Feindbild Mann Schule Sexismus SPD Väter Zivilgesellschaft

Für Gerechtigkeit die Klappe halten

geschrieben von: Lucas Schoppe

Über das Dossier „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer“ aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Das Dossier des Familienministeriums zur Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer in Deutschland zeigt vor allem eines: Während gesellschaftlich die Möglichkeiten für partnerschaftliche Beziehungen zwischen Frauen und Männern stetig erweitert wurden, stellen sich politische Institutionen diesen Veränderungen mit einem seltsamen Eifer in den Weg. Seltsam ist auch, dass sie sich dabei zugleich als progressive, irgendwie gar linke Motoren des Fortschritts wahrnehmen.

  1. Kleine Geschichte eines frühen Abschieds aus der SPD
  2. Klappehalten für Gerechtigkeit
  3. Toxische Männlichkeiten, patriarchale Dividenden und andere Männerfantasien
  4. Brauchen Kinder Väter? Braucht die SPD Diskussionen?
  5. Brauchen die Schulen eigentlich Jungen?
  6. Gibt es eigentlich toxische Opfer?
 

Kleine Geschichte eines frühen Abschieds aus der SPD

Meine Mutter erzählte mir vor ein paar Tagen am Telefon noch einmal, warum sie sich schon in den Siebziger Jahren aus der politischen Arbeit für die SPD zurückgezogen hat, obwohl sie bis heute Mitglied der Partei ist.

Meine Mutter stammt wie mein Vater aus einer Arbeiterfamilie, aber im Unterschied zu meinem Vater war ihre Familie über Generationen hinweg politisch organisiert. Ich habe schon als Kind Geschichten gehört von einem Urgroßopa, der seine Söhne aus dem Haus geworfen hatte, weil er Sozialdemokrat war und den beständigen politischen Streit mit seinen kommunistischen Söhnen nicht mehr ertragen hat.

Oder vom Bruder meiner Oma, der als Ex- und heimlicher Immer-noch-Kommunist zu Beginn der Nazizeit Waffen in der Wohnung versteckt hatte, der verraten wurde, sie aber noch kurz vor der Hausdurchsuchung verschwinden lassen konnte, weil ihn ein alter Kollege vorgewarnt hatte, der nun bei der Polizei war.

Oder von dem Polizisten, der in den Jahren nach dem Krieg einmal im Monat zu Besuch kam, um neue Bücher der Büchergilde vorzustellen, und der in seiner Uniform für die Mädchen der Familie sehr beeindruckend war.

Zeigt Wahlplakat der SPD aus dem Jahre 1919

Ein SPD-Wahlplakat aus einer anderen Zeit – von 1919

Meine Mutter war eine ganze Weile ebenso aktiv in der SPD wie mein Vater. Wir haben noch einen alten Wahlkampfflyer der SPD, der weithin verteilt worden war und der ganz daraus bestand, dass sie neben einem seitenfüllenden Foto von ihr erzählt, warum sie SPD wählt. In den Siebziger Jahren wollte sie dann frauenpolitisch in der SPD arbeiten und ging zu Treffen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen.

Sie wird heute immer noch wütend, wenn sie von dem erzählt, was sie da erlebte. Die offene Verachtung für Männer, der demonstrative Ekel vor ihnen, ständige „Männer sind Schweine“-Sprüche – aus ihrer Sicht war die Atmosphäre so primitiv und aggressiv, dass sie nach wenigen Treffen niemals wieder dabei war.

Sie baute dann stattdessen mit ein paar Freundinnen eine ökumenische Frauenarbeit der katholischen und evangelischen Kirche auf. Dabei ging es ihnen um eine Zusammenarbeit über Grenzen zwischen den Kirchen hinweg, aber auch darum, Frauen – wie wir das heute ausdrücken würden – in der Kirche „sichtbarer zu machen“.

Denn neben aller marientechnischen Verehrung für die Frau als Idee sollten real existierende Frauen gerade in unserer katholischen Kirche die Klappe halten und nicht weiter auffallen, und der knallreaktionäre Papst Johannes Paul II. erklärte, dass Frauen in der Nähe des Altars nichts zu suchen hätten.

Natürlich war den Frauen klar, dass sie sich in der Kirche mit konservativen oder herablassenden Pastoren auseinandersetzen mussten. Trotzdem fand meine Mutter für ihre frauenpolitische Arbeit selbst noch in der katholischen Kirche einen größeren Spielraum als in der SPD.  Sie hat sich ihr Leben lang als Linke verstanden – aber der Hass auf Männer, den sie in sozialdemokratischen Frauengruppen erlebte, empörte sie.

Diese Empörung hat gute Gründe. Meine Eltern sind beide unter Bedingungen begrenzter Ressourcen aufgewachsen, und das sind nun einmal Bedingungen, in denen Menschen auf die Kooperation miteinander angewiesen sind. Einen Geschlechterkampf zu inszenieren müssen sich Menschen überhaupt erst einmal leisten können – und er passt eigentlich überhaupt nicht in ein sozialdemokratisches Milieu.

Wie sehr sich aber die Ressentiments gehalten haben, die meine Mutter schon vor Jahrzehnten aus der Parteiarbeit hinaus trieben, wie umfassend sie mittlerweile institutionalisiert und zur unhinterfragten Selbstverständlichkeit geworden sind – das zeigt sich ausgerechnet am Dossier „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer“, das gerade vom SPD-geführten Frauen- und Familienministerium herausgegeben worden ist.

 

Klappehalten für Gerechtigkeit

„Deutschland will Gleichstellung“, verkündet das Ministerium gleich zu Beginn der Kurzfassung seines Dossiers: „Gleichstellung ist in Deutschland ein kultureller Wert“, und daher müsse Gleichstellungspolitik die „grundgesetzlich geforderte Gleichstellungsvorgabe Wirklichkeit werden (…) lassen“ (Kurzfassung, S. 4).

Nun kommt der Begriff „Gleichstellung“ anders als der Begriff „Gleichberechtigung“ im Grundgesetz gar nicht vor. Dass „Deutschland“, wer immer das auch sein mag, „Gleichstellung“ wolle, wird zudem gar nicht erst belegt. Aber: Wenn diese Politik schon gemacht wird und wenn es dabei um Frauen und Männer, Mädchen und Jungen geht – dann wirkt es auf den ersten Blick schon folgerichtig, Jungen und Männer dabei nicht ganz zu ignorieren.

Allerdings ist ihre Rolle dabei eher überraschend. Eine „partnerschaftliche Gleichstellungspolitik“ erachte es nämlich

als notwendig und zumutbar, dass Jungen und Männer Frauenemanzipation unterstützen, zurückstehen, Verzicht leisten, auch ‚einfach mal die Klappe halten‘. (LF, S. 15)

Das ist ziemlich genau das Gegenteil des alten linken Wertes der Solidarität, der auf gegenseitigen Beistand baut. Das einseitige Muster des Familienministeriums nimmt beiden Seiten etwas: Jungen und Männer scheinen Beistand gar nicht verdient zu haben, und Frauen kommen gar nicht auf die Idee, dass ihr Beistand für Männer eine Bedeutung haben könnte.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit gar nicht einmal auf dem Wort „partnerschaftlich“ herumreiten, und möglicherweise sind einige Paare wirklich glücklich mit einem Arrangement, in dem ein Partner den anderen unterstützt, Verzicht leistet und ansonsten die Klappe hält. Aber erstens assoziieren die meisten Menschen dieses Modell durchaus nicht mit dem Wort „gleichberechtigt“, und zweitens schreibt hier halt nicht irgendjemand: Würde ein deutsches Ministerium den Frauen generell anempfehlen, doch einfach mal die Klappe zu halten, gäbe das erheblichen Ärger und würde kaum als Beitrag zu kulturellen Werten des Landes gewertet.

Warum also sollte so etwas bei Männern okay sein?

 

Toxische Männlichkeiten, patriarchale Dividenden und andere Männerfantasien

Weil sie, so das Ministerium, „Verantwortung für ihre ‚patriarchale Dividende‘ (keine Erbschuld) tragen müssen“ (LF, 14). Der von Robert/Raewyn Connell bekannt gemachte Begriff reagiert auf die kaum vermeidbare Beobachtung, dass im „Patriarchat“ die allermeisten Männer von Herrschaftspositionen ebenso weit entfernt sind wie die allermeisten Frauen. Trotzdem profitiere auch ein einfacher Arbeiter, ein Arbeitsloser, ein Wohnungsloser oder schlicht ein kleiner Junge irgendwie davon, männlich zu sein.

Das ist eher eine akademische Fantasie, als dass es dem Leben von Menschen gerecht würde. In seiner Schrift Masculinities greift Connell auf Interviews zurück, die er (oder: sie, Connell lebt heute als Frau) nicht dokumentiert und die er mit Methoden auswertet, die er nicht erläutert. Trotz – oder eher: gerade wegen – des unwissenschaftlichen Vorgehens ist seine Begrifflichkeit bis heute nützlich für Menschen, die an der Vorstellung einer umfassenden Männerherrschaft auch dann festhalten wollen, wenn eigentlich sehr viele empirische Daten dagegen sprechen.

