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Wie man Hass salonfähig macht

geschrieben von: Lucas Schoppe

Wie die universitäre Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit politischen Hass propagiert – und warum sie es tut

 

In den öffentlichen Diskussionen der letzten Jahre ist ein Verhalten ganz normal geworden, das noch kurz zuvor kindisch und unpolitisch gewirkt hätte – nämlich dem politischen Gegner „Hass“ zu unterstellen. Wer so agiert, der konzentriert sich weder auf allgemein nachvollziehbare Interessengegensätze noch auf überprüfbare Konsequenzen von Entscheidungen, sondern er lanciert diskreditierende Unterstellungen über Motivation und Gefühlswelt anderer.

Mit einem demokratischen Diskurs ist das schlecht vereinbar, weil es den gemeinsamen Rahmen dementiert, den dieser Diskurs braucht – wofür dann aber selbstverständlich jeweils nur diese anderen, die Hassenden, verantwortlich gemacht werden.

 
 

Hass befreit. Aber wovon eigentlich?

Welchen Sinn hat es dann aber, wenn politische Akteure sich sogar selbst Hass zuschreiben?

„Die alten Zivilisationen behaupteten, dass sie auf Liebe oder Gerechtigkeit gegründet wären. Unsere ist auf Hass gebaut.“ (241)

Das erklärt O`Brian, der im langen Schlussteil von George Orwells grandiosem Roman 1984 den Protagonisten Winston Smith foltert.

O’Brian: Während Nazis und Stalinisten noch illusionär geglaubt hätten, ihre Machtgier würde irgendwelchen positiven Zwecken dienen, wäre dem totalitären Regime Oceanias klar, dass Macht ein Selbstzweck ist. (238) Das Regime in Orwells Roman kann sich also ganz auf Hass und Macht konzentrieren und muss keine Energie mehr dafür aufwenden, sich Illusionen über höhere Zwecke zu machen.

Diese harte, illusionslose, zynische Selbstbeschreibung kann sich O’Brian eben gerade deshalb leisten, weil Winston ganz in seiner Gewalt ist. Wie aber kann politischer Hass in einem demokratischen Kontext beworben werden?

„Männerhass ist eine befreiende Form der Feindseligkeit.“ So überschreibt ZEITCampus, das Unimagazin des Zeit-Verlags, Carla Baums Interview mit der französischen Feministin Pauline Harmange.

Nun ist es ja durchaus nachvollziehbar, dass offen vorgetragener Hass etwas Befreiendes hat: Er befreit von zivilen Erwartungen, von Selbstkontrolle, von moralischen Vorgaben. Eben darum hat er aber auch erhebliche Legitimationsprobleme.

Für Harmange aber reicht es, auf eine klassische Legitimation politischer Feindschaft zurückzugreifen, und die Interviewerin der universitären Zeit souffliert ihr dabei. Sie fragt, ob es denn eine gute Idee wäre, „Hass mit Hass“ zu bekämpfen – und Harmange nimmt die Vorlage an, beschreibt ihren Hass als „Gegenreaktion“, die gar nicht nötig wäre, „wenn Frauenhass nicht systematisch existierte“.

Die andern haben angefangen.

Natürlich könnte die Interviewerin der universitären Zeit bei dieser Gelegenheit einfach einmal fragen, wann denn in den letzten Jahrzehnten irgendein Mann einen Bestseller geschrieben hätte, der offen zum Hass auf Frauen aufruft – oder wann denn Frauenhass in bildungsbürgerlichen Zeitungen offen propagiert worden wäre. Stattdessen gibt sie weitere Vorlagen und fragt, ob das alles denn wirklich einen „generellen Hass auf Männer, auf alle Männer“ rechtfertigen würde. Als wäre es unwidersprochener Konsens, dass Hass auf Männer ganz okay wäre, während nur noch die Frage irgendwie strittig ist, ob es denn wirklich alle treffen müsse.

