten in Dörfern oder kleinen Städten, und kaum jemand legte im Laufe seines gesamten Lebens so große Entfernungen zurück, wie es heute eine durchschnittliche Familie bei einem durchschnittlichen Flugurlaub tut.

Unsere globalisierten Massengesellschaften hingegen, in denen Menschen in gigantischen Städten auf engem Raum zusammenleben und in denen täglich unüberschaubar viele sich über den ganzen Globus bewegen, sind eigentlich wie geschaffen für Pandemien. Tatsächlich würden wir permanent mit Seuchen zu tun haben, von denen viele noch furchterregender wären als die Corona-Pandemie – wenn es nicht die moderne Medizin und die modernen Institutionen gäbe.

Impfstoffe, Medikamente, Krankenhäuser, Kenntnisse über den Verlauf von Epidemien, ein Produktions- und Handelssystem, das benötigte Güter in Millionenstückzahlen zur Verfügung stellen kann, politische Institutionen, Institutionen internationaler Zusammenarbeit: Die Bedingungen dessen, was wir als gesellschaftlichen Normalfall erleben, müssen täglich wieder und wieder hergestellt und gesichert werden.

Wir leben in einer Welt, in der moderne Wissenschaft und moderne Institutionen uns von bedrohlichen Prozessen der Natur so selbstverständlich abschotten, dass wir diese Abschottung als naturgegeben empfinden.

Impfgegner haben beispielsweise nur deshalb die Möglichkeit, ihren gemeingefährlichen Blödsinn in die sozialen Medien zu pusten, weil Impfungen so gut funktionieren, dass wir gar nicht mehr wissen, wie ein Leben ohne Impfungen tatsächlich aussähe.

So sicher abgeschottet konnten wir aber auch, zum Beispiel, die Vorstellung pflegen, wir würden in unseren Diskursen lediglich unterschiedliche und unterschiedliche gute „Narrative“ verwenden – als würden wir allesamt nur Erzählungen schreiben, die allenfalls metaphorisch auf irgendeine Wirklichkeit bezogen sind.

Offen antihumane Positionen einflussreicher Akteure, die zur Gesunderhaltung der Wirtschaft zur Not auch unüberschaubar viele Menschen opfern würde, zeigen aber: Es ist gerade bei Linken fatal, wenn sie sich bequem in identitätspolitischer Unwirklichkeit  einrichten und es ihnen nicht einmal mehr wichtig ist, dass sie dabei lediglich eine kalt kalkulierende Politik mit ein paar hübschen diskursiven Schleifchen versehen – eine Politik, deren Akteure ohne Hemmungen über Leichen zu gehen bereit sind, sobald sie ihre Besitzstände bedroht sehen.

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68 Comments

    • @Mark Smith:

      Sehr interessante Aussagen! Wobei man die halt in zwei Richtungen verwenden kann: der von Lucas zitierte Dibelius könnte sich ebenfalls darauf berufen und behaupten, dass es halt »normal« sei, wenn die Leute sterben.

      Ich finde diesen Artikel aus der ZEIT sehr informativ, weil man da etwas über die Unterschiede zur Grippe erfährt: Corona führt sehr schnell zu irreversiblen Schädigungen der Lunge. Das schränkt die Tauglichkeit des Vergleichs von Hockertz m. E. etwas ein.

      So massiv, wie die Politik derzeit auf die Corona-Kreise reagiert, werde ich das Gefühl nicht los, dass »die Gesellschaft« darauf gewartet hat, wenn nicht den Ausnahmezustand, dann eine Ausnahmesituation zu erklären – so als ob man die »Verhältnisse«, die man politisch nicht gezielt zu reformieren vermochte, jetzt einfach mal in Bewegung setzt und schaut, was dabei herauskommt.

      Ein Link zu Sahra Wagenknecht kann da nicht ausbleiben.

      • @ djadmoros

        „Sehr interessante Aussagen! Wobei man die halt in zwei Richtungen verwenden kann: der von Lucas zitierte Dibelius könnte sich ebenfalls darauf berufen und behaupten, dass es halt »normal« sei, wenn die Leute sterben.“

        Das Problem ist halt folgendes: Wenn wir immer solche Risikoabschätzungen machen würden, also mit gleichen Massstäben messen würden, dann würde ich Deiner Aussage zustimmen. Aber man weiss, dass pro Jahr so und so viele Menschen im Strassenverkehr sterben, so und so viele Menschen tödliche Arbeitsunfälle haben, so und so viele Menschen an einem Tötungsdelikt sterben und trotzdem wird ja nicht alles stillgestellt. Man mach also auch hier Risikoabwägungen. Und sollte Stefan Hockerts mit seiner Einschätzung der Letalitätswahrscheinlichkeit recht haben, dann wird hier zwischen Influenza und Corona wirklich mit unterschiedlichen Massstäben gemessen. 🙂

        • @ Mark, djadmoros Die Frage, inwieweit Corona gefährlicher ist als die Grippe, hängt ja schon lange im Raum. Lars Fischer hat dazu schon vor einigen Wochen einen Text geschrieben: https://scilogs.spektrum.de/fischblog/covid19-gefahrlicher-als-grippe/

          Es fehlt bei COVID19 die Grundimmunität, die bei einer Grippe trotz mutierender Erreger in der Bevölkerung vorhanden ist. Mag sein, dass die Krankheit irgendwann ähnlich gefährlich wie die Grippe ist (harmlos ist die Grippe ja bekanntlich auch nicht) – aber heute ist sie deutlich gefährlicher. Es fehlt Grundimmunität, es fehlen Erfahrungen mit diesem Virus, es fehlen Möglichkeiten der Impfung und es fehlen Medikamente.

          Dass die Wahrnehmung der Gefährlichkeit lediglich ein Beobachtungsphänomen wäre, ist angesichts der Berichte aus italienischen oder spanischen Krankenhäusern gar nicht plausibel.

          Überprüfen ließe es sich mit einem Vergleich der Todesraten. Ein Bürgermeister hat mit einem Mitarbeiter in einem Ort bei Bergamo gerade Zahlen für die Corriere delle Serra zusammengetragen: „Die Zahl der Sterbefälle müsste unter normalen Umständen bei ungefähr 35 liegen. In diesem Jahr haben wir aber 158 (Sterbefälle) verzeichnet, also 123 mehr als im Durchschnitt.“ https://www.merkur.de/welt/coronavirus-italien-lage-aktuell-zahlen-karte-bergamo-tote-faelle-hunziker-infizierte-todesrate-news-pandemie-covid-19-zr-13609171.html

          Plausibel sind in meinen Augen also im Vergleich mit anderen Informationen nicht die Aussagen über Corona – nachvollziehen kann ich allerdings ein uneingestandenes Warten auf einen Ausnahmezustand. Apokalyptisches Denken hatte ja schon vor Corona Konjunktur und war auch dort – beispielsweise im Kielwasser von Fridays for Future – Triebfeder für autoritäre Forderungen. Nur, in Abwandlung eines alten Bonmots über Paranoia: Dass es apokalyptische Spinner gibt, bedeutet nicht, dass es nicht tatsächlich Situationen geben könne, die Ausnahmemaßnahmen rechtfertigen würden.

          • @Schoppe

            @Schoppe

            Also ich habe bisher 2 Experten gehört. Einer sagte, die Letalitätswahrscheinlichkeit ist gleich wie bei Influenza und eine sagte, sie sei ca. 1% höher. Also, eine ist Prof. Dr. Virologin und einer ist Prof. Dr. Immunologe.
            Wenn bei Influenza im Jahre 2017/2018 ca. 25.000 Menschen in Deutschland gestorben sind (mit oder an Influenza) bei einer Bevölkerung von 80 Mio und wir momentan weltweit ca. 17.000 Todesopfer haben (mit oder an Corona) und zwar bei 7.800 Mio Menschen, dann kann man sich ja immerhin fragen, ob wir es nicht mit einer Massenhysterie zu tun haben. In der Schweiz haben wir momentan ca. 220 Opfer mit oder an Corona. Also da sind wir vermutlich immer noch um den Faktor 10 unterhalb einer Influenza-Pandemie, was die Todesopfer anbelangt.
            Damit will ich sagen: Ich habe ja nix gegen diese Massnahmen, nur kann man sich ja immerhin die Frage stellen, wie realistisch ist die Einschätzung bzw. was ist die Realität und haben wir es nicht auch und ev. mit einer Massenhysterie zu tun. Und sollte dem so sein, was sind die Gründe dafür, dass wir die Realität nicht richtig einschätzen können und wir hysterisch bzw. unverhältnismässig reagieren.

          • Mark, dir sind die Erkenntnisse und Zahlen nicht klar. Erstens ist der Wuhan-Virus neu, was Wodarg irgendwie nicht zur Kenntnis nehmen will.
            Es gibt keinen Impfstoff, keinen schlecht getesteten, es gibt gar keinen.

            In Italien war die Zahlen der Toten
            21.02.20: 1,
            28.02.20: 21,
            06.03.20: 197,
            13.03.20: 1532,
            20.03.20: 4032,
            27.3.20: 9.134 (Stand 19 Uhr)

            Es gab 9133 Tote in fünf Wochen und einem Tag. Bitte auch die Steigerungsraten beachten.
            Den ersten Toten in Spanien gab es am 3.3., am 27.3. um 19 Uhr sind es 4.934.
            Die USA hatte vor einer Woche 19.020 Erkrankte, es sind heute 96.979 und sie haben damit – wie ich es anderer Stelle bereits mutmaßte – China überholt.
            Nur hatte ich 10.000 Tote in Italien und den ersten Platz auf den 31.3. datiert – die Realität hat mich überholt.

            Das Problem wird nicht dadurch einfacher, dass China ein Drittel der Fälle unterschlagen hat.
            Wer positiv getestet worden ist und keine Symptome aufwies, wurde anscheinend gar nicht in die Statistik mit aufgenommen, sondern einfach in die Quarantäne verwiesen.
            Die klassischen Symptome „hohes Fieber“ zeigen aktuell die Mehrzahl der Fälle in Deutschland nicht.
            D.h. man kann sich nicht auf die Symptome, sondern nur auf die Tests verlassen.
            Ansonsten laufen die „sleeper“ unentdeckt herum und stecken Menschen an.

            Die „Immunität der Herde“ ist kein gutes Mittel, wenn 20% der Fälle einen schweren Verlauf nehmen und auf der Intensivstation landen. Mit u.U. heftigen, irreversiblen Schädigungen der Lungen.