Manche Ministerien haben von Männern etwas verzerrte Bilder.

Männer sind in der Darstellung des Ministeriums also mächtig, aber zugleich sind sie auch Defizitwesen. „Männliche Sozialisation“ bedeutet hier nach Böhnisch und Winter (1991) zu lernen gewalttätig zu sein, andere beherrschen und kontrollieren zu wollen – keinen Bezug zum eigenen Körper und zu eigenen Empfindungen zu haben – unkommunikativ zu sein und alles allein zu erledigen. Selbst der Begriff „Rationalität“ steht im Dossier nicht für etwas Positives, sondern dafür, dass es männlich wäre, „Gefühle abzuwehren und abzuwerten“ (LF, 11)

Christoph Kucklick hat in seiner – hier natürlich nicht zitierten – wichtigen Schrift Das unmoralische Geschlecht gezeigt, dass diese Beschreibung des Mannes als Defizitwesen schon einige Jahrhunderte alt ist: Es hat Tradition, dass wir uns unsere Schwierigkeiten mit der Modernisierung greifbar machen, indem wir sie auf Männlichkeit projizieren.

Diese klischeehaften Abwertung des Männlichen idealisiert natürlich zugleich unterschwellig Weiblichkeit. Sie steht dann im Kontrast als sozial, friedlich, emotional kompetent und kommunikativ da – während die Autoren für Männer ausdrücklich den Begriff „toxische Männlichkeit“ verwenden (LF, 9), als würden Männer ein Gift in einer ansonsten gesunden Gesellschaft sein.

Ein wenig irritierend ist es allerdings schon, dass ein Bundesministerium über die Hälfte der Bevölkerung so ressentimentgeladen daherredet wie die AfD über Ausländer: Diese Leute würden überall bevorzugt, ohne dass sie etwas dafür tun müssten – andere ehrlich arbeitende Menschen würden dafür benachteiligt – sie wären gewalttätig und unzivilisiert und könnten sich nichtmal richtig verständigen.

Dass die Autoren solche Klischees bedenkenlos in einem Dossier der Bundesregierung veröffentlichen können, wird durch eine einfache Projektion möglich. Sie nehmen diese Klischees nicht als ihre eigenen Vorurteile wahr, sondern fantasieren sie als Vorurteile der Gesellschaft, die sie lediglich darstellen würden. Die „heutige Situation in Deutschland“ sei nämlich geprägt von einer „paradoxen Gleichzeitigkeit von Persistenz und Wandel“ (LF, 9).

Manches ändert sich, manches bleibt gleich: Das ist nun überhaupt nicht paradox, sondern banal. Paradox ist allerdings eine Politik, die sich nun schon seit Jahrzehnten den gesellschaftlichen Veränderungen entgegenstemmt und die sich dabei selbst als modernen und progressiven Motor des Fortschritts verkauft.

Denn außerhalb der politischen Institutionen, insbesondere außerhalb des Familienministeriums, ändern sich die Spielräume von Männern und Frauen schon seit Jahrzehnten, und an diesem Prozess sind Männer nicht weniger beteiligt als Frauen. Schon in der Popkultur der Fünfziger Jahre finden wir differenziertere Auseinandersetzungen mit Männlichkeit und Väterlichkeit als im Dossier zur Gleichstellung von Jungen und Männern des Jahres 2020.

 

Brauchen Kinder Väter? Braucht die SPD Diskussionen?

„Männer bleiben erwerbsfokussiert und nehmen sich weniger Zeit für die Kinderbetreuung und die Hausarbeit als Mütter.“ (LF, 40) Im Verlauf des Dossiers wird diese Feststellung etwas relativiert, die Autoren stellen klar, dass viele Väter ihre Kinder gern häufiger betreuen würden, als sie es heute tun (LF, 50). Die Gründe aber bleiben diffus, und die Autoren appellieren wie in einem Eheratgeber der 50er Jahre vor allem an die Partnerin des Mannes, sie sollte „Wertschätzung für väterliche Leistungen zum Ausdruck“ bringen oder „die väterliche Kompetenzentwicklung mit ihrem eigenen Schritt halten“ lassen, was immer damit gemeint sein mag (LF, 51).

Nur am Rande wird klar, dass Männer natürlich nur dann mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können, wenn Frauen mehr Verantwortung für die Erwerbsarbeit übernehmen. Die seit Jahrzehnten umkämpfte zentrale Bedeutung des rechtlichen Rahmens für Familien wird sogar überhaupt nicht erwähnt.

Noch immer haben Väter zu ihren Kindern rechtlich keine direkte Beziehung, noch immer wird die Vater-Kind-Beziehung über die Beziehung des Vaters zur Mutter vermittelt: Nur wenn beide geheiratet haben, oder wenn sie ausdrücklich zustimmt, hat er ein Recht zur elterlichen Sorge.

Dass Gerichte mittlerweile diese mütterliche Zustimmung ersetzen können, ist dem Europäischen Gerichtshof und dem Verfassungsgericht zu verdanken: Die deutsche Politik ist in dieser Frage so betoniert, dass sie nach jahrzehntelanger Bewegungslosigkeit von der juristischen Ebene aus zu kleinen Veränderungen gezwungen werden musste.

Anstatt also die eigene Verantwortung herauszustellen, richtet das Ministerium einen diffusen Appell an die Gesellschaft – die aber schon seit Jahrzehnten weiter ist als die politischen Institutionen selbst.

Wer Vätern das Recht zur Sorge für ihre Kinder vorenthält oder es ihnen erst dann gibt, wenn sie dafür vor Gericht gegangen sind – der signalisiert nun einmal, dass väterliche Verantwortung nicht erwünscht oder gar als störend empfunden wird. Wie erheblich die regierungsamtlichen Ressentiments gegen Väter sind, zeigt gerade die SPD-Justizministerin Lambrecht: Sie legt einen Gesetzesentwurf vor, nach dem eine lesbische Partnerin der Mutter rechtlich als weitere Mutter geführt werden soll, womit dann für eine Vater-Kind-Beziehung kein juristischer Spielraum mehr bliebe.

Das zeigt nebenbei auch, wie falsch der konservative Vorwurf ist, Gleichstellungspolitik würde eine – gar „sozialistische“ – Gleichmacherei betreiben. Tatsächlich reproduziert diese Politik beständig eben die Geschlechterklischees, die abzubauen sie vorgibt.

In der SPD aber ist darüber schon lange keine Diskussion mehr möglich: In dieser sterbenskranken Partei gibt es schon viel zu lange viel zu viele Menschen, die zuverlässig im falschen Moment die Klappe halten.

 

Brauchen die Schulen eigentlich Jungen?

Das Festhalten an Geschlechterklischees wird im Dossier auch bei einem weiteren dringenden Thema deutlich, nämlich bei den schulischen Nachteilen von Jungen – für die Giffey als Jugendministerin eine direkte Verantwortung trägt.

Die geschlechtsspezifischen Nachteile räumen die Autoren durchaus ein: Es gäbe deutlich weniger männliche Hochschulabgänger, aber deutlich mehr Jungen mit Hauptschulabschlüssen. Im Bezug auf den höchsten formellen Bildungsabschluss sei der Unterschied „größer als der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund“ (LF, 20).

Die Unterschiede sind sogar noch deutlicher als im Dossier skizziert. Seit Jahrzehnten machen konstant etwa zehn Prozent mehr Mädchen als Jungen in Deutschland Abitur, aber fast doppelt so viele Jungen wie Mädchen bleiben ganz ohne Schulabschluss. Da soziale, ökonomische oder familiäre Hintergründe sich nicht unterscheiden, können wir davon ausgehen, dass diese erheblichen und bemerkenswert stabilen Unterschiede tatsächlich ganz durch die Geschlechtszugehörigkeit der Kinder und Jugendlichen bedingt sind.

Statt diesen Zusammenhang aber zu erklären, verwischen ihn die Autoren. „Bei differenzierterer Betrachtung“ handle es sich bei den männlichen Bildungsverlierern „um Jungen aus bildungsfernen und benachteiligten Schichten“, in denen „Jungen mit Migrationshintergrund und/oder traditionellen Männlichkeitsvorstellungen überrepräsentiert“ wären (LF, 21).

Nun ist es ja nicht überraschend, dass Jungen mit akademischen Hintergründen größere Ressourcen als andere Jungen haben, um geschlechterbedingte Nachteile zu kompensieren – das spricht nicht dagegen, dass es diese Nachteile gibt. Der diffuse Hinweis auf die „traditionellen Männlichkeitsvorstellungen“ wiederum lenkt den Blick von den Bedingungen der Institution Schule weg und auf die Jungen selbst.