Ich selbst – als Mann, als Vater eines Jungen, aber auch als Lehrer von Mädchen UND Jungen – frage mich manchmal, ob ein solch offen und selbstverständlich vorgetragener Hass nicht möglicherweise Folgen hat, die wir gar nicht überschauen. #KillAllMen #MenAreTrash

Das lässt sich auch nicht dagegen aufwiegen, dass Mädchen und Frauen im Alltag andere niederdrückende oder destruktive Erfahrungen machen, beispielsweise durch sexualisierte Übergriffe. Dass ein Hass auf Männer – und Jungen – offen vorgetragen und von bildungsbürgerlichen Magazinen als salonfähig und selbstverständlich präsentiert wird: Das gibt es beim Pendant des Frauenhasses nicht.

Dabei trifft dieser Hass eben gerade nicht diejenigen Männer, die Frauen wie Hermange dabei im Auge haben. Sie stellt Männer so dar, als wären sie rundweg Kingpins, fette machtgeile unerschütterliche Superschurken aus einem Comic.

Hochprivilegierten Männern jedoch kann Hermanges Hass gleichgültig sein, sie haben genügend Ressourcen, ihn zu kompensieren. Er trifft hingegen Jungen, die in der Schule Nachteile erleben – Väter, die auf verlorenem Posten um den Kontakt zu ihren Kindern kämpfen – oder männliche Gewaltopfer, die deutlich weniger institutionelle Hilfen finden als weibliche.

Hermange ahnt diesen Widerspruch, wischt ihn aber beiseite, bevor er lästig ins Bewusstsein treten kann. Das „System der Misogynie“, also des Fraunhasses, wäre aufgebaut wie eine „Pyramide“, an deren Spitze ein paar extrem gewalttätige Männer stünden, während darunter eine größere Masse an Männern lebte, die zu einzelnen Frauen

„gut sein können, zum Beispiel zu der Frau, die sie lieben. Das heißt aber nicht, dass sie nicht in einem misogynen System verortet sind und nicht anderweitig dazu beitragen, es aufrecht zu erhalten.“

Das ist dasselbe einebnende Denkmuster, das Connell schon mit seiner Rede von der „patriarchalen Dividende“ bekannt gemacht hat. Oder Susan Brownmiller mit ihrer Behauptung, dass die Vergewaltigung „ein bewusster Prozess der Einschüchterung“ wäre, mit dem „alle Männer alle Frauen in einem Zustand der Furcht halten“ („a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear“, Against Our Will, S. 15)

Das verwischt die enormen Unterschiede zwischen Männern (und übrigens auch Frauen), nicht allein im Verhalten gegenüber Frauen, sondern auch im sozialen Status, in den ökonomischen Möglichkeiten, im kulturellen Kapital. Ausdrücklich erklärt Hermange, tatsächlich, dass Männer „eine soziale Klasse“ bilden würden.

Der Klassenbegriff wird damit nicht nur biologistisch eingezuckert, sondern auch ganz ins Unscharfe geschoben.

Welchen Zweck hat diese Reminiszenz an eine traditionelle Begrifflichkeit linker Politik, die diese Begriffe zugleich entleert und zerstört?

 

Duckspeak und die unaufgeklärte Aufklärung

Erklärlich wird der Erfolg einer solch unverhohlen inhumanen Position dadurch, dass es ein Erfolg in einem ganz bürgerlichen Milieu mit vielen sozialen Vorteilen ist, dessen Angehörige sich gleichwohl als irgendwie links verstehen möchten. Der Sprachgebrauch Hermanges und ihrer Interviewerin legitimiert nicht nur gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – er macht auch, und vielleicht vor allem, eine sinnvolle Frage nach sozialer Gerechtigkeit unmöglich.

Soziale Gerechtigkeit wird hier verhandelt als internes Problem eines hochprivilegierten Milieus, das an Menschen außerhalb der eigenen Schicht gar nicht mehr denkt – als eine Auseinandersetzung zwischen bürgerlichen Männern und bürgerlichen Frauen, die so massiv und irrational als „Hass“ aufgeladen wird, dass der Lärm alle Einsprüche von außen übertönt.

Das Interview führt so, ganz unabsichtlich, eine narzisstische Haltung von Menschen vor, die sich nicht nur ganz auf ihre eigenen Widersprüche fixieren – sondern die zugleich auch so erheblich privilegiert sind, dass sie diese Widersprüche als Gesamtwiderspruch der ganzen Gesellschaft verkaufen können. Es ist vor diesem Hintergrund kein Zufall, dass Hermanges Salonfaschismus ausgerechnet in der universitären Ausgabe der Zeit beworben wird.