          • @Mark
            „kann man sich ja immerhin fragen, ob wir es nicht mit einer Massenhysterie zu tun haben“

            Das ist eine sehr sinnvolle Frage, bei so vielen Hysterien, die ja letztens noch unser Leben immer mehr bestimmt haben. Diese Frage kann man aber nicht mit dem Blick in den Rückspiegel beantworten, also mit dem auf ein paar tausend oder auch zehntausend Tote. Der nüchterne Blick nach vorne enthülllt vielmehr das Potential 100ter Millionen Toter weltwelt. In einer Situation, in der die Welt mit sowas gar nicht rechnet, darauf nicht vorbereitet ist. Weiss man noch über die gesellschafts-auflösende Wirkung von Seuchen, wie sie in der Weltgeschichte eigentlich völlig normal waren, dann kommen wir tatsächlich dem näher, was wir apokalyptische Zustände nennen. Was auch völlig angemessen ist, denn die Menschen damals konnten diese Katastophen, die über sie kamen, nur religiös und nicht naturwissenschaftlich deuten, so dass sie eben derart religiös kodifiziert wurden.
            Da macht man sich natürlich absolut nichts draus, wenn man die Religion und das „finstere Mittelalter“ insgesamt verachtet und übersieht die kodifizierten Warnungen der Vergangenheit.

          • Stand 27.3.2020 21. Uhr:
            Italien Erkrankte 86.498 Tote: 10.950

            Wer auch immer gegen mich gewettet hat, möge sich bitte melden.
            Ich bedaure alle aus der Pflege, jede Krankenschwester, jeden Arzt und dich frage mich, wie lange sie das noch durchhalten.

          • @Mark:

            „Also ich habe bisher 2 Experten gehört. Einer sagte, die Letalitätswahrscheinlichkeit ist gleich wie bei Influenza und eine sagte, sie sei ca. 1% höher. Also, eine ist Prof. Dr. Virologin und einer ist Prof. Dr. Immunologe.“

            Der Schreiner-Trugschluss (© N. Taleb): Der Schreiner baut das Roulette Rad, aber wenn man an den Chancen und Risiken eines Roulette Spieles interessiert ist, dann fragt man einen Wahrscheinlichkeits- oder Risikoforscher. Der Schreiner hat davon nämlich wenig Ahnung.

            Bestimmt sind die Herren und Frauen Prof. Dr. ausgezeichnet auf ihrem Gebiet – von Risiko und den Wahrscheinlichkeiten des Auftretens außergewöhnlicher Ereignisse, darum geht es hier nämlich, wissen sie offenbar nicht viel.
            Dabei ist der Unterschied zwischen Influenza und dem Corona Virus für jedermann leicht nachvollziehbar anhand folgender einfacher Fragen:

            Wie groß ist das Risiko, dass sich die Zahl der mit Grippe Infizierten in den nächsten 4 Wochen verdoppelt, verfünffacht, verzehnfacht?
            Und wie groß ist dieses Risiko für den Corona Virus?
            (Die Fragen lassen sich anstatt mit Infizierten auch mit Intensivpatienten oder Todesfällen durchspielen)

            Wenn die Antwort auf diese Fragen unterschiedlich ist, dann handelt es sich um zwei verschiedene Phänomene, die NICHT miteinander vergleichbar sind. Wer sie dennoch vergleicht verlässt den Boden der Wissenschaft.
            Neben dieser intuitiven Herangehensweise kann man die Unterschiede tatsächlich auch anhand harter mathematischer Eigenschaften sehen: Grippe und Corona lassen sich nicht durch dieselbe Klasse von Wahrscheinlichkeitsverteilungen beschreiben. Das Risiko von Grippe folgt einer Verteilung mit dünnen Rändern (engl. thin tail distribution), während Corona in die Klasse der Verteilungen mit schweren Rändern (engl. heavy bzw. fat tail) fällt. Das sind systematisch unterschiedliche Klassen die sich auch völlig unterschiedlich benehmen, und ein Vergleich ist nicht zulässig.

            Der Unterschied besteht darin, dass extreme Ereignisse bei fat tailed Verteilungen wesentlich wahrscheinlicher sind, und wesentlich bedeutet hier locker einen Faktor 1000 und mehr. Ein berühmter Mathematiker, ich finde gerade nicht wer, hat sinngemäß gesagt „Bei fat tailed Verteilungen hat der Mittelwert keine Aussagekraft, sie werden dominiert von den Rändern und den extremen Ereignissen“

            Die unsinnigen Vergleiche von Corona mit Autounfällen, Tod durch Überfahren am Zebrastreifen, Ertrinken in der Badewanne usw usf machen alle diesen selben Fehler.

            Es ist schade dass die intuitive (!) Vorsicht und Angst vieler Leute leicht als „Paranoia“, „Wahn“ u.ä. abgetan wird, während es tatsächlich rationale und vor allem nützliche Reaktionen sind. Unsere Großeltern wussten noch „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, „better safe than sorry“ usw, das sind Ausdrücke einer natürlichen (evolutionären) Unsicherheiten angesichts großer systematischer Risiken.
            Dass heute erstmal nach mehr Daten und besseren Erkenntnissen gerufen wird bevor man eine Entscheidung trifft liegt vermutlich daran, dass in unserer überakademisierten Welt das Verständnis von Wahrscheinlichkeiten und Risiko in der Regel bei der Normalverteilung (Gauss Glockenkurve) endet, und dass viele „Experten“ Schwierigkeiten haben zu verstehen dass systematische Risiken völlig anders skalieren als individuelle Risiken.
            https://twitter.com/nntaleb/status/1239243622916259841/photo/1

          • @ all

            Das Problem mit den italienischen Zahlen ist wie folgt: Italien und Spanien haben offenbar eine saumässig schlechte Hygiene in den Krankenhäusern, der Faktor, der dafür verantwortlich ist, dass dort viel mehr Menschen sterben, dürfte also sehr hoch sein, dass dies auch mit den hygienischen Bedingungen in den Krankenhäusern zu tun hat. Das müsste man natürlich mal berücksichtigen. Dann müsste man berücksichtigen, dass Italien vermutlich vermehrt vorgeschädigte Personen hat (Umweltbelastung der Luft). Dann müsste man berücksichtigen, dass geschaut werden müsste, wie häufig wird überhaupt getestet im Vergleich zu anderen Pandemien, wenn eine Person stirbt. Mich überzeugen die Argumentationen bisher noch überhaupt nicht.

          • @pingpong

            Sorry, der Beitrag ist mir nun wirklich zu blöd! Du glaubst doch nicht, dass diese Experten keine Ahnung von der Ausbreitung von Pandemien haben und nicht wüssten, wie Wahrscheinlichkeitsrechnungen funktionieren.

          • @pingpong

            ich würde wie folgt korrigieren:
            „das Verständnis von Wahrscheinlichkeiten und Risiko in der Regel beim „MITTELWERT“ endet, und dass viele „Experten“ Schwierigkeiten haben zu verstehen dass systematische Risiken völlig anders skalieren als individuelle Risiken.

          • Es fehlt bei COVID19 die Grundimmunität, die bei einer Grippe trotz mutierender Erreger in der Bevölkerung vorhanden ist.

            Hast du das vom Faktenfuchs? Ich bin ja kein Biologe, nach meinem Verständnis gibt es bei einem „neuen“ mutierten Virus aber keine Grundimmunität, eben weil der Virus mutiert ist und somit nicht vom Immunsystem als bekannter Virus erkannt wird.
            Der Körper muss seine Immunantwort als von Null an beginnen.

            Interessant finde ich, ganz unabhängig davon, die Argumentation, die die sogenannten Faktenchecker wieder einmal bringen. Hier dannk konkret der „Faktenfuchs“ vom BR:

            So schießt man gegen den deutschen Arzt Wolfgang Wodarg, der unter anderem in Youtube-Videos behauptet, die Coronavirus-Pandemie sei reine Panikmache. Mit den Fakten nähme er es dabei nicht so genau.
            Das tun die Faktenfüchse aber offensichtlich selber nicht.
            Da werden Sars1 und Sars-Cov-2 mal mit „normalen“ Erkätungsviren verglichen, dann ist eine Behauptung Wodargs ins Leere gehend, weil sie nicht widerlegbar ist. Merkwürdige Argumentation, denn man könnte ja einige Tote durchaus auf Corona-Viren testen.

            Dann wird argumentiert, man könne ja gar nicht sagen, dass die Lethalität bei Corona gleich oder geringer sei als bei der Influenza, weil man ja gar nicht so genau sagen könnte, ob die Menschen wirklich an der Krankheit oder an Komplikationen gestorben seien.
            Anschließend wird aber zumindst implizit eine Todesrate allein durch Corona behauptet.

            Passend dazu dann der Vergleich von „schlechten“ Influenza-Jahren in Deutschland mit geschätzt rund 20.000 Toten und bisher rund 2500 Corona-Toten in Italien.
            Wobei die Influenza-Todesrate in Deutschland wohl absichtlich etwas geringer angegeben wird, in 2017/2018 gab es über 25.000 Tote.

            Ohnehin dürfte Italien mit Deutschland nicht wirklich gut vergleichbar sein, allein die Lebensumstände unterscheiden sich dann doch recht stark, weil in Italien Mehrgenerationen-Familien weiter verbreitet sind als in Deutschland. Und bei überwiegend alten Todesopfer, dürfte das ein Schlüsselelement sein.

            Ansonsten halte ich es ohnehin mit dem Kommentar dieses Herrn:
            https://www.journal21.ch/menschenverstand-gebrauchen

          • @Mario
            „weil in Italien Mehrgenerationen-Familien weiter verbreitet sind als in Deutschland.“

            Genau das nehme ich auch als Hauptgrund für den Unterschied der nördlichen zu den südlichen Ländern an, was das Sterben der Alten angeht. Im Norden sind die Alten einfach abgetrennt, im Süden lebt man zusammen. Das Virus grassierte nördlich der Alpen vor allem unter den Yuppies (den young urban professionals) und hat es einfach noch nicht in die Altersheime geschafft. Noch mal Schwein gehabt! 🙂

            Und: Das mit dem „gesunden Menschenverstand“ ist regelmässig unzureichend, wenn es um exponentielles Wachstum geht – oder um Ereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit.