Mädchen würden im Vergleich zu Jungen „lieber kooperations- als konkurrenzorientiert“ arbeiten (LF, 22), von erfolglosen Jungen würde „schulischer Fleiß und Erfolg als uncool und unmännlich umgedeutet werden“ (LF, 21): Nicht die Schule, das Kind ist hier das Problem – weil es Männlichkeitsvorstellungen anhinge, von denen die moderne Schule sich irgendwie schon lange verabschiedet habe.

Gegen die These, dass das Verschwinden von Männern aus den Kollegien etwas mit den Problemen der Jungen zu tun haben könnte, zitieren die Autoren einen Text der Hamburger Professorin Hannelore Faulstich-Wieland aus Andreas Hadjars Band „Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten“ (LF, 23). Dass eben dieser Band auch einen Text von Heike Diefenbach enthält, die einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden der Männer aus den Schulen und dem Bildungsmisserfolg von Jungen nachweist, bleibt unerwähnt.

Ausriss aus der Präsentation zu einem Vortrag von Hannelore Faulstich-Wieland, die Überlegungen zu den Folgen des Verschwindens der Männer aus den Schulen als „Rollback“ gegen feministische Politik beschreibt. Das Verschwinden männlicher Vorbilder erscheint in dieser Bebilderung als Prozess der Zivilisierung.

Stattdessen wird der Flensburger Professor Jürgen Budde interviewt, der ungerührt verkündet, es sei „eigentlich erstaunlich, dass die These von den Jungen als Bildungsverlierern seit rund 20 Jahren immer wieder aufgegriffen wird“ (LF, 28). Derselbe Budde hatte noch vor zehn Jahren nachgewiesen, dass Jungen bei gleichen Leistungen schlechtere Noten erhalten als Mädchen und seltener für das Gymnasium empfohlen werden (Arne Hoffmann: Plädoyer für eine linke Männerpolitik, 2014, S. 121).

Nun stellt er in einem erschütternd inhaltsleeren Interview eine „widersprüchliche Gleichzeitigkeit“ fest, in der Männlichkeit an den Schulen beständig hergestellt werde, aber in einigen Situationen auch keine Rolle spiele. Manchmal verhalten sich Jungen also so, wie Herr Budde sich einen typischen Jungen vorstellt, manchmal aber auch anders: Wer hätte das gedacht? Aber schön, dass das einmal erforscht werden konnte.

 

Gibt es eigentlich toxische Opfer?

Auch hier lenkt also die Rede von Männlichkeitsvorstellungen ab von einer Analyse sozialer Bedingungen. Das gilt auch für die durchaus differenzierte Auseinandersetzung des Dossiers mit männlichen Gewalterfahrungen. In der Langfassung stellen die Autoren klar, dass es bei Schutzeinrichtungen für Männer „Nachholbedarf“ gibt, fügen allerdings eilig hinzu, dass es den „bei den Einrichtungen für Frauen und Mädchen auch“ gäbe (LF, 83).

Obwohl jedoch „fast zwei Drittel aller Gewaltopfer männlich“ sind (LF, 84), gibt es fast keine Gewaltschutzeinrichtungen für Männer. Die Kurzfassung des Dossiers stellt dazu ungerührt fest, dass männliche Gewalterfahrungen „besonders sorgfältig“ zu thematisieren wären „– auch um zu verhindern, dass dies als Relativierung der Gewalterfahrungen von Frauen wahrgenommen wird.“ (KF, 11)

Mit derselben Argumentation war bei den Grünen schon vor Jahrzehnten verhindert worden, die sexuelle Gewalt gegen Jungen im Umfeld der Partei offen zu thematisieren: Damit würden nämlich „wieder (…) die Jungen/Männer in den Vordergrund“ rücken. Würden rechte Politiker ähnlich fordern, dass die Opfererfahrungen von Ausländern nur „besonders vorsichtig“ thematisiert werden sollten, um die Opfererfahrungen von Deutschen nicht zu relativieren – dann würden wir die Ressentiments und das Hierarchiedenken hinter dieser Forderung wohl kaum übersehen.

Selbst die Thematisierung männlicher Gewalterfahrungen ist so noch von abwertenden Klischees geprägt. Männern wird durchaus zugestanden, selbst Opfer toxischer Männlichkeiten zu sein – aber die Fantasien selbst, die Männlichkeit mit Gift und Toxizität in Verbindung bringen, werden nicht in Frage gestellt.

An keiner Stelle wird beispielsweise deutlich, dass die sehr viel größere Beteiligung von Männern an der Erwerbsarbeit keineswegs toxisch ist, sondern überhaupt erst die Ressourcen produziert, mit denen andere – auch Ministerien – agieren können. Als Opfer können Männer in diesem Dossier gerade noch vorkommen, solange sie dadurch nicht um die institutionellen Leistungen für Frauen konkurrieren. Aber in keiner Passage des Textes wird Männlichkeit positiv konnotiert: Sie erscheint grundsätzlich als problematisch und veränderungsbedürftig.

Das ist eine Politik des Ressentiments, die immer wieder ähnliche Muster entfaltet – ob sie nun auf ethnische und rassistische Ressentiments oder auf Geschlechterressentiments zurückgreift. Der Begriff „toxische Männlichkeit“, der im Dossier ganz selbstverständlich verwendet wird (LF, 9), ist ein idealtypisches Beispiel für eine Ressentimentklammer, die von scheinzivilen Positionen bis hin zu offener Menschenfeindlichkeit reicht: Er kann harmlos für Männlichkeitskonzepte stehen, an denen auch Männer leiden würden, aber ebenso für Männer selbst benutzt werden, die dann insgesamt als Gift im Körper der Gesellschaft erscheinen.

Die Ministerinnen Giffey und Lambrecht sind Beispiele dafür, dass sich Geschlechterressentiments in der SPD nicht nur über Jahrzehnte hinweg gehalten haben, sondern auch längst institutionalisiert sind. Im Vorwort  des Dossiers wünscht uns Giffey gleichwohl eine „erkenntnisreiche Lektüre“ sowie eine „moderne Gesellschaft, in der Partnerschaftlichkeit nicht nur ein Wort ist, sondern aktiv gelebt wird“ (LF, 3).

Das ist ungefähr so komisch, als wenn sich ein SUV-Hersteller aus Imagegründen für die fahrradfreundliche Stadt aussprechen würde. Trotzdem stehen die Chancen für Partnerschaftlichkeit gesellschaftlich nach meiner Einschätzung gar nicht so schlecht: Giffeys Ministerium darf sich nur eben nicht mit der Vorstellung durchsetzen, dass Partnerschaften dann am besten klappen, wenn der Partner einfach seine Klappe hält.

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49 Comments

  • Schamlos und offiziell betreibt die Bundesregierung mit diesem Dossier pauschales Männer- und Jungenbashing. An vielen Stellen steht dort teilweise explizit, wie moralisch geringwertig Menschen sind, die männlich auf die Welt gekommen sind. Wie toxisch, wie gefährlich – und wie sie überwiegend selbst daran schuld seien. Sogar der Begriff „Erbschuld“ wird aufgegriffen, wenn auch negiert.

    Ich frage mich, wie weit unsere Welt noch gehen kann in der Abwertung des Männlichen, ohne dass wenigstens mal ein laues Lüftchen als Gegenwind aufkommt.

    Wie kann man nach der Analyse dieses gesellschaftsspalterischen Dossiers, das geradezu vor Verachtung von Männern und Jungen trieft, zu folgendem Schluss kommen:

    „Trotzdem stehen die Chancen für Partnerschaftlichkeit gesellschaftlich nach meiner Einschätzung gar nicht so schlecht.“

    Das verstehe ich nicht.

    • Ich denke, Lucas Schoppe meint, dass viele (normale) Menschen, eben auch viele Frauen dem Pfad der Geschlechter-Apartheid nicht folgen, sondern ein echt partnerschaftliches, ein echt gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Männern und Frauen anstreben, vielleicht sogar tatsächlich leben.

      Ich sehe dafür empirisch keine Belege – aber ich denke auch, Lukas Schoppe wollte eben einen etwas versöhnlichen, ein wenig hoffnungsvollen Ausklang für seinen kritischen Artikel finden. Ja sicher, die Hoffnung stirbt zuletzt.

      Ich denke für dieses partnerschaftliche, gleichberechtigte Verhältnis gibt es noch ganz andere Hindernisse als den Staatsfeminismus. Z. B. den zunehmenden Narzissmus in unserer Gesellschaft, dem insbes. viele Frauen verfallen sind. Ich meine das gar nicht mal so kritisch: die Leute benehmen sich halt so, wie sie von ihrer Umwelt geformt worden sind. Im Extremfall: eine Greta T. benimmt sich halt so-und-so, nicht nur weil sie psychisch gestört ist, sondern auch weil sie über Jahre hinweg von anderen Leuten (vor allem von Erwachsenen) ein völlig falsches Feedback erhalten hat. Da kann ich ihr eigentlich keinen Vorwurf daraus machen, wenn sie in der Öffentlichkeit durchdreht. Allgemein: viele Kinder benehmen sich so irre, weil sie von Erwachsenen – vor allem von ihren eigenen Eltern – unsachgemäß behandelt werden. Wenn wundert’s.