Männlichkeit wird in diesem Kontext zur Chiffre für alles, was in die Selbstbezüglichkeit einbrechen könnte – und eben das macht auch den Hass auf sie notwendig.

Wenn Liebe die Freude an der Existenz eines anderen Menschen ist, dann ist Hass die radikale, nicht einmal mehr begründungsbedürftige Ablehnung des bloßen Daseins anderer. O’Brian beschreibt Winston das unumgängliche Endergebnis seiner Folter so:

„Du wirst spurlos aus dem Strom der Geschichte entfernt werden. (…) Nichts wird von dir bleiben, kein Name, kein Eintrag in einem Register, keine Erinnerung in einem lebendigen Gehirn. Du wirst ausgelöscht in der Vergangenheit wie in der Zukunft. Du wirst niemals existiert haben.“ (230)

In dem feministischen Kulttext „SCUM“ räsonniert die Warhol-Attentäterin Valerie Solanas über das Töten aller Männer und hebt diejenigen Männer als Hilfstruppen („Auxiliary“) des Feminismus hervor, die rastlos daran arbeiten, sich selbst auszulöschen („working diligently to eliminate themselves“). Die Vernichtung der Existenz ist hier so restlos, dass die Vernichteten in sie selbst einwilligen, sie sogar selbst betreiben und nicht einmal den Versuch eines Widerstands unternehmen.

Wenn nun Hermange davon redet, dass es jetzt an den Männern wäre, sich mit der Ungleichheit der Geschlechter auseinanderzusetzen – dann erwartet sie natürlich keine eigenständige, irgendwie männliche Perspektive auf feministische Positionen, sondern deren fraglose Übernahme. Ohnehin stünden hinter jedem Mann, der sich mit Fragen der Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzt, „mehrere Frauen (…), die ihm in harter Arbeit die Augen geöffnet haben“ – so zitiert die Interviewerin der universitären Zeit die Autorin distanzlos.

Hermange wiederum betont, dass sie selbst „keine Lehrerin für Männer im Allgemeinen mehr sein“ werde und dass sie sich nicht „die Mühe machen“ werde, zwischen Männern zu differenzieren, weil Frauen damit „einen großen Teil unserer Energie, die wir im Kampf gegen das Patriarchat brauchen“, verlieren würden.

Damit ist sie ein Paradebeispiel einer unaufgeklärten Aufklärung, die wahllos mit Versatzstücken aus aufklärerischen Traditionen hantiert, die aber niemals auf die Idee kommt, über die eigenen Grundlagen zu reflektieren.

Worin denn zum Beispiel dieses „Patriarchat“ bestehen würde – welches denn die „systematische Unterdrückung“ ist, „die Frauen durch Männer erfahren“ –  was sie damit meint, dass sämtliche Frauen in unserer „Gesellschaft unterdrückt und schlecht behandelt (…) werden“: All das wird von Hermange durchaus demonstrativ NICHT erläutert. Das ist umso gravierender, als diese Sammlung von Behauptungen ja immerhin einen kollektiven Hass begründen soll.

Orwell beschreibt in einem Anhang zu seinem Roman die Sprache des totalitären Staates Oceania, deren Ideal das „duckspeak“ wäre – Menschen sollten so sprechen, wie Enten quaken. Es wäre die Hoffnung der Sprachpflege in diesem Staat, „die artikulierte Rede direkt vom Kehlkopf produzieren zu lassen, ohne höhere Hirnareale überhaupt in irgendeiner Weise involvieren zu müssen.“ (278f.)

Harmanges demonstrativer Verzicht auf Begründungen ihrer Behauptungen signalisiert in diesem Sinn eben auch, dass überhaupt keine Reflexion des Gesagten mehr nötig wäre. Sie produziert Laute mit hohem Wiedererkennungswert, die überhaupt kein Gegenstand des Nachdenkens mehr sein sollen, weil sie irgendwie immer schon geklärt wären.

Dieser entschlossene Mangel an Reflexion und der selbstverständlich propagierte Hass bedingen einander.