          • @Mark:

            „Sorry, der Beitrag ist mir nun wirklich zu blöd! Du glaubst doch nicht, dass diese Experten keine Ahnung von der Ausbreitung von Pandemien haben und nicht wüssten, wie Wahrscheinlichkeitsrechnungen funktionieren.“

            Das ist gar keine Frage des Glaubens, das ist offensichtlich. Niemand hat Erfahrungen mit einer solchen Pandemie wie wir sie jetzt erleben, denn die Zahl der Pandemien in den letzten 100 Jahren mit mehr als 10.000 Toten innerhalb von 8-12 Wochen lässt sich an einer Hand abzählen. Es gibt also gar keine Erfahrungswerte, aus denen man allgemeingültige Vorgangsweisen für so eine Situation ableiten könnte. Die Anzahl der Fälle ist viel zu gering.

            Das ist ja gerade das Dilemma der politischen Entscheidungsträger: Sie müssen systemkritische Entscheidungen unter großen Unsicherheiten in einer völlig neuen Situation (d.h. ohne frühere Vergleichswerte) treffen. In so einem Fall sind die relevanten Fragen NICHT virologischer oder immunologischer Art, sondern es sind Fragen von Risikoabschätzung und der Bewertung von Wahrscheinlichkeiten für die Folgen verschiedener Handlungsoptionen.

            Und von solchen Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen hat jeder, der Corona mit der normalen Grippe vergleicht, wenig Ahnung. Leider hast du meine zwei einfachen Fragen nicht beantwortet, hier noch einmal:
            Wie groß ist das Risiko bzw. die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Zahl der mit Grippe Infizierten in den nächsten 4 Wochen verdoppelt, verfünffacht, verzehnfacht?
            Und wie groß ist dieses Risiko für den Corona Virus?

            Dass die Wahrscheinlichkeitsverteilungen der beiden Phänome in völlig unterschiedliche Klassen fallen habe ich oben bereits erklärt. Hier sind noch zwei weitere Fehler von solchen Vergleichen: Dynamische Entwicklungen (Anzahl der Corona Infizierten, hochvariabel) werden fälschlicherweise mit statischen Zahlen (Anzahl der Grippe Infizierten, jedes Jahr ungefähr gleich) verglichen, und Effekte höherer Ordnung werden vernachlässigt. Solche Effekte sehen wir bereits, z.b. der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung aufgrund unzureichender Anzahl an Schutzmasken, Beatmungsgeräte u.ä. bzw. aufgrund von Erkrankungen des medizinischen Personals. Bei der jährlich auftretenden Grippewelle hat man diese Effekte gut im Griff und kann sie daher in der Risikoabschätzung vernachlässigen. Bei Corona ist das ein schwerer Fehler mit fatalen und im wahrsten Sinn des Wortes tödlichen Folgen.

            „Das Problem mit den italienischen Zahlen ist wie folgt: Italien und Spanien haben offenbar eine saumässig schlechte Hygiene in den Krankenhäusern […] Das müsste man natürlich mal berücksichtigen. Dann müsste man berücksichtigen […] Dann müsste man berücksichtigen […]“

            Das ist alles richtig, und es unterstreicht den Punkt den ich oben gemacht habe: die Zahlen sind also unzuverlässig, ja, das ist ja gerade das Dilemma. Schnelles Handeln ist der Schlüssel, und wir haben einfach nicht die ZEIT um erstmal verlässliche Zahlen unter Berücksichtigung aller möglichen Nebenaspekte zu erheben.
            Das ist genau der technokratische Fehlschluss in unserer überakademisierten Welt, dass man zuerst einmal ordentliche Zahlen und Daten braucht um zu handeln. Was machst du, wenn du nach 10 Tagen die Daten erhoben hast und es stellt sich heraus dass die Krankenhaushygiene und die Luftverschmutzung nur einen geringen Einfluss hat? Dann stehst du mit heruntergelassenen Hosen da. Du hast eineinhalb Wochen lang Zeit und Ressourcen für UNNÜTZE Dinge verbraten, die Anzahl der Infizierten ist weiter gestiegen und du weißt noch immer nicht was du tun sollst.
            Willst du dieses Risiko eingehen? Um diese Frage zu beantworten brauchst du weder virologisches noch immunologisches Fachwissen, wohl aber Erfahrung im Risikomanagement und vor allem Erfahrung im Umgang mit Wahrscheinlichkeiten.

            Ein gutes Beispiel wie es richtig gemacht wird ist die Flugzeugindustrie. Die ausgezeichnete Sicherheit von Flugzeugen ist das Resultat von MEGA-PARANOIA. Kritische Bauteile werden redundant ausgelegt, weil das Risiko groß ist und Menschenleben auf dem Spiel stehen. Die Meinung des Ingenieurs, der diese Bauteile konstruiert hat, zur Sicherheit ebenjener spielt für diese Entscheidung eine untergeordnete Rolle – und das ist richtig so. Was passiert, wenn diese Paranoia auch nur ein bisschen gelockert wird, haben wir am Beispiel der Boeing 737MAX gesehen.

          • @pingpong

            Ich glaube, ich bin die falsche Ansprechperson. M.E. sind die Aussagen von Prof. Dr. rer. nat. Stefan W. Hockertz, nachvollziehbar und ich denke auch, das ist meine subjektive Einschätzung, dass er mit seinen Aussagen richtig liegen könnte. Insbesondere wenn ich Vergleiche mit der Influenza-Epidemie in den letzten Jahren in Italien und Deutschland mache.

            Wenn Du nun anderer Auffassung als Stefan W. Hockertz bist, die er in diesem Interview gemacht hat,
            https://corona.rs2.de/blog/interview/das-virus-macht-uns-nicht-krank/

            dann wäre es vermutlich sinnvoll, wenn Du Dich mit ihm selbst direkt in Verbindung setzt und das mit ihm diskutierst, wo Du denkst, dass er falsch liegen könnte. Ich selbst habe nicht den Eindruck, dass er ein Dampfplauderer ist und er gute Gründe und Argumente für seine Sicht der Dinge hat. Für mich ist diese Diskussion nun beendet, zumal mich das Thema zuwenig interessiert und ich mich viel stärker in die Materie einarbeiten müsste, wenn ich gehaltvolle Aussagen machen möchte. Damit schliesse ich auch mit ein, dass ich mich selbstverständlich bei meiner Einschätzung irren. kann. Wünsche ein angenehmes Wochenende. 😉

  • Das mit der Humanität war vor Corona schon nicht mehr gegeben. Alles zu ideologisch-kopflastig, wie die politischen Extrema jetzt peinlichst zeigen.

    Es war alles absehbar, eine typische Virusepidemie, die auswächst. Seit wieviel Jahrzehnten erwarten wir das? Seit den 1980ern. Und dann ist man nicht vorbereitet?
    Kann man da nicht behaupten, man hätte das förmlich eingeladen bzw heraufbeschworen?!
    Es bleibt ja noch genug Zeit zu Gegenmassnahmen, jetzt aber erst mal Duck & Cover, stayin alive und vor allem: anderen helfen! Salve!

    • Warum war weder unsere Politik noch unser öffentlicher Diskurs, in den wir ja Milliarden investieren, nicht in der Lage, rechtzeitig auf die überdeutlichen Warnungen zu reagieren, die es seit Anfang des Jahres gab?

      Es waren viele hysterische politische Skandalisierungen vorher, die alles übertönt haben. So wurde das heraufziehende Unheil mit dem Virus nur verhöhnt und ignoriert und damit noch zu seiner Verbreitung beigetragen oder begünstigt, bis zu der Idee von der „Herdenimmunität“.
      Die menschliche Dummheit scheint dieses Virus auszunutzen, könnte man den Eindruck haben….

        • @crumar, du meinst vielleicht die zwei unbekannten Genprodukte …..

          „zwei Proteine (orf8 und orf10) haben keine Homologe in SARS-CoV[-1].

          Die Funktion dieser Proteine ist unbekannt und dessen Aufklärung von großer klinischer Bedeutung.“

          …. könnten was mit dem Andocken an die menschliche Dummheit zu tun haben? 😉

          • Nein, sondern deine …ähmmm… ausufernden Beiträge bei AE machen es notwendig, dir gezielt Informationen über diesen Kanal zukommen zu lassen. Mach was draus.

          • Danke, @crumar, aber wenn du es noch nicht mitbekommen hast: ich bin da vom Fach. Und genau deshalb habe ich ganz früh losgelegt vor einer verheerenden Epidemie zu warnen. Und mir scheint es, dass sich da wieder eine Laxheit breitmachen möchte, die Annehmlichkeiten virtuellen Politisierens sind eben viel zu verlockend.

          • Nein Alex, ich weiß du bist Molekularbiologe.
            Deshalb schicke ich dir den Link.
            Zumal der Verfasser des Artikels vom Fach und kompetent zu sein scheint.
            Wenn er ein politisierender Honk gewesen wäre, hätte ich dir den Link nicht übermittelt wg. Zeitverschwendung.

  • Doch auch ganz andere Gruppen und Institutionen sind hoffnungslos überfordert mit der Aufgabe, auf die Situation auch nur halbwegs angemessen zu reagieren. Das öffentlich-rechtliche Bohemian Browser Ballet veröffentlicht einen Film, in dem das Virus als „fair“ gepriesen wird, weil es die Alten dahinraffe und die Jungen leben lasse.

    Hat ja schon fast was von Feministinnesprech. Die armen Gruppen und Institutionen sind natürlich nur überfordert, eigentlich meinen sie das alles ja gar nicht böse. Und falls doch, war es sowieso Satire, die darf ja alles – egal wie geschmacklos sie ist.

    Und so haut man mal wieder flächendeckend auf die AfD ein, nur weil (mal wieder?) ein paar Trottel ihre Klappe nicht halten konnten und dämliche Sprüche geklopft hat.

    Immerhin, die Merkel in Quarantäne, dann in den Knast mag in der aktuellen Situation vielleicht tatsächlich etwas deplaziert sein – Todeswünsche kann ich dabei aber nicht entdecken. Im Gegensatz zu so mancher Äußerung links-grün-versiffter Gutmenschinnen und den ach so empathischen Frauen und Feministinnen.

    • @Mario:

      »Und so haut man mal wieder flächendeckend auf die AfD ein, nur weil (mal wieder?) ein paar Trottel ihre Klappe nicht halten konnten und dämliche Sprüche geklopft hat.«

      Das sind nicht »ein paar Trottel«, sondern ob links, ob rechts: dieser jeweilige Geist wird in den jeweiligen Milieus systematisch gezüchtet – ich denke, das ist auch Lucas‘ Punkt.