      Nun die Frage: wie soll es bei diesem zunehmenden Narzissmus, gepaart mit weiblicher Hypergamie, zu einem partnerschaftlichen, gleichberechtigten Verhältnis zwischen Männern und Frauen kommen? Keine Ahnung.

      Ich weiß nur einen ratlosen Rat: eine schwere wirtschaftliche Not, welche die Menschen wieder zusammenführt. Aber man sollte schon ehrlich sein: Wenn die Not die Menschen tatsächlich zusammenführen sollte – das ist ja erst mal nur eine Hypothese von mir -, dann wäre die Konsequenz, dass früher, z. B. Anfang des 20. Jahrhunderts, das weit bessere Verhältnis zwischen Männern und Frauen eben zu einem Großteil einfach darauf zurückzuführen ist, dass Frauen es damals eben bitter nötig hatten, sich mit Männern gut zu stellen. Tolle Harmonie. Da wollen wir Männer heute wieder hin.

      • @Jochen

        „Allgemein: viele Kinder benehmen sich so irre, weil sie von Erwachsenen – vor allem von ihren eigenen Eltern – unsachgemäß behandelt werden. Wenn wundert’s.“

        Ich bin ja auch ein großer Freund und Verfechter der Milde. Aber ab einem gewissen Grad der ausufernden Aggression gegenüber anderen Menschen sollte man die Aggressoren auch als Täter sehen und benennen. Und dann setzt genau der erzieherische Aspekt ein, tragischerweise ähnlich wie bei einem Kampfhund, der „ja nur spielen wollte“ und dann in seiner Spielwut Menschen zerfetzt.

        Das Argument, die könnten im Grunde eigentlich nichts dafür, lasse ich weder bei einem Bundesministerium, noch bei weiblichen öffentlichen Schlüsselfiguren gelten.

        Inzwischen sind wir in einer Zeit angekommen, in der Männer und vor allem Väter um Gleichberechtigung kämpfen müssten. Da muss man das Gegenüber auch für voll nehmen dürfen, zumal es sich gesellschaftlich dominierend mit unendlichen Ressourcen versorgt hat.

        Außerdem müsste es sogar im Sinne der Feministen sein, dass Frauenpolitik wirklich ernst genommen wird.

        Im Übrigen halte ich die Legende für falsch, dass Anfang des 20. Jahrhunderts vorwiegend die Frauen von den Männern abhängig waren und sich gut stellen mussten. Paare waren immer eine Ergänzung, nicht nur auf dem Land, selbst wenn der Mann 48 Stunden am Fließband stand. Dass sie inzwischen staatlich gefördert konkurrieren, ist ein neuartiges Wohlstandsphänomen, das letztlich allen Menschen schadet, sie vereinsamen lässt und Kindern eine Familie vorenthält.

        Um es mal patriarchalisch zu formulieren: Irgendwann muss einer auf den Tisch hauen, damit die Menschen letztlich wieder zusammenfinden können. Wer sollte das sein?

    • @ Beweis „Wie kann man nach der Analyse dieses gesellschaftsspalterischen Dossiers, das geradezu vor Verachtung von Männern und Jungen trieft, zu folgendem Schluss kommen:
      ‚Trotzdem stehen die Chancen für Partnerschaftlichkeit gesellschaftlich nach meiner Einschätzung gar nicht so schlecht.‘
      Das verstehe ich nicht.“

      Jochen hat völlig recht, die empirischen Belege dafür bin ich schuldig geblieben. Aber mir war das im Text mehrfach wichtig: Es gibt längst, in der alltäglichen Lebenswelt, im Beruf, in der Populärkultur, Veränderungen von Geschlechterbildern. Wenn wir sehen, wie sich schon in den 50ern Elvis als Sexobjekt inszenierte – James Dean oder Montgomery Clift als hypersensible, fragile Männer – Buddy Holly als unmännlicher Junge – Little Richard auch schon mal Frauenkleidung trug – usw. – dann sind das ein paar kleine Beispiele dafür, wie viel schon vor siebzig Jahren im Hinblick auf „Männlichkeit“ in Bewegung geraten war.

      Die Fantasie ist abstrus und arrogant, gesellschaftlich wären eigentlich nur Vorstellungen vom Mann als harten Kerl verbreitet – wenn nicht feministische Interventionen dazwischengrätschen und Männer zu Menschen erziehen würden.

      Das betrifft aber nicht allein Männer, sondern auch die Kooperation zwischen Frauen und Männern. Obwohl ich in einem rotgrüngeprägten Umfeld arbeite, kenne ich so gut wie keine Frauen, die im beruflichen Umfeld einen Geschlechterkampf anstrengen. Ich habe im privaten Bereich als Vater erhebliche Grausamkeiten erlebt, aber das eigentlich immer dann, wenn sich Institutionen – wie z.B. der Alleinerziehendenverband – eingeschaltet haben. Daneben habe ich nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen Unterstützung erlebt.

      Natürlich sind das persönliche Erfahrungen, aber ich kann mir kaum denken, dass die sich von den Erfahrungen der meisten anderen radikal unterscheiden. Mir geht es also um die These, dass wir gesellschaftlich längst bei einer zivilen, flexiblen, tragfähigen (wenn auch im Hinblick auf die Arbeitsteilung durchaus verbesserungsfähigen) Kooperation zwischen Männern und Frauen angekommen sind – und dass es insbesondere politische Institutionen sind, die dabei destruktiv dazwischengehen.

      Die Perfidie ist z.B. erstaunlich, mit der Lambrecht manövriert, um Väter aus ihrer Vaterschaft heraushalten zu können. Ihre Pläne hat sie meines Wissens an Pressevertreter und auch an Mütterverbände weiter gegeben, aber Vertreter der hauptsächlich betroffenen Väter hat sie auflaufen lassen. Die kamen an den Gesetzesvorschlag gar nicht heran. Dabei geht es darin eben darum, dass die rechtliche Beziehung eines Vaters zu seinem Kind völlig verschwindet, ja gar nicht erst besteht – wenn eine lesbische Partnerin der Mutter als weitere Mutter eingetragen ist.

      Im Feld der Politik erscheinen halt Verhaltensweisen manchmal als ganz normal, die uns außerhalb davon gestört und soziopathisch vorkämen – von dem Widerspruch lebt ja z.B. die ganze Serie „House of Cards“. Mir geht es hier aber um einen anderen Aspekt:

      Das Ministerium hat das Selbstbild, eine moderne, progressive Institution zu sein, die in einer von männlichen Machtstrukturen rundum geprägten Gesellschaft Humanisierungsimpulse setzt und sich auf die Seite der Schwächeren stellt. Dieses Selbstbild ist unplausibel, schon allein deshalb, weil es überhaupt nicht zu erklären wäre, warum sich in einer rundum patriarchalen Gesellschaft ausgerechnet die mächtigsten politischen Institutionen zuverlässig GEGEN das „Patriarchat“ stellen sollten.

      Viel plausibler ist es, davon auszugehen, dass Institutionen grundsätzlich ein Interesse der Selbsterhaltung haben. Je mehr aber gesellschaftlich die Möglichkeiten der zivilen Selbststeuerung ausgeweitet und stabilisiert werden, desto schwerer ist ein solch vielmillionenteures Frauen- und Familienministerium zu legitimieren.

      Wer seine eigene Position dadurch legitimiert, dass er (bestimmten) Menschen hilft – der hat ein großes Interesse daran, dass sie weiter hilflos erscheinen. Wer sich dadurch legitimiert, dass er Konflikte anderer bearbeitet – der hat ein Interesse daran, dass diese Menschen ihre Konflikte nicht selbst lösen.

      Sicherlich können sehr viele Trennungsväter bestätigen, dass die Konflikte, unter denen ihre Kinder und sie leiden, ganz wesentlich aus den Institutionen in die Elternbeziehungen hineingetragen werden. Und darum geht es mir in der eingangs zitierten Passage:

      Institutionen wie das Familienministerium sind selbst das Problem, dessen Lösung zu sein sie vorgeben. Sie brauchen zu ihrer Legitimation das Bild einer Gesellschaft, die habituell irgendwie in der Steinzeit zurückgeblieben ist. Tatsächlich ist diese Gesellschaft aber längst schon sehr viel weiter, als die Institution es ist (oder jemals sein wird).

      • @Lucas Schoppe

        Klar gibt es nicht das komplett einheitliche Männer- oder Frauenbild. Und es gibt in der Tat wirklich viele Frauen, die sich von einem pauschal männlichkeitsverachtenden Mainstream distanzieren. Die müssen sich oft rechtfertigen. Sogar öfter als junge Männer, die mit „I’m a feminist“-T-Shirts rumlaufen, sich Eyeliner auftragen und überparfümieren.

        Aber es gibt einen gesellschaftlichen und politischen Duktus, der umso länger und intensiver er kolportiert wird, immer mehr Einfluss auf die Denkstrukturen des Individuums nimmt. Deswegen hat das verbale Penetrieren von negativen Aspekten eines Geschlechts auch auf die Einfluss, die eigentlich nichts gegen Männer haben.