 

Die Rückkehr des Klassenkampfs als Farce

Wer die Perspektive anderer Menschen radikal entwertet – wer sich selbst allenfalls als Lehrer sieht, der alles Wichtige schon erkannt hat, was andere noch erkennen müssen – der nimmt eben sich selbst auch nie von außen, als Objekt möglicher Kritik wahr. Er, oder eben: sie kann sich dann beliebig idealisieren. So formuliert Hermange ausgerechnet in dieser radikalen Beziehungslosigkeit, dass „wir Frauen sehr viel besser (darin) sind als Männer, (…) emotionale Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen“.

Wer umgekehrt in einer solchen Weise idealiserend auf sich selbst bezogen ist, der, oder eben: die kann dann andere dann bloß noch als Bedrohung der eigenen friedlichen Existenz wahrnehmen. Dies nicht, weil andere etwa gewalttätig wären – sondern weil sie überhaupt existieren. Akzeptabel sind sie dann allenfalls als Instrumente.

Hermange zitiert eine „feministische Influencerin auf Instagram“:

„Wenn Männer mich fragen, was sie für den feministischen Kampf tun können, sage ich immer: Pass auf die Kinder deiner Freundinnen auf, während sie an Demonstrationen teilnehmen.“

Natürlich sind die Kinder hier nur Kinder der Freundinnen, ganz gewiss nicht Kinder der Männer selbst.

Salonfähig aber wird diese unverhohlene Verkündigung unreflektierten Hasses dadurch, dass sich in ihr soziale Spaltungen ausdrücken. In der Fantasie eines umfassenden Mann-Frau-Widerspruchs kehrt die Idee des Klassenkampfes ins Farcehafte verzerrt zurück und wird damit zugleich unschädlich gemacht.

Denn: Eine solche narzisstische Selbstbezogenheit, wie Hermange sie vorführt, müssen Menschen sich überhaupt erst einmal leisten können. Wer täglich pragmatischen Zwängen begegnet, wer sich in der Erwerbswelt behaupten und dabei beständig mit anderen kooperieren muss, weil er oder sie nicht auf umfassende Ressource zurückgreifen kann – der kann sich diese Selbstbezogenheit ebenso wenig erlauben wie die konsequente Ausblendung der Perspektiven anderer.

Der Hass Hermanges ist damit der Hass von Menschen, die ihre erheblichen sozialen Vorteile behalten wollen und die diese Vorteile gegen Kritik immunisieren, indem sie sich selbst als Kämpfer für die Unterdrückten fantasieren.

Männlichkeit wird zur Chiffre für alles, was diesen Selbstbezug bedroht, während Weiblichkeit zur Chiffre der fantasierten friedfertigen Welt wird, die endlich hergestellt wäre, wenn der Selbstbezug durch nichts mehr irritiert würde.

Dazu passt die Struktur eines Interviews, das kein Gespräch, sondern ein Selbstgespräch ist, das von einer Souffleuse unterstützt wird. Hermange und Baum reden in diesem betreuten Monolog inhaltlich durchgehend über Fantasien, über Projektionen – doch sie treffen damit reale Jungen, reale Männer, aber auch reale Mädchen und Frauen.

Sie reden allerdings nicht, um sich darüber klar zu werden – sie reden, um es niemals merken zu müssen.

 

Orwells 1984 zitiere ich aus der englischen Ausgabe

George Orwell: Nineteen Eighty-Four, edited by Rondal Carter and Valerie Durow, Penguin Student Editions 2000

Außerdem zitiere ich aus

Susan Brownmiller: Against Our Will. Men, Women and Rape, First Ballentine Books 1993

Ich habe die Zitate selbst aus dem Englischen übersetzt.

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14 Comments

  • Ich rätsele schon lange, warum Misandrie nicht genauso erschnüffelt und geächtet wird wie Misogynie, wenn doch Gewaltfreiheit und Gleichheit angeblich so im Vordergrund stehen.