      • Denke ich auch, aber was Mario erzürnt haben dürfte, war die dabei doch so deutliche Hervorhebung der AfD. Und ich muss sagen, ich stelle derlei entmenschlichendes Gedankengut auch nicht bei nur einzelnen politischen Lagern fest, sondern das findet sich derzeit in sehr vielen Sphären, nur halt den jeweiligen Ideologien angepasst. Die einen freuen sich, wenn dank Corona endlich die Grenzen zu sind, andere freuen sich wenn vorwiegend (alte) Männer sterben und wieder andere finden es toll, das Corona endlich für klimafreundliche Bedingungen sorgt…

        • @ Billy Ich habe ja auch gar nicht allein die AfD angesprochen, sondern ausdrücklich geschrieben, das andere Gruppen eben dieselben Probleme haben, und auch aus denselben Gründen.

          Dabei hat es durchaus AfD-Abgeordnete gegeben, die sehr früh davor gewarnt haben, dass die Bundesregierung das Corona-Risiko vernachlässigt – ich habe das jedenfalls von Brandner im Kopf, kann das aber nochmal nachschlagen. Aber auch dann war das sofort mit dem Thema „Ausländer“ verbunden und mit der üblichen Bitterkeit über Merkel. Da ist kein Versuch dabei, irgendetwas zur Bewältigung der Situation beizutragen, der Hinweis auf das Versagen der Regierung ist alles, was die Partei zu bieten hat.

          Und keine Todeswünsche gegen Merkel? Da kann man ja mal nachschauen, was „Freunde und Verbündete der AfD“ bei Facebook dazu verlautbart haben. Das ist, wie djadmoros schon schreibt, ein Problem eines Milieus, keines einzelner Leute.
          https://twitter.com/Die_Insider/status/1241815900644311043

          Das ist, @ Mario, schon eines seltsame Opferhaltung: In den größten Teilen des Textes geht es um andere politische Gruppen als die AfD, im Mittelunkt stehen die irrwitzig inhumanen Forderungen eines Finanzmanagers sowie die bekloppt-arrogante Orchestrierung solcher Forderungen durch Akteure, die sich für links halten – aber Du siehst nix als AfD-Bashing und regst Dich erstmal darüber auf.

          • Ich hatte auch nur versuchen wollen, die mutmaßliche Intention hinter Marios Post zu erklären. Nach der Einleitung über die AfD kommst du ja recht deutlich auch zu ähnlicher Gülle aus der linken Ecke.

            Zu Boris Johnson: da brauch ich gar keinen Twitter-Account zur Bestätigung. Als ich auch Arbeit über nen Reiter im Internetexplorer auf diese Nachricht auf MSN hingewiesen worden bin, dachte ich mir schon, dass dieselbe Häme, dieselbe Rotze wie gegen Merkel jetzt aus dem anderen Lager gegen ihn gerichtet werden wird. Dass es so vielen Leuten so schwer fällt, einfach mal partielle politische Themen von den Menschen zu trennen. So widerlich ich die regelmäßigen Aussagen von Leuten wie Hoecke oder Künast z. B. finde, dennoch weiß ich nicht, warum ich mich darüber freuen sollte, wenn ich höre, dass die an irgendwas erkrankt sind. Einfach nur erbärmlich so was.

          • @Schoppe,
            Ich würde aber mal behaupten, wenn man hier eine „kalte objektive“ Betrachtung von Beginn an gemacht hätte, würde der Pandemie besser begegnet werden können.
            Jeder Tote ist einer zuviel. Und jeder Tote ist mit einer tragischen Geschichte verbunden, die Angehörige und Hinterbliebene zurücklässt. Und der Verweis auf Zahlen, sollte diesen Menschen gegenüber niemals als Trost benutzt werden.

            Aber es ist einfach Fakt, das bereits viele Menschen gestorben sind. Und es wird Fakt werden, dass noch mehr Menschen sterben werden.

            Das primäre Ziel muss es daher sein, dass die Zahl der Gestorbenen so niedrig wie möglich bleibt. Und wenn eine fundierte! Abschätzung dazu führt, dass von Anfang an, bestimmten Gruppe A von Menschen begrenzte Ressourcen vorenthalten werden, da deren Wahrscheinlichkeit einfach als zu gering eingestuft wird bzw. der Einsatz dieser Ressourcen bei anderen Menschen einer Gruppe B zu einer deutlich höheren Vergrößerung der Wahrscheinlichkeit führt als bei Mitgliedern der Gruppe A, dann erachte ich das nicht als inhuman.
            Als Legitimation hierfür kann natürlich niemals Wohlstandserhalt angeführt werden.
            Aber am Ende werden daurch Leben gerettet und wenn es am Ende nur ein einzigSTes ist, dass dadurch mehr gerettet wird, hat es sich gelohnt.
            Die Forderung kann ich also als human verstehen. (So absurd es auch klingen mag). Die Argumentation hierfür ist sicherlich inhuman.

          • @djadmoros, Billy Coen:
            Ihr habt recht. Beide… 😉

            Das ist, @ Mario, schon eines seltsame Opferhaltung: In den größten Teilen des Textes geht es um andere politische Gruppen als die AfD…

            Und doch kommst du nicht ohne völlig überflüssige Häme (gegenüber der AfD, nebst Anhängern) aus, während deine weiteren Ausführungen zu den anderen Parteien und deren Anhänger dann vergelichsweise weichgespült und entschuldigend ausfallen.

            Etwas mehr Sachlichkeit wäre hier angebracht und dann hätte ich auch nichts gegen den Artikel einzuwenden gehabt. Natürlich darfst du deine Meinugn äußern, musst dann aber halt auch mit Widerspruch rechnen.
            Wie Danisch immer so schön schreibt: Es sind nicht die Maßstäbe, die mich ankotzen, sondern die doppelten Maßstäbe.

          • Ja, die doppelten Maßstäbe …. Wir erinnern uns, als die öffentliche Aufmerksamkeit Anfang Februar dem „Zivilisationsbruch“ von Thüringen galt, der die Vorgänge im fernen China zum sprichwörtlichen Sack Reis werden liess. Danach wollte man dann zur Belohnung triumphalistisch Karneval feiern und liess sich nicht mal vom Zivilisationsbruch im fernen Italien irritieren, den Karneval von Venedig ausfallen zu lassen.

            Da beisst die Maus keinen Faden ab: Die AfD hat voll und ganz an der unbemerkten Verbreitung des Corona-Virus schuld, denn sie haben von Wichtigerem abgelenkt!

  • „Das macht mir tatsächlich Angst: Wie groß bei einigen die Bereitschaft ist, zur Gesundung des Volkskörpers und seiner Wirtschaft einfach große Bevölkerungsgruppen im Stich und, wenn’s halt sein muss, auf furchtbare Weise sterben zu lassen. Schlimmer noch: Dibelius hat mit seinen sozialdarwinistischen Positionen größeren Einfluss als die meisten Menschen im Land, und wir können sicher sein, dass er und andere zurzeit einen erheblichen Druck auf die deutsche Politik ausüben.“

    Ja, das ist richtig, nur wird jeder Politiker seine Karriere für immer beendet haben, wenn die Medien Woche für Woche Massenbeerdigungen zeigen.
    Bzw. wie in Italien das Militär die Särge irgendwohin karren muss, weil die örtliche Kapazitäten erschöpft sind.
    Das geschah bei 800 Toten am Tag – rechne eher mit 4500 am Tag, wenn Herr Dibelius sich durchsetzt.

    Denn deine Rechnung hier ist leider falsch: „Bei etwa 20% ist der Krankheitsverlauf schwer, das wären etwa 11,6 Millionen. 5% brauchen gar intensivmedizische Betreuung und Beatmung, das wären 2,9 Millionen Menschen. Wenn nach häufiger Schätzung etwa 1% der Infizierten stirbt, sind das 560.000 Tote, allein in Deutschland.“

    Es gibt ca. 25.000 Betten für die Intensivmedizin in D – für alle Fälle.
    Selbst wenn es gelingt, diese auf 100.000 auszuweiten, werden von den 2,9 Millionen Menschen 2,8 Millionen die benötigte Beatmung nicht bekommen, weil das Gesundheitssystem lange vorher zusammengebrochen ist.

    Wenn ich großzügig bin und von einer 50/50 Chance für deren überleben ansetze, sind wir bei Pi mal Daumen 2 Millionen Toten. Das wäre aber erst die erste Welle.

    Ich halte es für keinen Zufall, dass die Bereitschaft, andere Menschen „auf furchtbare Weise sterben zu lassen“ sich offen im linksidentitären Spektrum zeigt.
    Letztlich läuft die feministische und intersektional-identitäre Propaganda der permanenten Abwertung von Männern und Weißen bereits seit Jahrzehnten.

    Für die fortgesetzte Einteilung in wertvolles und weniger wertvolles, bzw. wertloses Leben wurden und werden sie schließlich gebucht und bezahlt.
    Dabei ist das Objekt des Hasses m.E. relativ egal, sondern die Legitimation für diese Abstufung in einem Lager zu schaffen, das für sich einmal in Anspruch nahm, einen radikalen Humanismus zu vertreten ist unbezahlbar.

    Ein selektiver Humanismus, der Menschen mit den biologischen Merkmalen männlich, weiß, alt ausspart, ist nicht nur keiner mehr, sondern in seiner Inhumanität von einem ordinären Sozialdarwinismus nicht mehr zu unterscheiden.

    Ganz abgesehen von den ansehnlichen Leichenbergen, die beide produzieren würden und wollen (und ungern beseitigen, nehme ich an), hat der linksidentäre Hass den großen Nachteil, sich post mortem gegen ihn zu kehren.
    Denn wenn ich „alt“ auf die Männer der geburtenstarken Jahrgänge bis 1966 begrenze, wird deren plötzliches ableben für den totalen Zusammenbruch dieser Gesellschaft sorgen.

    Es wird sich dann bspw. zeigen, dass mediale „Narrative“ zu pflegen ohne diesen ordinären „Strom“ einfach nicht funktionieren.
    Die Selbstidealisierung der narzisstisch Twitterenden endet spätestens dann, wenn sie erklären müssen, wie sie ihn zu produzieren gedenken, wenn er nicht einfach aus der Steckdose kommt.
    Man kann noch so viel Dummheit und Ignoranz gegenüber Technik und Wissenschaft unterstellen, aber mir kommt es ein wenig so vor, als wären da einige Minderwertigkeitskomplexe zu Gange.