        Das erlebe ich häufig im Dialog mit explizit nicht feministischen Frauen, die in fast jeden Geschlechteraspekt eine angeblich frauendiskriminierenden Ansicht einbauen. Sie empfinden das gar nicht männerverachtend, übernehmen aber letztlich die Klischees und Stereotypen. Es klingt immer albern und nach Aluhut, aber das hat über die Jahrzehnte schon etwas von einer Hirnwäsche.

        Und dieser niederschwellige Grundkonsens, dass Männliches überwiegend, wenn auch nicht immer unbedingt, böse sei, das Weibliche hingegen zart, unterdrückt und moralisch wertiger, schafft erst den Nährboden dafür, dass ein Ministerium als Regierungshandeln eine solche spalterische Schrift schaffen kann.

        Wenn also Botschaften wie in diesem Dossier maßgeblichen Einfluss auf das politisch-gesellschaftliche Handeln sogar jenseits von Parteigrenzen und öffentlichen Institutionen nimmt, wenn also solche Botschaften Kindern in der 10. Klasse auf den Weg gegeben werden, dann sehe ich wirklich eine große Gefahr auf der individuellen Ebene, dass ergänzende und wohlwollende menschliche Partnerschaften und Familien immer seltener werden.

        Ich würde auch am Ende solcher Kommentare gerne eine wohlwollende und relativierende Hand austrecken – aber die will nicht.

  • Juhu, es gibt ihn noch! 😀

    Man hat sich ja schon fast gesorgt, als längere Zeit nichts bei man tau erschien und man auch in Foren wie auf AE so rein gar nichts mehr von dir gelesen hat, Lucas.

    „Aber in keiner Passage des Textes wird Männlichkeit positiv konnotiert: Sie erscheint grundsätzlich als problematisch und veränderungsbedürftig.“

    Ein dauerhaftes Problem in unserer Gesellschaft, welches sich durch Politik, Institutionen und Medien befeuert zunehmend verschlimmert. Ich finde diesbezüglich auch das Bild im Artikel sehr vielsagend, welches laut Unterschrift ein Auszug aus einer Präsentation zeigt. Dort sieht man als Beispiel für Sportler als männliche Vorbilder zwei Fußballer im Kopfballduell, was natürlich so im Standbild auch herrlich martialisch wirkt. Aber warum reduziert man männliche Vorbilder auf solch einen winzigen Teilaspekt? Warum zeigt man dieselben beiden Fußballer nicht Sekunden nach dem Abpfiff? Warum zeigt man nicht Bilder deutscher Spieler, die Sekunden nach dem Abpfiff, der ihnen den Einzug ins WM-Finale und ihren Gegnern, den brasilianischen WM-Gastgebern, die schlimmste Niederlage aller Zeiten eingebracht hatte, die sich, statt unmittelbar in Jubel auszubrechen, sofort zu ihren Gegenspielern begaben und versuchten, denen Trost zu spenden? Oder nur zwei Jahre zuvor, als nach der nicht ganz unerwarteten Niederlage der Holländer im zweiten Vorrundenspiel der EM 2012 gegen Deutschland deren Ausscheiden schon fast sicher schien und da nach Abpfiff der Deutsche Bastian Schweinsteiger in seinen Armen den Holländer Marc van Bommel hielt, welcher, offensichtlich ziemlich aufgelöst, sein Gesicht in Schweinsteigers Schulter vergrub? Und diese Bilder wohlgemerkt nach einem Duell zwischen zwei Fußballnationen, die historisch eine gewisse, wenn auch im Verlaufe der 90er und 2000er Jahre deutlich abgekühlte Rivalität miteinander haben. Sind das keine männlichen Sportler? Ist das kein Verhalten welches man Kindern – und weiß Gott nicht nur männlichen – sehr gut als Vorbild vorsetzen kann?

    Das ist für mich ein Musterbeispiel dafür, wie einfach durch äußerst einseitiges fokussieren von Teilaspekten ein Bild erzeugt wird, welches mit der Realität nichts zu tun hat. Männlichkeit ist nicht nur Konkurrenz und Wettkampf. Männlichkeit ist auch die Fähigkeit zur Fairness und zum Mitgefühl mit Gegnern oder gar – im Krieg – mit Feinden. Männlichkeit ist nicht nur Kraft und Aggression. Männlichkeit ist auch das Bewusstsein der Verantwortung, die mit diesen biologisch geprägten Eigenschaften einhergehen.

    Wer, wie es gerade von feministisch sozialisierten Politikerinnen und „Intellektuellen“ gerne getan wird, immer nur die Dinge herausgreift, die beständig die eigenen Vorurteile „bestätigen“ der bedient damit faktisch wirklich nichts anderes als ein Narrativ, auch wenn du, Lucas, den Begriff nicht besonders magst. Ich finde, diesbezüglich passt er einfach. Denn dieses radikale Ausblenden aller Dinge, die nicht in das hochgradig ressentimentbehaftete Bild von Männlichkeit passen, kann nicht nur rein zufällig geschehen. Das geschieht offenkundig zielgerichtet mit der Absicht, eine „Realität“ zu entwerfen, die mit der Lebenswirklichkeit so ziemlich aller Menschen eigentlich nicht in Einklang zu bringen ist.

    Und diese feindselige Realitätserschaffung führt wiederum zu der entmenschlichenden Empathieverweigerung Männern und sogar – wie deine Beispiele aus dem Dossier zum Schulmisserfolg der Jungen zeigen – männlichen Kindern gegenüber. Wer sich sein Gegenüber stets durch radikal gefilterte Wahrnehmung als mindestens latent niederträchtiges Mängelwesen zurechtzimmert, dem fällt es dann auch wesentlich leichter, diese Wesen eben aufgrund ihrer Mängel und ihrer Niedertracht als immerzu selbst verantwortlich für jedes Unbill, welches ihnen widerfährt, zu betrachten ohne dabei auch nur das geringste schlechte Gewissen oder gar Selbstzweifel zu bekommen.

    • Toller Kommentar. Das Fußball-Beispiel ist wirklich treffend.

      „Männlichkeit ist auch die Fähigkeit zur Fairness und zum Mitgefühl mit Gegnern oder gar – im Krieg – mit Feinden.“

      Warum ist wirklich nichts im Dossier zu lesen, das Männlichkeit in einen halbwegs positiven Kontext setzt? Warum fehlen eigentlich den Autoren des Dossiers komplett Fairness und Mitgefühl?

      Das ist entlarvend. So kann der Gender-War doch nicht weitergehen und weiter eskalieren.

      • Das ist entlarvend. So kann der Gender-War doch nicht weitergehen und weiter eskalieren.

        Ich fürchte doch. Bis die Zeiten wieder härter werden. Dann werden sich Frauen auf ihre traditionelle Rolle als Beschützte besinnen und die Männer werden mitspielen.

    • „Man hat sich ja schon fast gesorgt, als längere Zeit nichts bei man tau erschien und man auch in Foren wie auf AE so rein gar nichts mehr von dir gelesen hat, Lucas.“ Vielen Dank an Dich und andere, die sich hier positiv dazu äußern, dass ich mal wieder einen Beitrag geschrieben habe. Das freut mich sehr!

      Für die Pause hatte ich zwei Gründe, von denen einer einfach die berufliche Situation ist. Schule in der Corona-Zeit ist deutlich anstrengender, als ich gedacht hätte, und ich bin tatsächlich jeden Abend richtig erledigt. Ich will nicht klagen, Lehrer sind natürlich in einer sehr viel besseren Situation als Selbstständige, die um ihre Existenz fürchten müssen, oder als Kurzarbeiter. Es ist nur eine Erklärung – immer, wenn ich mich an einen Text gesetzt hatte, fielen mir bald die Augen zu. Und ich schreibe einfach meistens abends oder im Zug (aber da hab ich auch viel geschlafen).

      Der zweite Grund war, dass ich tatsächlich am Überlegen war, ob es eigentlich einen Sinn hat, regelmäßig etwas zu schreiben. Es sind in Massenmedien in den letzten Wochen einige Beiträge erschienen, die ich wirklich ernüchternd und destruktiv fand, und ich hatte überlegt, ob es nicht eigentlich gesünder ist, sich davon einfach fernzuhalten und sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Ich habe ein ziemlich reichhaltiges Offline-Leben, das ich oft deutlich konstruktiver finde als massenmediale politische Debatten oder gar die durchgeknallten Konflikte auf Twitter. Aber dazu äußere ich mich nochmal.

      Billy, ich finde Dein Kommentar geht nochmal auf eigene Weise auf einige Punkte ein, die ich selbst im Text nicht erwähnt habe. Wie wäre es, ihn als eigenen Artikel zu veröffentlichen? Am Freitag würde ich dazu kommen.

      • „Wie wäre es, ihn als eigenen Artikel zu veröffentlichen? Am Freitag würde ich dazu kommen.“

        Klar, ich bin da immer für alles offen.