    Mittlerweile habe ich eine Erklärung dafür gefunden, die vielleicht etwas verkopft ist, aber mir schlüssig scheint:

    Ich denke, es liegt am pauschalen Übertragen einer Wahrnehmung der Welt, die oft von Frauen in Frauengruppen praktiziert wird, auf die Organisation der gesamten Welt.
    Dazu muss ich etwas ausholen: In der biologischen Verhaltensforschung wurde das Verhalten von Männern in Männergruppen und das von Frauen in Frauengruppen untersucht. Ergebnis ist die starke Tendenz von Männergruppen innerhalb der Gruppe eine Hierarchie auszubilden und die starke Tendenz von Frauengruppen, ein Netzwerk zu bilden (das keine formale hierarchische Ordnung kennt, wohl aber wichtigere und weniger wichtige Knoten). Um die Hierarchie zu erreichen, treten Männer innerhalb der Gruppe in einen Machtkampf. Der wird auf verschiedene Arten ausgetragen, die von der Wirkung der schieren Präsenz der Kontrahenten über verbale bis hin zu physischen Auseinandersetzungen reichen kann. Das Ziel ist aber immer die Ausbildung einer Hierarchie. Um Hass geht es dabei nicht und die Anwendung von Gewalt ist auch kein Selbstzweck, sondern eine Form der Standortbestimmung zwischen zwei Kontrahenten. Die naheliegendste biologische Erklärung für die Entstehung der Bestrebungen der Männer, solche Hierarchien zu bilden, ist die weibliche Hypergamie, die den ranghohen Vertretern der Gruppe mehr Fortpflanzungsmöglichkeiten einräumt als den rangniedrigen.

    In einer Welt, in der gemischte Gruppen gemeinsam Aufgaben erfüllen müssen und in der sich die Gruppenmitglieder als gleich im Sinne von gleichberechtigt begreifen, was in unseren Breiten wohl der Regelfall ist, passiert nun folgendes: Die Männer der Gruppe versuchen sich wie aus Männergruppen gewohnt zu organisieren, die Frauen der Gruppe wie in Frauengruppen. Da aus Sicht der Frauen das Bilden einer Hierarchie den Netzwerkgedanken verletzt, ist jedes Ausbilden einer Hierarchie in ihren Augen eine Verletzung der Gruppenregeln der Netzwerkbildung. Von den besonders missgünstigen wird diese Form bemängelt. Andere greifen das auf und diese Kritik schaukelte sich immer weiter hoch, bis wir jetzt beim offiziell abgesegneten Hass auf Männer gelandet sind, die Frauen permanent Gewalt antun (durch ihren – in den Augen der meisten Frauen unzulässigen – Wettstreit um bessere Plätze in der Hierarchie).

    So gesehen ist der feministische Ansatz der Welterklärung, weil er als Erklärungsmodell Machtdifferenzen heranzieht, ein Brandbeschleuniger dieses Missverständnisses. Ohne das Anerkennen der Unterschiede zwischen den statistischen Häufungspunkten der Verhaltensweisen von Männern und Frauen, wird dieser Konflikt für immer fortbestehen.

    Ironischerweise konnte dieses Missverständnis erst entstehen, als Männer begannen, Frauen als gleichwertiges Gegenüber zu betrachten.

  • Gut analysiert! Andererseits keine Überraschung, denn ZEIT Campus ist eindeutig eine feministische Kampfpostille und Hetze gegen Männer dort Pflicht. Man kann auch von den Journalisten dort keinerlei Kritikfähigkeit erwarten, die schreiben selber nicht wesentlich anders. Die pauschalen diskreditierenden Behauptungen über die „soziale Klasse“ der Männer – lauter unhaltbare soziologische Hypothesen – liegen auf dem gleichen intellektuellen Niveau wie die Hetze von Rechtsradikalen gegen Ausländer.

    Der Artikel liegt hinter einer Bezahlschranke, hat aber anscheinend 80+ Kommentare. Auch wenn die gefiltert werden, wie ist denn die Stimmung in den Kommentaren? Kommt da wenigstens etwas Kritik durch?