    Gerade die Krise rückt auf einmal nicht nur die verfemten alten weißen Männer des RKI in den Mittelpunkt, sondern es wird über Bevölkerungsteile berichtet, die den „Laden am laufen halten“, welche früher höchstens zwei Zeilen im Jahr wert waren.
    Interessant ist doch, weder Feministinnen sind darunter, noch die Medienvertreter, die ihnen sonst so viel Raum in Print, Funk und Internet geben.
    D.h. es wird erstens offensichtlich, dass es große Lücken zwischen der Bedeutung gibt, die sie sich selber zumessen und die sie tatsächlich haben.

    Zweitens gibt es zwar Versuche, den gewohnten Narrativen in Sachen „care“-Arbeit (Krankenschwestern, Pflegekräfte, Frauen besonders betroffen) neuen Schwung zu verleihen, es wird aber durch den Mangel an Schutzausrüstungen klar, auch diese Arbeit ist nicht voraussetzungslos zu verrichten.
    Was die immaterielle „Sorge“ und die „Zuwendung“ in feministischen Texten jedoch suggeriert.

    Man benötigt handfest Schutzmasken, deren Existenz früher fraglos vorausgesetzt worden ist – die Notwendigkeit der Produktion ist nicht verschwunden, nur weil sie in China produziert worden sind.
    Sie entstehen jedenfalls nicht, weil eine Nachfrage nach ihnen existiert.
    Die Ansicht, basale Güter wären „global“ einfach immer vorhanden und frei verfügbar ist ebenso naiv wie die, dass der Strom aus der Steckdose kommt.

    Meine 5 Cent für diesen sonnigen Morgen. Bleibt gesund!

    • @crumar:

      »Ein selektiver Humanismus, der Menschen mit den biologischen Merkmalen männlich, weiß, alt ausspart, ist nicht nur keiner mehr, sondern in seiner Inhumanität von einem ordinären Sozialdarwinismus nicht mehr zu unterscheiden.«

      Das ist sozusagen die finale Perversion der identitären Linken: dem turbokapitalistischen abstrakten Sozialdarwinismus sozusagen das Kriterium zu liefern, wer konkret zum »unwerten Leben« gezählt werden soll. Hand in Hand mit der Barbarei, während man zugleich den »Antifaschismus« in Anspruch nimmt.

      • Ja, das könnte man so zuspitzen.
        Was mich schockiert, ist die sadistische Freude am Leid anderer Menschen, die sich mit dem Gefühl eigener moralischer Überlegenheit Bahn bricht.
        Das kommt mir allerdings sehr bekannt vor – > Feminismus.

  • „Ich habe ohnehin schon den Verdacht, dass viele Regierungen – und nicht nur die britische und die niederländische – lange mit der sozialdarwinistischen Idee der lässigen Herstellung einer Herdenimmunität geliebäugelt haben. Anders kann ich mir beispielsweise die enorm lange Untätigkeit der Bundesregierung nicht erklären.“

    So weit würde ich nicht gehen. Da gilt für mich tatsächlich erst einmal: Nicht gleich Bösartigkeit unterstellen, wenn schiere Dummheit als Erklärung auch in Frage kommt. Und dumm war vieles, was da von vielen Seiten verlautbart wurde. Ich konnte es z. B. schon nicht mehr hören, die ständigen Zahlenvergleiche zwischen COVID-19 und der „ganz normalen“ Grippe, die ja immerzu viel mehr Menschen dahinrafft – was mir dabei immer gefehlt hat, war vor allem die eigentlich so simple Sache der Relation, denn wenn die Zahlen von Corona- und Grippeviren verglichen wurden, wirkten die von Corona verlässlich immer nur deshalb so lächerlich, weil man schlicht immerzu die Corona-Toten weniger Wochen mit den Grippe-Toten ganzer Jahre verglich.

    Mich hat es teils sogar verwundert, wie sehr man in den Zeiten, als Corona „noch ganz weit weg“ war, das Thema in unseren Medien runtergespielt und fast schon ins Lächerliche gezogen hat. Das erschien mir suspekt, wenn man mal zurückblickt, wie frühere Epidemien gerne hochgejazzt wurden zu einem allgemeinen „Warum wir jetzt aber ganz sicher wirklich alle draufgehen werden“, was wiederum in der Regel auch schon genauso dumm war. Da beschlich mich manchmal fast der Verdacht, dass da Verdrängungsbefürchtungen vorherrschten, dass da der Journalisten Lieblingsthema „Klima, und warum wir jetzt aber ganz sicher wirklich alle draufgehen werden“ ins Hintertreffen geraten könnte, was es nunmehr ja auf wundersame Weise auch getan hat. Gelegentliche Versuche, verzweifelt kausale Verbindungen zwischen Corona und Klima herzustellen, ließen mich vermuten, dass ich da nicht ganz so falsch gelegen haben dürfte. Und ist es nicht süß, wie krampfhaft Luisa Neubauer weiterhin in ihre Echokammer twittert, um zumindest für sich selbst noch das Gefühl von Relevanz zu bewahren, nachdem die monatelang betriebene Hofierung durch unsere Medien schlagartig abriss, weil man sie doch tatsächlich, ganz wider Erwarten, nicht auch gleich noch als „Expertin“ für Corona in jede sich bietende Talkrunde setzen und zu Kongressen internationaler Staatschefs loben wollte?

    In dieselbe Richtung gehen auch all die Artikel, die die angeblich besondere Rolle der Frauen in der Krise zu betonen versuchen. Auch hier habe ich das Gefühl, dass Leute versuchen, geradezu krampfhaft an ihren Narrativen festzuhalten, während sie eigentlich merken, wie diese unvermittelt der Lächerlichkeit anheimfallen, sobald sie mit der harten Wirklichkeit konfrontiert werden. Und bei allem Respekt, aber wenn dann, um diese Behauptung zu untermauern, neben Pflegeberufen auch Erzieherinnen erwähnt werden, platzt mir fast ein Ei. Die meisten Erzieherinnen sind derzeit freigestellt, das heißt, sie bleiben zu Hause bei unveränderten Bezügen. Diejenigen, die für Kinder von Eltern z. B. in systemrelevanten Berufen weiter die Tagesstätten offen halten, tun im Prinzip nichts anderes, als sonst auch, nur eben mit weniger Kollegen aber auch weniger zu betreuenden Kindern. Die deutliche Mehrheit der Erzieherinnen macht sich gerade ebenso einen „Lenz“ wie viele andere Arbeitnehmer auch, nur mit dem Unterschied, dass andere Arbeitnehmer, die nicht im öffentlichen Dienst tätig sind, diesen „Lenz“ in der Regel über Kurzarbeiterregelungen machen und dafür in erheblichem Maße auf Nettoeinkommen verzichten müssen. Und so schnell bröckeln mediale Narrative von derzeitigen Heldinnentaten…

    Ebenfalls in das Instrumentalisieren der derzeitigen Krise für die eigenen ideologischen Ziele ist der Stuss der Frau Ataman einzuordnen. Wobei ich zu folgendem etwas anfügen muss:

    „Ich kann verstehen, wenn Ataman sich Sorgen darüber macht, ob etwa Menschen türkischer Herkunft ebenso engagiert behandelt werden wie andere.“

    Ich habe dafür keinerlei Verständnis mehr. Ich kann diesen immer gleichen Opfersermon einfach nicht mehr hören. Reale Diskriminierungen sollen benannt werden, aber man soll doch mal davon Abstand nehmen, sich unvermittelt für jede nur erdenkliche Sache direkt als Faktum präsentierte, aber doch nur rein hypothetische „Wie schlimm wir doch unterdrückt werden“-Fallgestaltungen aus dem Arsch zu ziehen. Muslimverbände und –aktivisten unterscheiden sich in der makabren Lust, sich selbst beständig als immerzu erstes Doppelplusopfer darzustellen nicht im Geringsten von durchgeknallten Feministinnen. Nenn ihnen irgendein völlig beliebiges Thema und sie zimmern dir in Rekordzeit einen Grund, warum dabei Muslime / Migranten in besonderer Weise betroffen / besonders diskriminiert sind.

    Mich regt das deshalb so auf, weil ich vor allem die Basis dieses reflexhaften Verhaltens immer im Auge habe. Und die ist nichts anderes als blanker Rassismus. Wie kann es kommen, dass das erste, woran z. B. eine Frau Ataman im Zuge einer Pandemie denkt, die medizinische Vernachlässigung nicht weißer / nicht deutscher Menschen durch das hiesige Fachpersonal ist? Dahinter steckt doch nur die dauernde Grundannahme, Weiße / Deutsche kümmerten sich eh in erster Linie um Menschen ihrer Rasse / Nationalität und würden sogar dann noch nicht darunter fallende Menschen vernachlässigen, wenn diese an einer unter Umständen gar tödlich verlaufen könnenden Virusinfektion erkrankt sind. Ich habe es inzwischen einfach nur noch so was von satt, wie völlig selbstverständlich und dann auch noch mit dem sicheren Gefühl der eigenen moralischen Überlegenheit Weißen / Deutschen immerzu unvermittelt und anlasslos die übelsten Gesinnungen und widerwärtigsten Absichten unterstellt werden – einzig und allein nur aufgrund ihrer Rasse / Herkunft. Da treten derart tief verwurzelte, widerwärtig rassistische Ressentiments zu Tage, dass es einen nur noch gruseln kann. Und das kommt von denselben Leuten, die es umgekehrt schon als geradezu nazihaften Rassismus darstellen, wenn man sie nach ihrer Herkunft fragt. Da fehlt jegliche Selbstreflexion und jegliches Gefühl für Verhältnismäßigkeiten.

    • „Dahinter steckt doch nur die dauernde Grundannahme, Weiße / Deutsche kümmerten sich eh in erster Linie um Menschen ihrer Rasse / Nationalität und würden sogar dann noch nicht darunter fallende Menschen vernachlässigen, …“
      das übliche „was ich selber denk und tu, das trau ich allen anderen zu“.
      Diesen (alten) Spruch sollte man vielleicht öfter anbringen.

  • Ich denke, dass neben dem Feminismus und seiner Entmenschlichung des „alten weißen Mannes“ auch der Neoliberalismus daran eine Mitschuld trägt. Wenn Menschen nicht als Humankapital verwertbar sind, sind sie halt verzichtbar.

    • Das ist genau der Punkt.

      Fraser u.a. haben in ihrem „Manifest“ so getan, als gäbe es einen liberalen Feminismus und dann einen anderen, linken, der die „99%“ vertritt.
      Ihre These, die einen „progressiven Neoliberalismus“ sieht, der eine Allianz mit dem (bösen!) liberalen Feminismus eingegangen ist, hat einige blinde Flecken.
      Die Misandrie und die Entmenschlichung des Mannes begannen bereits mit dem radikalen Feminismus Fahrt aufzunehmen (und selbst den gab es vor seinem öffentlichen Erscheinen in den 70ern).