        „Der zweite Grund war, dass ich tatsächlich am Überlegen war, ob es eigentlich einen Sinn hat, regelmäßig etwas zu schreiben…“

        Diese Option hatte ich auch sogar schon als einen möglichen Grund für die zuletzt auffällige Stille deinerseits in Betracht gezogen. Und ich finde das mehr als verständlich, wenn man mal betrachtet, wie viel Arbeit offenkundig in jeden einzelnen Artikel hier in deinem Blog fließt, während in den ungleich reichweitenstärkeren „Qualitätsmedien“ in Endlosschleife und ohne jede erkennbare eigene Schaffenshöhe immer wieder nur dasselbe intellektuelle Junkfood aufgetischt und damit ein viel zu großer Teil der Bevölkerung auf „politisch korrekter“ Linie gehalten wird.

        Dafür bewundere ich auch Arne. Wie der Mann seit mehr als zwei Jahrzehnten immense private Zeit dafür aufwendet, um auf die Probleme von Männern in unserer Gesellschaft hinzuweisen und sich dabei nach wie vor an, im Vergleich zum Feminismus, winzigen Fortschritten freuen zu müssen, wie wenn zwischen Dutzenden von klar feministisch eingefärbten Beiträgen mal auch was in Mainstreammedien kommt, was eine Sache auch mal wenigstens neutral, die männliche Sichtweise nicht von vornherein rundweg ignorierend darstellt.

        Ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle nicht schon vor Ewigkeiten die Flinte ins Korn geworfen hätte.

        Ohne dich damit unter Druck setzen zu wollen, möchte ich aber anmerken, dass ich ein vollkommenes Sterben dieses Blogs als sehr schade empfände, weil es einfach ein hervorragender Gegenentwurf dazu ist, wenn mal wieder versucht wird, das gesamte Thema der Männerrechte auf das „Gelbe Forum“ oder irgendwelche randständigen Twitterdampfplauderer zu reduzieren.

        Aber so oder so absoluter Respekt vor dem, was du schon als Autor hier geleistet hast und ebenso vor jeder privaten Entscheidung. Am Ende sind wir alle doch nur Menschen, denen das wichtigste das eigene Leben ist. Und wenn man den Eindruck gewinnt, mit etwas in diesem Leben nicht mehr glücklich zu sein, dann ist es logisch konsequent, auch mal einen Strich zu ziehen.

      • „Der zweite Grund war, dass ich tatsächlich am Überlegen war, ob es eigentlich einen Sinn hat, regelmäßig etwas zu schreiben. Es sind in Massenmedien in den letzten Wochen einige Beiträge erschienen, die ich wirklich ernüchternd und destruktiv fand, und ich hatte überlegt, ob es nicht eigentlich gesünder ist, sich davon einfach fernzuhalten und sich nicht weiter damit zu beschäftigen.“

        Mit umgekehrtem Vorzeichen gab es fast das gleiche vor einigen Jahren auf der Gegenseite unter dem Schlagwort „feminist fatigue“: so eine Art Burn-out, weil trotz jahrelanger Bemühungen das Partiarchat immer noch überall regiert und man immer wieder erklären muß, wie schrecklich das GPG ist, obwohl man es schon 1000 Mal erklärt hat 😉 Ich hatte selber eine längere derartige Phase.

        Das ganze hat viel zu tun mit den aktuellen Debatten über die Cancel culture oder die „Meinungsunfreiheit“ (Titel des gerade veröffentlichten Buchs von Kubicki, dazu schreibe ich vielleicht noch was). Ursache des Burn-outs ist nämlich großenteils eine andauernde, sich immer mehr verschlimmernde asymmetrische Machtstruktur in den öffentlichen Debattenräumen, die sich am plakativsten im Gender-Stotterer von Will oder anderen feministischen Missionaren zeigen, die den ÖRR beherrschen.

  • Hinten auf S.106 wird als einziger Autor Markus Theunert angegeben. Wenn man diesen Autor beauftragt, über Männer zu schreiben, kommt so etwas ähnliches heraus, wie wenn man Björn Höcke beauftragen würde, ein Buch über Immigration und Ausländer zu schreiben.

    Ich habe auf Anhieb nicht erkennen können, ob weitere Personen an dem Text mitgewirkt haben. Es spricht jedenfalls Bände, wenn Frau Giffey bzw. das Ministerium für Fake-Statistiken und Feministische Justiz diesen (schweizer) [nichts gegen die Schweiz!!] Autor beauftragt, die Grundlagen und Richtlinien ihrer Geschlechterpolitik zu definieren.

  • Hi Lucas! Schön, dass du wieder da bist! 🙂

    Mann möge „Verantwortung für [die] ‚patriarchale Dividende‘ (keine Erbschuld) tragen“ scheitert bereits an der Definition von „Dividende“.
    Laut Wikipedia wird „Als Dividende (…) meist der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft (oder eine andere Kapitalgesellschaft) an ihre Aktionäre oder Anteilseigner ausschüttet, bezeichnet.“

    Seit Pi mal Daumen 40 Jahren hätte seitens des Feminismus Zeit bestanden, den „Gewinn“ in Form bspw. einer Dividendenrendite aus- und den beschuldigten Männern vorzurechnen.
    Dass diese Zahlen nicht existieren deutet darauf hin, die „patriarchale Dividende“ existiert ebenso wenig, wie eine daraus ableitbare „Erbschuld“.
    Kapitalismus mag eine Art von Religion sein, aber in Sachen Soll und Haben ist er ausgesprochen pingelig.
    Wer so dreist bilanziert, dem wird schon einmal eine Fälschung vorgeworfen.

    Aber das nur am Rande und zum versöhnlichen Abschluss:
    „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
    Dr. Franziska Giffey

  • „Jungen machen seltener Abitur, weil sie eben aus bildungsfernen Haushalten kommen, da kann man eben nichts machen … “

    Deutlicher kann man den Bankrott der SPD als ehemaligen Anwalt des Kleinen Mannes und seines berechtigten Anspruchs auf sozialen Aufstieg durch Leistung nicht in Worte fassen. Die SPD hat ihre Schuldigkeit getan, sie kann von mir aus verschwinden, je eher, desto besser.

    • Die SPD hat sich als Juniorpartner der Grünen positioniert und ist jetzt ratlos, weil sie genau das geworden sind – der Juniorpartner der Grünen. Gerade bezüglich Geschlechterpolitik hätte sich die SPD doch von den Grünen und deren Frauenpolitik mit einer ausgewogeneren Geschlechterpolitik absetzen können, was in ihrer (ehemaligen) Stammwählerschaft mit ziemlicher Sicherheit positiv aufgenommen worden wäre. Aber es fehlt der Mut und so geht es nur noch abwärts und nicht mehr vorwärts.

      • Treffende Analyse. Leider. Ich habe das Gefühl, auch die „Linke“ swingt sich bereits in den Groove von RRG ein und Geschlechter-/Frauenpolitik ist ideologisch unumstritten.

        Als ich von Martina Renner die „Merksätze“ las, es könne „keinen Sexismus gegen Männer“ usw. usf. geben, da diese ja „die Macht haben“, konnte man richtig miterleben, wie sich die Ideologie geschmeidig der künftigen Regierungsbeteiligung anpasst.

        Selbstverständlich war sie früher viel, viel, viel radikalerer links als ich; irgendwie komisch, wenn einen genau solche Kandidatinnen später rechts überholen.

        Dabei haben sie das alle nur abgeschrieben:

        Es kann keinen Antisemitismus gegen Joden geben.
        Denn Joden haben dä Macht!“
        A. Hilter

    • Ich hätte ohne das von Willy Brandt eingeführte Bafög wahrscheinlich nicht studieren können, komme aus einer Arbeiterfamilie und bin weit und breit der einzige von uns, der an der Uni studiert hat. Bafög war klassisch sozialdemokratische Politik, die darauf zielt, die Menschen in die Lage zu versetzen, sich selber zu helfen und aus eigener Kraft ihre Situation zu verbessern.

      Davon hat sich die SPD längst abgewandt, ähnlich wie die englische Labour-Party: https://www.theguardian.com/politics/2019/jun/08/jeremy-corbyn-to-drop-social-mobility-as-labour-goal

      Nicht mehr sozialer Aufstieg für alle bzw. für möglichst viele, sondern soziale Gerechtigkeit ist das Ziel, was immer das konkret bedeuten mag.

      Die Freiheit des Individuums spielt keine Rolle mehr, dafür moralische Ansprüche von durch Identität bestimmten Gruppen.

      Kein Wunder das die niemand mehr wählen will, dann doch lieber gleich die Grünen.

      • Es ist tragisch mit der SPD, ich bin ja auch mit ihr großgeworden und habe viele politische Bestrebungen gemocht und in mein politisches Wertesystem aufgenommen.