    • Der Artikel war am Sonntag noch kurz auf (ca. die ersten 50 Kommentare lang). Die Kritik war enorm. Auch viele Frauen können solche Artikel nicht mehr verstehen. Beschäftigt man sich tagtäglich auf Twitter & Co mit dem „Patriarchat“, der unterdrückten Frau und dem „toxischen Mann“, ist die Sprungweite zu Harmanges Kernaussage „Männerhass ist eine befreiende Form der Feindseligkeit“ vielleicht sogar noch relativ gering. Alle anderen Menschen – die Mehrheit – außerhalb dieser Gedankenwelt finden überhaupt keinen Bezug mehr dazu.

      • Danke für die Information!

        Beschäftigt man sich tagtäglich auf Twitter & C omit … dem „toxischen Mann“,

        … dann sollte offensichtlich sein, daß Haß auf Männer völlig alltäglich und sozusagen Teil unserer Leitkultur ist. Insofern verstehe ich nicht, wieso man den Haß von Frau Harmange als irgendwie neu oder etwas Besonderes verkauft.

        Das gilt vor allem für die feministischen Medien (inkl. ÖRR), während z.B. die NZZ eine deutlich ablehnende Rezension des Harmange-Buchs veröffentlich hat.

  • Was die vermeintliche Rape-Culture angeht: Man muss schon unter schweren Wahrnehmungsstörungen in der Filter-Bubble leiden, wenn man unfähig ist, zu erkennen, dass Vergewaltiger auch unter Männern geächtet sind. Deshalb ist Falschbeschuldigung auch kein Kavaliersdelikt.

    Danke Lucas, wie gewohnt genial.

  • Ich bin beeindruckt, wieviel Zeit und Mühe hier für diesen ZEIT-Artikel aufgebracht wird. Ist doch verschwendet.

    Diese Postille, die ich in ab den 70er lange abonniert hatte, ist nur noch ekelhaft. (Ok, ich konzediere 5% lesenswerten Beiträge.) Zeit und Spiegel werden bald Vergangenheit sein, und deren Macher vond er Stütze leben.

  • Ich weiß wirklich nicht, was man machen könnte, um diesen Käfig der Selbstbezogenheit aufzubrechen. Offensichtlich widerspricht solchen Leuten nie jemand; in ihrem sozialen Umfeld sind anscheinend alle der gleichen Meinung. Deshalb erscheint auch jede nur in Details abweichende Meinung als ein persönlicher Angriff; da praktisch alle die gleiche (richtige) Meinung haben, können abweichende nur durch böse Absichten (=Hass) erklärt werden.

    Alle Konflikte zwischen Menschen werden heruntergebrochen auf Machtverhältnisse; wenn man die Macht der anderen überwindet und durch eigene Macht ersetzt hat, ist alles OK. Das kann in der Praxis eigentlich nur auf eine Diktatur hinauslaufen.

    Ein älterer Kollege hat mir vor Zeiten mal gesagt, dass er sich wünscht, dass es für ein paar Tage mal wieder so wäre wie nach dem Krieg. Damit die Menschen merken, dass sie auf Zusammenarbeit angewiesen sind und sich untereinander helfen müssen.

    Dieses Wissen scheint weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein.

    • Ich weiß wirklich nicht, was man machen könnte, um diesen Käfig der Selbstbezogenheit aufzubrechen

      Ist damit das Buch oder die Zeitung gemeint? Argumentativ ist es natürlich kein Unterschied.

      Beim Buch beunruhigend ist, daß es offenbar tausende Käufer gibt, die diese feministische Propaganda und Hetze gegen Männer kaufen. Und das ist gar nicht mal das einzige aktuelle Buch, das gegen Männer oder Weiße hetzt. Wie gehirngewaschen müssen die Käufer eigentlich sein, sowas zu kaufen? Dagegen kann man kaum etwas machen außer vielleicht eigene Bücher schreiben, die dann aber erst einmal einen Verleger finden müßten.

      Dieses Buch bzw. die Autorin dürfte indes eher eine Eintagsfliege sein, die durch den Zensurversuch eines Beamten unverdient zu Berühmtheit gekommen ist. Die Zeitung und deren Schreiber sind das viel gravierendere, langfristige Problem. Deren „Käfig der Selbstbezogenheit“ kann man mit mehreren Theorien erklären:

      (a) Die Herausgeber bzw. Besitzer geben die ideologische Richtung vor (bzw. heuern nur politisch linientreue Reporter an).