      Die zwei faszinierenden Punkte für jede Herrschaftsform, die der Feminismus bietet:
      1. Es gibt eine biologische Begründung für Elite/Herrschaft.
      2. Die Unterworfenen akzeptieren diese Begründung.

      Die Botschaft: „Wenn Menschen nicht als Humankapital verwertbar sind, sind sie halt verzichtbar.“ wird wesentlich akzeptabler, wenn man sie so formuliert: „Wenn Männer nicht als Humankapital verwertbar sind, sind sie halt verzichtbar.“

      Der unauflösbare Widerspruch ist, die sich per Geschlecht als „bessere Herrschaft“, weil „biologisch besser“ präsentieren, sind per Geschlecht jedoch nicht diejenigen, die das kapitalistische System weiterhin – als Humankapital – am laufen halten.

      Ein Monat Frauenstreik und die Unterbringung von Kindern ist ein Ärgernis – ein Monat Männerstreik und das System kollabiert.

      • @crumar:

        »Ein Monat Frauenstreik und die Unterbringung von Kindern ist ein Ärgernis – ein Monat Männerstreik und das System kollabiert.«

        Es sei denn, es handelt sich um alte Männer, die zum Produktionsprozess nichts mehr beitragen, sondern bloß noch ihre Rentenansprüche konsumieren. Denen Corona an den Hals zu wünschen, rechnet sich am Ende auch budget-technisch. Und in zwei Jahren kann man dann pünktlich zum Drehbuch-Termin auch Soylent Green umsetzen …

        • @djad

          Uiii, du hast aber bitterböse Gedanken!

          Aber ja, mit einer solchen Denkweise sind vor allem die kommenden Rentenansprüche der Männer aus den geburtenstarken Jahrgängen geradezu moralisch fragwürdig.

      • Die Botschaft: „Wenn Menschen nicht als Humankapital verwertbar sind, sind sie halt verzichtbar.“ wird wesentlich akzeptabler, wenn man sie so formuliert: „Wenn Männer nicht als Humankapital verwertbar sind, sind sie halt verzichtbar.“

        Korrekt. Die Inhumanität gegen „wertlose“ (oder nach der feministischen Ideologie ja auch „schädliche“, „toxische“) Männer metastisiert aber auf andere Gesellschaftsgruppen, sie bleibt nicht allein auf Männer beschränkt, und somit muss auch die Oma erleben, dass ihr Jugendliche den Tod wünschen, weil sie als „Klimasünderin“ ihre Zukunft zerstört hat, ich habe das hier aufgegriffen. Ich denke, beides hängt zusammen: Wer sich (als Feminist) erst mal daran gewöhnt hat, ganze Menschengruppen (hier: Männer) als „schädlich“, als „toxisch“ zu entmenschlichen, der kann dieses Denken dann auch auf andere Gruppen anwenden, und damit sind wir beim Neoliberalismus und seine Inhumanität gegenüber allen, die keinen Mehrwert stellen.

        • Ja, das ist seit langer Zeit auch meine Ansicht.
          Es geht erstens nicht um den Mann an sich, sondern der ist nur ein Platzhalter.
          Unser Test auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit durch Auswechslung der Personengruppen zeigt, die Abwertung funktioniert auch, wenn „Mann“ durch „Jude“ oder „Migrant“ ersetzt wird.
          Der Mechanismus der Abwertung und Entmenschlichung selbst, dessen Rechtfertigung und Propagierung ist der zentrale Punkt.

          Die Allianz von Neoliberalismus und Feminismus ist nicht zufällig entstanden, sondern sie wurden aus diversen Gründen geradezu hofiert.

    • Mir schon.

      Wenn man diesen Artikel nämlich liest, dann wird einem klar, wie groß das Problem der real existierenden Linken in diesem Land ist.

      Es handelt sich um eine Mischung aus Realitätsverleugnung, Unfähigkeit mit Zahlen umzugehen, falsche Problembe- und -zuschreibungen, falsche Analysen also und – in diesem speziellen Fall – einen feministischen Opfernarzissmus.

    • Gott, was für ein Schmarrn. Einleitung in Form wilder Verschwörungstheorien und dann die übliche „Ach die armen Frauen“-Litanei. Und seit wann sind Paketzusteller überwiegend Frauen? Und seit wann sind Pflegeberufe faktisch gering bezahlt? Man mag ja immer sagen, sie seien für den dortigen Stress zu gering bezahlt, aber wenn ich mir die Gehaltsgruppen im TVÖD so angucke, also da würde ich gerne mal so viel auf meinem Gehaltszettel sehen als kaufmännischer Angestellter (zwar freigestellter Betriebsrat, aber das hat ja auf das Einkommen keinen Einfluss) eines nicht gerade kleinen mittelständischen Familienunternehmens mit knapp 3000 Angestellten. Und sie alle, seien es Erzieherinnen oder Pflegerinnen, bekommen mehr als z. B. Müllwerker oder Kanalarbeiter, beides Berufe mit hohen Anforderungen und Gefährdungspotentialen aber eben auch oder gerade deswegen nahezu ausschließliche Männerjobs. Und weil es eben nur Männerjobs sind, die im Übrigen auch in der derzeiten Situation kein Homeoffice machen können, interessiert sich unsere geistig degenerierte Journaille nicht im Geringsten für die. Da lässt sich halt kein Mitleid generiern und auch keine Tugendhaftigkeit signalisieren…

      • Zustimmung und vor allem wo die Frau sonst schreibt, nämlich bei der „jungen welt“, sollte Aufschluss darüber geben, wie weit diese Seuche bereits vorgedrungen ist.

    • Der Kapitalismus inszeniert eine Coronakrise also so wie den Reichstagsbrand, um diktatorisch herrschen zu können ….

      Diese Verschwörungstheorie ist in links-alternativen Kreisen schon jetzt sehr weit verbreitet, mehr oder minder so elaboriert wie hier. Deshalb auch feiern die ihre „Coronapartys“ und gehen nach wie vor auf die Strasse zum Demonstrieren.

      • Vorsicht! Dass in Polen aktuell die Krise genutzt wird, um die Demokratie zu schleifen ist keine Verschwörungstheorie, sondern die Wahrheit.
        Nicht jede Theorie über die Zielrichtung oder Motive der Einschränkung von Freiheiten ist per se unwahr.

        • Muss man, denke ich, etwas getrennt sehen. Dass Regierungen / Regimes eine Krise und erst recht eine Panikstimmung zu ihren Gunsten ausnutzen, ist so überraschend, wie die Feststellung, dass ich runterfalle, wenn ich über einen Rand trete und keinen Boden mehr unter den Füßen haben.

          Verschwörungstheoretisch wirkt es, wenn man so tut, als hätten diese Regierungen / Regimes das alles schon von langer Hand geplant. Als würden die da extra groß noch was anheizen müssen. Das war und ist nicht nötig, weil das Rumgehen einer Krankheit, die in einzelnen Fällen schwere Symptome bildet und gar zum Tode führen kann, immer und verlässlich dazu führt, dass sich in der breiten Masse eine zumindest durchschnittlich moderate Panik bildet. Da müssen Regenten nichts weiter machen, als die Hände ausstrecken und die tiefhängenden Früchte pflücken. Wie so etwas geht, das demonstrierten hier in Deutschland im Zuge der Klimahysterie unlängst einige – zum Glück bis dato nur – Stadtregierungen, die mal eben „Notstände“ ausriefen. DAS ist Schleifen von Demokratie. Vor allem wenn der Grund für die Panik, den man für sein Ziel der Befugniserweiterungen instrumentalisiert, im Vergleich zu CORONA geradezu lächerlich daherkommt.

          In dem Artikel finde ich auch die Wahrnehmung interessant, dass dabei unsere hetzenden und skandalisierenden Medien den Politikern dabei in die Hände spielen würden. Bitte was? Wie ich oben schon schrieb, war ich vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen mit Epidemien sogar sehr überrascht, wie sehr man medial lange bemüht war, das Thema runterzukochen, man sich teils regelrecht lustig machte über die Panik der schon lange vor uns betroffenen Menschen. „Guckt mal, wie die Chinamänner jetzt alle mit Mundschutz rumlaufen! HAHAHA! Und dabei ist es doch alles viel weniger schlimm als jede stinknormale Grippe! HAHAHA!“

          Also ja, natürlich missbrauchen Politiker solche Gelegenheiten gerne, aber das, was dort unter anderem in dem verlinkten Artikel fabuliert wird, ist wirklich reinste Verschwörungstheorie. Schon alleine, weil gerade unsere Regierung ein viel zu inkompetenter Haufen von Volldeppen ist, um einen derart großangelegten Plan der Totalisierung unserer Gesellschaft zu erdenken, geschweige denn in die Tat umzusetzen… 😉

    • @ Chris, crumar, Billy „Noch vor wenigen Monaten hätten wohl die meisten das gegenwärtige Geschehen für ausgeschlossen gehalten und Warnende als Verschwörungstheoretiker abgetan. Doch nun ist es real: Die Menschen in Deutschland und anderswo sind erwacht in der Diktatur.“

      Bei dem, was Susan Bonath da schreibt, spielt m.E. noch ein weiterer Aspekt eine Rolle, den ich schon im Text ansprechen wollte: Nämlich der Glaube, die ganze soziale Wirklichkeit ließe sich als Diskursphänomen analysieren. Ich stelle mir zum Vergleich vor, dass irgendwo nachts ein großes Haus brennt, viele Feuerwehrautos mit Blaulicht und Sirene hinfahren – und Frau Bonath lediglich merkt, dass sie dadurch aus dem Schlaf gerissen wird. „Ich hätte mir noch vor wenigen Tagen nie träumen lassen“, schreibt sie dann kritisch in einem aufklärerischen Magazin, „dass wir nachts von staatlichen Institutionen so systematisch aus dem Schlaf gerissen werden. Beginnt jetzt der Terror von oben?“

      Dabei wird nicht akzeptiert, dass überhaupt eine Krankheit da ist, und dass staatliche Handlungen eine Reaktion auf diese Krankheit sind oder zumindest sein können. Corona ist hier gewissermaßen einfach ein Narrativ zur Durchsetzung staatlicher Zwangsmaßnahmen.