        Die SPD hat sich aber inzwischen zu der politischen Kraft gewandelt, die am stärksten darauf ausgerichtet ist, alles Männliche zu diskreditieren und zu überwinden. Selbst die LINKE oder die Grünen wirken dagegen aufgeschlossen gegenüber allen Bevölkerungsgruppen.

        Nach den letzten Vorgängen mit Giffey und Lambrecht ist schwer zu widerlegen, dass die Aufteilung der Menschen nach Geschlechtern in gut und böse zentrale politische Motivation ist.

        Sehr gut dargestellt finde ich diesen im Kern grundgesetzwidrigen politischen Ansatz auf der neuen Seite
        http://es-reicht.org

        Hier wird gut dargelegt, dass die SPD mit ihrer spalterischen Politik in hohem Maße auch Kindern und Familien schadet.

    • „umgefallener Männerrechtler“

      So genau kenne ich Theunert nicht, dazu habe ich auch die Schweiz zu wenig im Blick. Soweit ich es anhand seiner beiden Bücher (Männerpolitik (2012)(hier eine lesenswerte Rezension), Co-Feminismus (2014)) erkennen kann, war er schon vor Urzeiten feministischer Aktivist.

      Dieser Verein maenner.ch, in dem er aktuell „Für fachliche Fragen“ zuständig und offenbar schon ewig aktiv ist, hat eindeutig eine feministische Realitätswahrnehmung und sieht wie das schweizer Pendant zum Bundesforum Männer aus.

      Wenn ist er denn umgefallen? Falls er jemals nichtfeministisch war, muß das sehr lange her sein.

  • Ich meine, so lange die rechtlichen Voraussetzungen im Erziehungsbereich weiterhin statistisch Frauen bevorzugen ( Kindesunterhalt bei erweitertem Umgang, generell „Umgang“ und „Besuchselternteil“, Sorgerecht, nur ein Hauptwohnsitz für Kinder möglich, drückende ökonomische Bedingungen für die Rollenverteilung in Familien ), werden die aktuellen Gleichstellungsversuche als weitere Ungerechtigkeit empfunden.

    Wenn ich an einer Stelle Frauen fördere (z.B. Einkommen) und ihnen aber an anderer Stelle auch mehr Rechte gebe und Männer benachteilige (Betreuung von Kindern; Erschweren, Naturalunterhalt zu erbringen; einseitige Sorgeentscheidungen ermöglichen), führt das unweigerlich zu unnötigen Spannungen zwischen Männern und Frauen sowie Gesellschaft und Politik.
    Und diese Spannungen bekommen die Kinder indirekt zu spüren, zB durch einseitige Erziehung bis hin zu Trennung oder sogar Streit.
    Wenn die Politik das ignoriert, dann handelt sie nicht im Sinne des Kindeswohls.

  • Ich habe mich auch sehr gefreut, dass das hier weiter geht!

    Die Idee, Männer müssten die Probleme von Frauen lösen, ist selbst ein Geschlechterklischee.
    Also nicht „können“ oder „dürfen, wenn sie wollen“, sondern es bestehe eine moralische Pflicht.

    Oder, man stellt halt doch auf die Erbschuld ab, dann ist das wenigstens konsequent.

  • Ich habe auch nur mit Erschrecken festgestellt, das die SPD noch irgendwo in den tiefen des Schwarzer Feminismus feststeckt. So tief, das sie nur noch mit dem Haaransatz rausguckt. Es ist erschreckend, das hier Kinder einfach als dumm und faul abgestemplet werden, das ganze begründet mit bildungsfernen Schichten etc. pp. So weit entfernt ist das wirklich nicht von der AfD…

    • @ Kai Ich glaube, sie merken die Ähnlichkeiten nicht. Zumal im Text auch tatsächlich „Migrationshintergrund und/oder traditionelle(…) Männlichkeitsvorstellungen“ direkt nebeneinandergestellt werden – irgendwie um zu begründen, dass das Problem von Jungen in der Schule ja eigentlich gar kein richtiges Problem wäre, weil es vor allem Migrantenkinder beträfe. Das ist überhaupt nicht durchdacht – es wirkt so, als wären die Autoren einfach jedes Mal froh, wenn sie irgendwie gegen die (doch ziemlich naheliegende) Vorstellung argumentieren können, dass es auch geschlechterbedingte Nachteile für Jungen und Männer geben könne. Als wäre das an sich ein Zweck, der die Mittel immer schon legitimiert.

      • @Lucas

        Man muss dem Ministerium des Grauens wieder und wieder einbläuen:
        1. Jungen mit Migrationshintergrund gehören zur Gruppe der Jungen.
        2. Jungen aus „bildungsfernen Schichten“ gehören zur Gruppe der Jungen.
        3. Jungen „mit traditionellen Männlichkeitsvorstellungen“ gehören zur Gruppe der Jungen.
        4. Jungen „mit nicht-traditionellen Männlichkeitsvorstellungen“ gehören zur Gruppe der Jungen.
        Und man höre und staune:
        5. Sogar homosexuelle Jungen gehören zur Gruppe der Jungen!

        Wenn „Jungen“ bspw. schulisch benachteiligt werden, dann richtet sich dies gegen die ganze Gruppe, nicht gegen ihre Teile.
        Die Art und Weise, wie diese manipulativen bitches „Teile und Herrsche!“ betreiben gehört auf die Finger geklopft.

        • Ganz unbekannt ist denen das auch alles nicht. Jungen und Männer werden auch gerne von denselben Leuten als eine Gruppe verstanden; halt wenn es ihnen wiederum argumentativ in den Kram passt.

          Ich erinnere gerne noch einmal an die damaligen Sylvesternachtsvorkommnissse vor allem in Köln. Da kam aus denselben Reihen, die z. B. bei schulischer Benachteiligung Jungen als Gruppe gar nicht stark genug auseinanderdividiert bekommen können, sofort der Verweis darauf, dass die Herkunft der Täter nicht entscheidend ist, sondern deren Geschlecht.

          Wir halten also fest: bei Jungen, die im selben Land aufwachsen und vom selben Schulsystem mit Bildung versorgt werden sollen, dabei aber, egal in welcher Kategorie man schaut, seien es Migranten oder Jungen aus sozial prekären Verhältnissen, beständig signifikant schlechter abschneiden als vergleichbar einzuordnende Mädchen, ist die Herkunft, wie auch immer bestimmt, entscheidend und auf keinen Fall das Geschlecht.

          Bei Männern, die zum allergrößten Teil gerade erst frisch aus völlig anderen Kulturkreisen zu uns gekommen sind und die, warum auch immer, hier Verhaltensweisen an den Tag legen, welche, so auch die Polizei damals, so hier noch nicht erlebt worden sind, ist dann auf einmal deren kulturelle Herkunft völlig egal. Da soll das einzig entscheidende Kriterium das Geschlecht sein.

          Ich denke, es bedarf nur eines Minimums an gesundem Menschenverstand, um zu erkennen, dass in beiden Fällen die Diagnose jeweils genau an der falschen Seite ansetzt.

          Dies scheint alles willkürlich, ist aber tatsächlich geradezu widerwärtiges politisches Kalkül. Kurz nach einem merkelschen „wir schaffen das“ war das Letzte, was man gebrauchen konnte, eine öffentliche Debatte, angeheizt durch Vorfälle, in denen wohl, Augenzeugenaussagen folgend, teils mehrere Dutzend Männer, überwiegend nordafrikanischer Abstammung, in der Menschenmenge regelrechte Treibjagden auf Frauen veranstaltet haben.

          Gleichsam ist es auch das Letzte, was man gebrauchen kann, ein öffentliches Bewusstsein für offenkundige institutionelle, vom Staat nicht nur geduldete, sondern sogar forcierte Benachteiligungen von Jungen, wenn man selbst das politische Ziel verfolgt, mittels vollkommener Verdrehung vorliegender Tatsachen, Mädchen- und Frauenförderung immer weiter voranzutreiben.

          Das Erschreckende ist in beiden Fällen, dass durch dieses politische Kalkül die jeweiligen Probleme bewusst umschifft und nicht selten sogar noch sehenden Auges verschärft werden. Es löst keine Probleme, welche mit Immigration aus teils sehr fremden Kulturkreisen einhergeht, indem man sich selbst als politisch Verantwortlicher einfach nur in der Rolle des guten, salbungsvolle Worte verkündenden Menschen gefällt, bei entstehenden Herausforderungen aber nur die Hände in den Schoß legt, ein fröhliches Liedlein pfeift und jeden als Nazi beschimpft, der auf diese Herausforderungen aufmerksam machen will.

          Ebenso verschärft man die offenkundig geschlechtsbegründeten Notlagen von Jungen noch, wenn man diese nicht nur ignoriert, sondern sie sogar zu dem Zwecke ignorieren MUSS, um, mit „gutem Gewissen“ und der Überzeugung, einer „guten Sache“ dienlich zu sein, weiterhin ausgerechnet die Menschen mit allerlei Förderungen und Bevorzugungen zu beglücken, die nachweislich schon längst im Vorteil sind.