      (b) Die Gesamtpopulation der Reporter ist so gepolt. Die letzte Umfrage unter den Volkontären deutet darauf hin. Die Herausgeber haben gar keine andere Auswahl.

      (c) Die meisten Reporter schreiben nur voneinander ab und starren wie gebannt auf die wenigen (1% der Population) „Alphajournalisten“, die die Trends setzen und die große Reichweite haben. D.h. diese Alphatiere entscheiden letztlich, was das Volk denkt.

      Es wäre interessant, dazu mehr zu wissen. Ob und wie man den „Käfig der Selbstbezogenheit aufbrechen“ kann, hängt nämlich stark von diesen Ursachen ab.

  • Es wächst hier eine Generationen von Jungen auf die nichts anderes kennen wie eine Frau als Kanzlerin und der Behauptung das Männer die Macht haben, die für die gleichen Vergehen härter bestraft werden wie Mädchen und gesagt bekommen das die Gesellschaft Frauen hasst, die bei gleichen Leistungen schlechtere Noten und weniger Lob bekommen, die weniger Förderung erhalten, und das während man ihnen eintrichtern will, wie sehr Frauen, die ihnen an der Uni die Studienplätze wegschnappen, überall diskriminiert werden, die sehen wie ihre Väter mit Hilfe des Staats auf Wunsch der Muter aus ihrem Leben gedrängt werden und denen man sagt das Männer zu viele Bereiche ‚dominieren‘, die überall lesen können das sie ungenügend sind, sich ändern müssen, mehr für Frauen tun sollen, die Privilegien checken, die Fresse halten, aber doch bitte mehr über ihre Gefühle reden, damit man sie auslachen kann, solche Loser ..- mimimi, und die sehen wie Journalisten, Hollywood-Stars, das Zwangsgebührenfernsehen und Politiker freudig in die Hände klatschen, wenn jemand seine Hass auf Männer bewirbt.

    „Gegenreaktion“?

    Wenn es irgendeinen Ausweg aus diese Hass-Ideologie gibt, eine 2. Aufklärung oder sowas, wird man die feministische Literatur in Zukunft wahrscheinlich unter Science Fiction oder Fantasy in den Buchhandlungen finden. Mit der Realität hat das nämlich nix zu tun.

  • Super Pointe: „Sie reden allerdings nicht, um sich darüber klar zu werden – sie reden, um es niemals merken zu müssen.“

    Ich habe die Befürchtung, dass Sichtweisen dadurch, dass sie immer und immer wieder überall penetriert, überall als logisch und selbstverständlich bezeichnet werden, auch wirklich von immer mehr Menschen geglaubt werden. Dass man einfach nur flächendeckend Plakate aufhängen muss, auf denen Frauen als Opfer von Männern dargestellt werden, und es in jeder Nachrichtensendung des ÖRR oder in jedem selbsternannten Qualitätsmedium gebetsmühlenartig wiederholen muss – und nach einer gewissen Zeit gilt eine Behauptung dann als bewiesen, als verifiziert, als Allgemeingut.

    Und wenn es Allgemeingut ist, dass Männer im Grunde böse sind und jeder mindestens latent ein Gewalttäter oder Vergewaltiger ist, dann ist eine Gegenreaktion darauf natürlich selbstverständlich gerechtfertigt. Im Vergleich zu einer Vergewaltigung ist doch in Buchform vertriebener Hass wirklich ein mildes Mittel.

    Und wenn man dann dem feministisch-industriellen Komplex Milliarden zuschiebt, mit dem er Monumente der Geschlechterspaltung errichten kann, dann steht man irgendwann vor den großen Palästen und sagt sich: „Wenn da nichts dran wär, dann gäb’s die ja nicht.“

    Es ist schauerlich, dass diese Auswüchse des Feminismus nicht häufiger kritisch hinterfragt werden. Dass so selten geschaut wird, was diese Selbstbezogenheit für Auswirkungen auf alle Menschen und auf die Interaktion zwischen den Geschlechtern hat, sogar auf Generationen hinaus.

    Feminismus ist nicht inklusiv, er ist ausgrenzend – und deswegen widerspricht er im Kern meinem Anspruch an Menschlichkeit.

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