      Über die von crumar schon angesprochene Realitätsverleugnung hinaus macht mich noch ein anderer Aspekt wütend: nämlich der völlige Mangel an Selbstreflexion. Wer es sich leisten kann, Wirklichkeit ganz als Diskursphänomen wahrzunehmen, der agiert eben unter Bedingungen, die es ihm – oder eben: ihr – erlauben, alle möglichen Schwierigkeiten auf Probleme der richtigen Sprache zu reduzieren. Unter diesen privilegierten Bedingungen kann aber nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung agieren.

      • Völlig einverstanden!

        Vor allem mit: „Dabei wird nicht akzeptiert, dass überhaupt eine Krankheit da ist, und dass staatliche Handlungen eine Reaktion auf diese Krankheit sind oder zumindest sein können.“

        Sie hat die Krankheit weder begriffen, noch hat sie die Zahlen begriffen und die komplette Ignoranz gegenüber der europäischen und weltweiten Situation ist nicht nur erstaunlich, sondern in Sachen Verharmlosung befindet sie sich auf einer Stufe mit Trump vor zehn Tagen.

        Was mich inzwischen (a la Billy) so richtig anpisst, ist diese suggestive Mitleidslenkung auf „Frauen besonders betroffen“.

        Sie kommt direkt vom „Großkapital“ über die Zwischenüberschrift „Niedriglöhnerinnen tragen Hauptlast“ (und zwar nur die -innen!) zum Kernanliegen: „Kaum Hilfe für Frauen in Not“.

        Man fragt sich, handelt es sich nachfolgend im Text um obdachlose Frauen? Nein: „Viele schwangere Frauen in Not könnten dieser Tage keinen Abbruch vornehmen lassen.“

        Die Idee, man könne en passant feministische Vorhaben (hier u.a. Streichung § 218) mit einer Pandemie verbindend höher gewichten, indem man der Pandemie bescheinigt, im Grund nur Panikmache zu sein – darauf muss man erst einmal kommen!

  • Mir scheint die oben vorgebrachte Kritik an dem oben verlinkten Artikel von Frau Bonath einseitig und überzogen. Sie bringt doch eine ganze Reihe von Punkten, die bedenkenswert sind (auch wenn sie mich letztlich nicht überzeugen).

    https://www.rubikon.news/artikel/im-panikmodus-in-die-diktatur

    Ein wesentlicher Kritik-Punkt von ihr scheint doch zu sein, dass es in der aktuellen Situation verkehrt ist, ein ganzes Land gewissermaßen herunterzufahren.

    Und dieser Punkt ist doch auch von ganz anderer Seite so – oder ähnlich – geäußert worden, z. B. hier:

    https://www.gaborsteingart.com/newsletter-morning-briefing/operation-gelungen-deutschland-tot/?wp-nocache=true

    Dort heißt es bspw.:

    „So wurden denn die drakonischen Maßnahmen eines Shutdown des öffentlichen Lebens, die normalerweise den Schlusspunkt einer Eskalationskette bilden, vorsätzlich an deren Anfang gesetzt. Eine Regierung, die das Mindeste [nämlich Versorgung mit Schutzkleidung] nicht garantiert, versucht, mit dem Maximalen zu beeindrucken.“

    „Die Regierung mit ihrer Strategie des One-Size-Fits-All ist begründungspflichtig geworden.“

    Einer der befragten Sachverständigen sagt hierzu:

    „Wir brauchen keine allgemeine [!], das Infektionsrisiko minimierende Praxis, sondern eine spezifische, die das Infektionsrisiko für die gefährdeten Gruppen möglichst auf null herunterfährt.“
    „Die Strategie, die ich vorschlage, ist nicht zynisch. Sie wägt nicht ab zwischen Ökonomie und Gesundheit, sondern sie hat beides im Blick: das Bedürfnis nach Kontakt, die Notwendigkeit von Bildung, ökonomischer und sozialer Aktivität einerseits – und das Leben der Gefährdeten andererseits.“

    Ich selbst kann nicht beurteilen, was in dieser Frage richtig oder zumindest vernünftig ist. Aber man muss doch zugestehen, dass Frau Bonath hier einen zentralen Punkt angesprochen hat. Am Anfang ihres Artikels spricht sie über die Konsequenzen für „Soloselbständige und Kleinstunternehmer“, für „unzählige Kurzarbeiter“ und für „Obdachlose und Arme“. So ganz falsch ist das nicht.

    Auch andere Punkte von Frau Bonath sind durchaus bedenkenswert, z. B. dass die verschiedenen lückenhaften epidemiologischen Daten zur Krankheit kein klares Bild ergeben, dass man letztlich immer noch im Nebel stochert. Meine Konsequenz daraus wäre, dass ich von einem worst case-Szenario ausgehe und entsprechende Maßnahmen ergreife – doch derartige Konsequenzen werden z. B. in Schweden rundweg abgelehnt.

    Kurzum: der Text von Frau Bonath scheint mir recht durchwachsen zu sein – mit einigen haarsträubenden Punkten (crumar hat sie oben aufgezeigt) und einigen durchaus bedenkenswerten Punkten, die man Ergebnis-offen diskutieren sollte.

    Aus diesen Gründen halte ich einige der obigen Reaktionen („Gott, was für ein Schmarrn“, „mir ist beim Lesen die Kinnlade runtergefallen“, …) für voreilig.

    • @Jochen

      Nein Jochen, sie hat das Problem nicht verstanden, weil sie zwei Dinge nicht verstanden hat:
      1. Was bedeutet exponentielles Wachstum?
      2. Infizierte, milder Verlauf, schwerer Verlauf, Tote und Nachwirkungen.

      1. In D haben wir zur Zeit eine Verdopplungsrate von ca. 8 Tagen bei ca. 78.000 Infizierten und 920 Toten am 2.4., alles konstant gesetzt, wären wir am 10.4. bei 156.000 und am 18.4. 312.000 Infizierten. Allerdings hat sich die Sterblichkeitsrate bei uns vom 25.3. von 0,55% der Fälle auf 1,2% der Fälle am 1.4. mehr als verdoppelt. Schreibt sich das ebenso fort (4,8%), sind wir am 16.4. bei knapp 15.000 Toten.
      Spanien hat aktuell 9% und Italien 12%.

      2. Wenn nur 10% der Bevölkerung infiziert sind, sind es 8 Millionen, bei denen der Verlauf ohne Symptome oder leicht ist, seien 95%.
      Dann hast du immer noch 400.000 schwere Verläufe mit der Notwendigkeit von Beatmung und das ist vorhanden bzw. mobilisierbar:
      https://www.deutschlandfunk.de/media/thumbs/9/9430fa1121e94be6d2400747a712e734v1_abs_555x312_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.png?key=27bc08
      Kein Land hat 400.000 Beatmungsgeräte und die Rechnung, dass nur ein Bruchteil der Infizierten verstirbt, funktioniert nur mit einer existierenden Infrastruktur der Intensivmedizin.
      Bei 8 Millionen würdest du 80.000 Tote bei 1% mortality rate erwarten, aber selbst wenn ich die Betten in der Intensivmedizin vervielfache, kommen dann optimal 100.000 Betten und Beatmungsgeräte auf hunderttausende Fälle mit schwerem Verlauf.

      Das sind 10% der Bevölkerung – die „Herdenimmunität“ rechnet mit 60-70% Infizierte und wir sprechen dann also über Millionen Tote bzw. Menschen mit schweren Lungenschäden.

      Wer die Alternativen zum shut down rechnet bemerkt, es gibt gar keine.

      Der nächste Punkt ist, man „stochere im Nebel“ herum – tatsächlich sind sie bei 500.000 Tests pro Woche und so langsam gehen ihnen die Tests aus. Die Idee, man könne ja ein repräsentatives Sample testen, scheitert an der Frage: Für was und wen?
      Zwei Drittel der Fälle und 75% der Toten kommen aus drei Bundesländern.

      Schweden ist ein obskures Experiment mit der Bevölkerung.
      Ich würde wetten, es wird nach hinten losgehen.

      • Sorry crumar, die Verdoppelungsrate sagt mir überhaupt nichts. Die Zahl positiv getesteter sagt überhaupt nichts über die Verbreitung aus und es sagt auch nichts uber die genaue Zahl Betroffener/Infizierter aus. Ohne die Relation zur Anzahl der insgesamt durchgeführten Tests ist das alles wertlos…und es kommt noch schlimmer. So ist doch eigentlich klar, dass bei exponentieller Ausweitung der Testanzahl auch die positiven Ergebnisse exponentiell wachsen….aber doch nicht im Verhältnis zu den Negativen! Die wachsen natürlich genauso schnell mit.

        Diese ganzen Einzeldaten von einzelnen Tagen oder Wochen sind also immer nur samples, also Stichproben, die sich selbstverständlich mit gewissen Einschränkungen auf die Gesamtbevölkerung umrechnen lassen. Bei Wahlumfragen machen wir das schon mit 2000 Befragten recht genau, warum nicht bei Corona?

        Am 3.4. hat das RKI ein pdf verlinkt, das die Erhebung der Daten beschreibt und auch einige Aussagen zu getesteten Personen macht. Darin finden wir.weitete, als samples nutzbare Daten, die alle einen Anteil von 6-8% positiv Getesteter ausweisen. Insgesamt spricht das Dokument von zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Testverfahren von 1Mio, 63000 davon positiv…also auch innerhalb der Range 6-8%.
        An anderer stelle heißt es jedoch, man habe insgesamt bisher lediglich 200.000 Personen getestet, ohne näher darauf einzugehen.

        Ich denke nicht, dass man noch eine repräsentative Erhebung braucht, nach der seit wochen alle rufen und die das rki angeblich letzten Sonntag begonnen hat, um diese Zahlen zu deuten bzw mal ihre Relevanz und Genauigkeit zu hinterfragen.

        Wenn der Herr Wieler vom RKI von „Fällen“ spricht, weiß ich jetzt, dass er damit positive Testergebnisse meint. Die Öffentlichkeit – und man sieht Herr Wieler an, dass er um diese Diskrepanz weiß – rechnet die positiven Testergebnisse aber in Personen um – nein, in „kranke Menschen!“ Obwohl von den zu diesem Zeitpunkt Betroffenen mehr als 30.000 keinerlei Symptome hatten (alles rki-infos). Ich nehme an, hauptsächlich Personal.

        Es ist also schon so, dass die Stichproben wirklich nur bedingt repräsentativ sind, denn es wurde gerade anfänglich hauptsächlich symptombezogen getestet bzw risikogruppen-bezogen, so dass man mit überdurchschnittlich vielen positiven hätte rechnen konnen, aber gut – auf den Durchschnitt schaut ja keinet 🤣 Italien hat insgesamt weniger Tests durchgeführt und sich daher noch stärker auf die erkennbar Kranken konzentriert.