          Mir stellt sich immer die Frage, welche immensen Aufwendungen kognitiver Gymnastik es diesen Menschen abverlangen muss, sich derart kaltschnäuzig und realitätsverachtend auf dem Rücken selbst von Kindern auszutoben, sich gleichzeitig aber nicht nur noch im Spiegel betrachten zu können, sondern sich gar noch, selten frei von ungenierter Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit, öffentlich als „die Guten“ darzustellen. In einem früheren Artikel hier bezeichnete Lucas das mal als „betoniert gutes Gewissen“. Das beschreibt es recht prägnant, wenngleich ich mich frage, welche Art von Beton nötig ist, um ein gutes Gewissen gegen derartig viele offensichtliche Widersprüche im eigenen Denken und Verhalten absichern zu können.

          • @Billy

            „Jungen und Männer werden auch gerne von denselben Leuten als eine Gruppe verstanden; halt wenn es ihnen wiederum argumentativ in den Kram passt.“

            Jup. Seit wann hat irgendwer das Argument vorbringen dürfen, nur „bildungsferne Mädchen“, nur Mädchen mit „traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit“, nur Mädchen mit „Migrationshintergrund“ seien betroffen?

            Vor allem bei letzterem Punkt ist die Heuchelei des BMFSFJ offensichtlich, denn eine solche Studie existiert – für Jungen aber nicht.
            Das ganze Ministerium ist ein Lehrstück in Sachen Klientelismus und Nepotismus.

            „Gleichsam ist es auch das Letzte, was man gebrauchen kann, ein öffentliches Bewusstsein für offenkundige institutionelle, vom Staat nicht nur geduldete, sondern sogar forcierte Benachteiligungen von Jungen“

            Was wir brauchen, ist die Schaffung des Bewusstseins dafür, HIER ist die legendäre strukturelle Diskriminierung, nach dem der Feminismus immer auf der Suche gewesen ist.

            Der Staatsfeminismus schafft durch seine Propaganda den Vorwand, Jungen bewusst und mit Vorsatz diskriminieren zu können und ihre Lebenschancen zu versauen.

            „Mir stellt sich immer die Frage, welche immensen Aufwendungen kognitiver Gymnastik es diesen Menschen abverlangen muss, sich derart kaltschnäuzig und realitätsverachtend auf dem Rücken selbst von Kindern auszutoben“

            Ganz einfach.
            Weil die sadistischen, autoritären Charaktere sich lieber an Kindern vergehen als an uns.
            Sie meinen aber uns.
            Die Gefahr, so satt und lang eins auf die Fresse zu bekommen, wie sie noch nie im Leben auf die Fresse bekommen haben, ist jedoch bei Kindern deutlich geringer.
            Deshalb trauen sie sich das.

  • „Der zweite Grund war, dass ich tatsächlich am Überlegen war, ob es eigentlich einen Sinn hat, regelmäßig etwas zu schreiben…“

    Ich fände es schade, wenn du „die Flinte ins Korn werfen“ würdest.
    Ursprünglich zielt diese Redewendung auf Soldaten, die einen Kampf verloren geben, ihre Waffe ins Feld werfen und davonlaufen. Eine defätistische Haltung müsstest du vor dem maskulistischen Volkstribunal rechtfertigen – also Vorsicht mit solchen Dingen!
    Aber ernsthaft: Wer auf schnelle Erfolge hofft, der wird enttäuscht. Es geht, wenn überhaupt, sehr schleppend voran. Realistisch ist es zu vermuten, dass alle Bemühungen um eine ausgewogenere Geschlechterpolitik unserer Generation nicht mehr direkt nützen. Hat man das als Tatsache akzeptiert, lässt es sich entspannter angehen.

  • „Der zweite Grund war, dass ich tatsächlich am Überlegen war, ob es eigentlich einen Sinn hat, regelmäßig etwas zu schreiben. Es sind in Massenmedien in den letzten Wochen einige Beiträge erschienen, die ich wirklich ernüchternd und destruktiv fand, und ich hatte überlegt, ob es nicht eigentlich gesünder ist, sich davon einfach fernzuhalten und sich nicht weiter damit zu beschäftigen. Ich habe ein ziemlich reichhaltiges Offline-Leben, das ich oft deutlich konstruktiver finde als massenmediale politische Debatten oder gar die durchgeknallten Konflikte auf Twitter. Aber dazu äußere ich mich nochmal.“

    Danke, dass du schreibst und auch weiter machen willst. Deine Texte und Analysen halte ich mit das Beste, was sich zu diesem Thema finden lässt. Und auch der Kommentarbereich ist eine Bereicherung. Vielen Dank an alle.

    Ich bin Lehrer und aus dem Schulbetrieb einiges gewöhnt, wenn es um feministische Einflüsse geht. Die sprachlichen Winkelzüge des Genders und die anhaltende Opferrhetorik des weiblich Seins, haben tiefe Spuren bei Schülern und Lehrern hinterlassen und den Schulbetrieb verändert. Ich war eine Zeitlang an einer. Sonderschule, immer im Tandemunterricht. Dies war für uns Lehrkräfte einfach Schutz vor Übergriffen. Ich wünsche mir das mittlerweile auch an normalen Schulen, weil die Beschuldigung von Schülern mittlerweile gängiges Mittel ist, sich zu verweigern und um unliebsame Dinge von sich zu weisen. Dies ist für mich eindeutig Hass auf Männer. Ausgehend kommt dieser Hass von den breiten Medien, die Männer meist defizitär darstellen (wie schon in den Kommentaren beschrieben). Und ich empfinde so wie du Luca, ein große Erschöpfung und ein ständiges Hinterfragen meiner Anstrengungen, die ich aufwenden, um dagegen zu argumentieren oder einfach faktisch darüber reden oder etwas wissen möchte. Es sind hier nicht nur die Moderatorinnen oder Journalistinnen, die mich fordern (und die ich ebenfalls durch ignorieren ausblenden könnte), es sind die jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich hier oft so vorurteilsgefestigt und ideologisch überzeugt zeigen, dass ich jede Hoffnung aufgeben möchte.
    Ich kann dich gut verstehen, aber möchte dich eindringlich bitten weiter zu machen.

    • die jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich hier oft so vorurteilsgefestigt und ideologisch überzeugt zeigen, dass ich jede Hoffnung aufgeben möchte.

      Gibt es dazu zitierfähige Erkenntnisse?

      Kommt diese Ideologisierung von den allgemeinen Medien oder eher von den Unis, die zumindest in den Geisteswissenschaften oft so stark ideologisiert sind wie eine Koranschule?
      Ich kenne kaum junge Lehrer, aber irgendwie scheinen die modernen didaktischen Methoden (die ältere Lehrer als weltfremd ablehnen) einen inneren Zusammenhang mit den heutigen woken Ideologien zu haben, und zwar über das allgemeine Menschenbild und den Opferstatus bestimmter Gruppen.

  • Ich bin immer wieder höchst schockiert darüber, wie unhinterfragt das Konzept der „toxischen Männlichkeit“ als existent vorausgesetzt wird.
    Jeder halbwegs seriöse Psychologe wird immer sagen, dass toxische Verhaltensweisen völlig unabhängig vom Geschlecht vorkommen können. Ob Frau, Mann oder Divers. Jeder kann „toxische“ Persönlichkeitsanteile in sich tragen, die für ihn selbst oder im Wechselspiel mit dem sozialen Umfeld negative Konsequenzen erzeugen können. Tatsächlich erkranken Frauen sogar häufiger psychisch als Männer, obwohl ich hier eher vermute, dass beide Gruppen auf unterschiedliche Weise mit ihrem inneren Leidungsdruck umgehen. Gut zu sehen ist das zum Beispiel bei der Borderlinestörung. BL kommt in beiden Gruppen relativ gleichverteilt vor. Dennoch werden überwiegend Frauen als Borderlinerinnen diagnostiziert, da Männer hier eher aufgrund der Komorbiditäten (Suchtproblematik, Inhaftierung, etc.) statistisch in Erscheinung treten. Dennoch gilt, nur weil sich die Symptomatik zwischen den Gruppen unterscheidet bzw. unterscheiden kann, ist der „Toxidizitätsgrad“ – wenn man so will die Krankheitsursache – in beiden Gruppen gleichermaßen vorhanden. Daher gibt es auch keine für den Mann spezifische „Toxizität“, so wie es in solchen Gendertexten völlig ungeachtet der (echten?) Wissenschaft proklamiert wird. Noch viel schlimmer – die „Pathologisierung“ natürlicher Merkmale erinnert mich eher an die dunkle Zeit, in welcher Homosexuelle „umerzogen“ werden sollten, weil mit ihnen ja „etwas nicht stimmt“ (siehe z.B. Alan Turing, der sich aufgrund der medikativen Behandlung gegen seine Homoseyualität das Leben genommen hat). Heutzutage wäre das natürlich undenkbar. Homosexualität ist etwas völlig Normales in unserer Gesellschaft. Umso absurder finde ich es, das dies nun nicht mehr für die (profane) Männlichkeit zu gelten scheint.

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