        Wie auch immer, auch das RKI sieht ja die Quote von 5.9 auf 8.7% gestiegen an, ebenso wie dankenswerterweise Lukas die 17% voraussichtliche Höchstquote ins Spiel bringt, auf die aber niemand einging. Es bleibt aber in jedem Fall dabei, dass man eine Quote hat und die aktuelle Quote sich so gar nicht in der Bevölkerung zu manifestieren scheint.

        Nehmen wir nur ein Viertel davon als „wahr“ an, also angenommen, es wären nicht 8% sondern nur 2% Positive, hatten wir schon 1,6 Mio Betroffene, 16000 Tote und Hunderttausende, die die Arztpraxen überlaufen…wo sind all diese Fälle???

        Wir können zwar auch die Gesamtzahl der gefundenen Positiven auf einen Anteil der Bevölkerung umlegen, wie es zb fur die Bundesländer gemacht wird…da hat dann Bayern bspw einen Anteil von 155 pro 100.000 aber das sind genauso 0.1% wie 80.000 von 82 Mio….

        Die Grippesaison ist grad im Abgesang, Prof Streeck hat herausgefunden, dass es keine Türklinken-Infektionen gibt und Verstorbene hatten zum allergrößten Teil das nötige Alter sowie derbe Schwächen. Ausnahmen bestätigen hier nur die Regel.

        Also, kann sein, dass dem ein oder anderen das als „kalt berechnet“ vorkommt, aber durch noch mehr Sagrotanverhalten kann man auch schon bekannte Viren wieder „vergessen“ – so hab ich es jedenfalls gehört und finde ich auch nicht unschlüssig. Aber insgesamt, vor allem wenn ich an die enormen Mutationsfähigkeit dieser kleinen Enzympfropfem denke, ist mein Vertrauen in Virologie doch stark gesunken… Grundimmunität scheint bei vielen sehr wohl vorhanden, sonst müssten wie gesagt, mehr Fälle auftreten. Und Impfen gegen Mutationen muss man andauernd auffrischen…brauch ich auch nicht unbedingt

        • @matthias schleif:

          absence of evidence != evidence of absence

          Gerade WEIL wir zuwenig Daten haben und nichts genaueres wissen, sollten wir vorsichtig sein. Das gebietet angesichts des großen systematischen Risikos sowohl der gesunde Menschenverstand als auch die Verantwortung von Entscheidungsträgern gegenüber der Bevölkerung.

          Du legst ja auch den Gurt im Auto nicht deswegen an weil du weißt dass du einen Unfall bauen wirst, sondern WEIL DU ES NICHT WEIßT.

          Leider scheint diese einfache Einsicht heutzutage mehr und mehr abhanden zu kommen…

        • Die Argumentation ist leider falsch herum.

          Am Anfang dachte man, die Infizierten würden sich durch mehrere Symptome quasi von selbst bemerkbar machen.
          Bis man merkte, dass in über der Hälfte der Fälle z.B. Fieber nicht auftrat und irgendwann klar wurde, dass die Chinesen positiv getestete Menschen ohne Symptome gar nicht in die Statistik mit aufgenommen hatten (deren Statistik ich nicht trauen würde).
          D.h. letztere Gruppe ist nur durch Tests zu finden.
          Die Gesamtzahl der bis heute gemachten Tests ist laut coronawiki für D: 918,460.
          https://coronawiki.org/#countries-nav
          Das ist in Europa Spitze.

          Problem in D ist die uneinheitliche Betroffenheit der Bundesländer und selbst auf der Ebene der Landkreise.
          Hier:
          https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4

          Noch klarer wird das, wenn man dort unterhalb der Karte auf: „Aktivität über 7 Tage/100.000 Einwohner“ umschaltet.

          Ein repräsentatives sample soll in München untersucht werden, danach wird man wohl klarer sehen.

          • @pingpong

            Mist, sollte an Matthias gehen. Hätte ich besser kennzeichnen sollen.

            @Mark

            So lange bspw. die italienischen Toten noch nicht einmal richtig in der Statistik erfasst sind, ist es ein wenig früh, davon zu sprechen (die chinesischen Zahlen halte ich für einen Witz, dito Iran).

            Der nächste Punkt ist, es ist falsch nur auf die Toten zu schauen, sondern die „critical“-Fälle werden Schädigungen der Lunge aufweisen, selbst wenn sie überleben, bzw. als „recovered“ gelten.
            Für Deutschland stehen 4895 dieser Fälle derzeit 2192 Toten gegenüber und bezogen auf die aktiven Fälle ist der Anteil ersterer immerhin 7%.

            Die Klassiker CFR bezieht sich auf die Gesamtzahl der Infizierten, die bei einem Großteil der Bevölkerung mild verläuft.
            Desto nichtssagender wird aber der Wert, desto mehr sich der Virus ausbreitet.
            Wenn man die Toten als vorher gehörig zur Gruppe derjenigen mit einem kritischen Verlauf rechnet, dann sieht es anders aus.
            https://coronawiki.org/country/germany

            Die Zahlen darf man inzwischen aber nur noch mit Vorsicht genießen, denn die weichen – Dank Johns Hopkins und Mopo – um mehrere tausend Infizierte und Genesene von der Realität ab.

          • Ein wichtiger Punkt, der in unserer technokratischen Expertengesellschaft in der alles mit möglichst genauen Zahlen, Daten, Fakten unterlegt sein muss of übersehen wird (und das sage ich als angewandter Mathematiker), ist hier angesprochen:
            https://necsi.edu/what-models-can-and-cannot-tell-us-about-covid-19

            @Mark, da du offenbar viel Wert auf die akademischen credentials legst: die Autoren sind die Experten was komplexe Systeme, Probleme die darin auftreten und deren Lösungen angeht. Das sind die richtigen Ansprechpartner in so einer Krisensituation. https://necsi.edu/about

            Ein paar Punkte aus dem paper:
            „All models’ assumptions fail to describe the details of most real-world systems, but these systems may possess large-scale behaviors that do not depend on all these details [2]. A simple model that correctly captures these large-scale behaviors is useful; a complicated model that gets some details correct but mischaracterizes the large-scale behaviors is misleading at best.
            […]
            What is the purpose of refining a model by 10% if there is a 50% uncertainty stemming from other aspects or assumptions of the model, or if there is a relevant behavior of the modeled system
            that the model fails to capture all together? Models that attempt to capture a system’s small-scale detailed behavior (e.g. ref. [3]) will inevitably include some details and leave out others. Depending on which details are included, such models may mischaracterize the system’s large-scale behavior, and when they do work, it is often because their specific assumptions are a special case of a simpler, more general model. Thus, sometimes it is not the complicated models but the deceptively simple ones that are most effective for understanding a system’s large-scale behavior.
            […]
            Finally, “What will happen?” is a different question than “What should we do?” and for COVID-19 the latter question is far easier to answer than the former. In the absence of a full understanding of a system’s details, answering the latter question involves understanding how our potential actions impact the relevant large-scale parameters of the system, which for COVID-19 are the rate of exponential growth or decay in each region and the probabilities of transmission between regions. Even if we cannot precisely predict the impact of any given intervention, we know of many interventions that will reduce the rates of transmission within and between regions,
            and, based on our empirical understanding of COVID-19 transmission and the fact that some countries have seen declines in new cases, we know that combining enough of them together will reduce the rate of transmission sufficiently to achieve exponential decline and stop the outbreak [6].“

          • @pingpong

            Du schreibst:

            @Mark, da du offenbar viel Wert auf die akademischen credentials legst: die Autoren sind die Experten was komplexe Systeme, Probleme die darin auftreten und deren Lösungen angeht. Das sind die richtigen Ansprechpartner in so einer Krisensituation“

            Das ist das letzte Mal, dass ich mich auf eine Diskussion einlasse:

            Schau Dir einfach das wissenschaftliche Renommee von Anthony Faucy und John P. A. Ioannidis an und dann Deinen Experten. Das ist etwa wie Albert Einstein vs. Harald Lesch. 🙂

            Es gibt aber gerade eine neue Studie von John Joannidis. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.05.20054361v1

          • @mark:

            „Das ist das letzte Mal, dass ich mich auf eine Diskussion einlasse“

            Dazu müsstest du erstmal zu diskutieren beginnen. Bis jetzt betreibst du hier nur namedropping und verlinken von fragwürdigen Papieren. Wenn das aufhört wäre es allerdings ein Gewinn, insofern: Ich hoffe du meinst das mit dem letzten mal ernst.

            „Schau Dir einfach das wissenschaftliche Renommee von Anthony Faucy und John P. A. Ioannidis an“

            Ich frage die Herren mit Freude und Ehrfurcht, wenn ich eine immunologische, virologische oder medizinische Frage habe. Ich bin mir sicher, sie sind auf diesem Gebiet exzellent und haben sich ihre Meriten redlich verdient.

            Wenn es darum geht die globale Ausbreitung eines neuartigen Virus und alle damit einhergehenden systematischen Risiken und unabsehbaren Folgeeffekte möglichst effizient einzudämmen bzw. zu verhindern, dann frage ich lieber einen Risiko- bzw. Komplexitätsexperten.

            Unabhängig davon: Wenn ein Wissenschaftler einen statistischen Bullshit wie z.b. folgendes veröffentlicht

            “ the risk of dying from coronavirus for a person <65 years old is equivalent to the risk of dying driving a distance of 9 to 415 miles by car per day during the COVID-19 fatality season"
            Quelle: die neue Ioannidis-Studie die du verlinkt hast.

            dann nenne ich das junk science, egal wieviele Auszeichnungen derjenige am Revers hat.

          • @pingpong

            Wie gesagt: Du scheinst ein Profi-Experte zu sein, Du darfst nun gerne Dein enormes Wissen diesen reputierten Wissenschaftler zur Verfügung stellen. Die werden sicherlich dankbar sein. Ich empfehle mich. 🙂

  • Naja, wir könnten ja noch ein halbes Jahr warten, oder vielleicht auch ein ganzes, bis die Mehrheit verstanden haben wird, dass wir uns in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 100Jahren befinden und dann Böhnmmi entlassen.
    Seine „Ausstellung“ in Österreich kennt leider in Deutschland fast niemand, aber ich bin fest davon überzeugt, dass ein nicht witziger verkannter Künstler, mit politischen Sendungsbewusstsein den Kahn schon „schauckeln“ wird. Ich meine was sollte da schon groß schief gehen?

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