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Die Aggressivität der Lämmer…

geschrieben von: Lucas Schoppe

…und das Schweigen der Zivilgesellschaft

Dieser Text ist meine erste Veröffentlichung in diesem Jahr. Natürlich hängt mir das ziemlich irre Jahr 2020, wie vielen anderen, noch nach. Vor allem aber habe ich gemerkt, dass mir die Atmosphäre in sozialen Netzen verglichen mit der Offline-Welt immer weniger gefällt. Das ist schade, weil diese Netze ja eigentlich eine große Chance sind.

Also fang ich dieses Jahr in diesem Blog mit einer Art Jahresrückblick an: über Corona, Neofeudalismus, Identitätspolitik – und die Frage, warum wir die Chance der sozialen Netze so schlecht nutzen.

  1. 2020: Von positiven Überraschungen und der Stärke der Zivilgesellschaft
  2. 2020: Von Versäumnissen, Unehrlichkeiten und dem  Eigenleben der Institutionen
  3. Harry Potter und die Echokammern des Schreckens
  4. Kumpel Donald
  5. Von der Aggressivität der Lämmer
 

2020: Von positiven Überraschungen und der Stärke der Zivilgesellschaft

Wenn ich auf das letzte Jahr zurückblicke, dann fallen mir eine ganze Menge Erfahrungen mit Menschen ein, die mich positiv überrascht haben. Im Unterschied zu medial attraktiven Maskenfeinden oder verwirrten Coronalügenentlarvern haben sich die allermeisten Menschen, die mir begegnet sind, diszipliniert verhalten und im Interesse anderer zurückgenommen.

Ich fahre ja beispielweise sehr häufig längere Strecken mit dem Zug. Auch wenn dort, was häufig geschieht, über mehrere Stunden kein Schaffner zu sehen war, behielten von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen alle ihre Masken auf und verhielten sich vorsichtig und rücksichtsvoll.

Das war, tatsächlich, das April-Bild in meinem Kalender des Jahres 2020. Ausschnitt aus Simone Haack, Silence is golden

Das gilt auch für die Kinder und Jugendlichen, die ich unterrichte. Natürlich vergessen sie manchmal ihre Maske, und natürlich suchen sie oft unwillkürlich Nähe zueinander – aber ich habe es nie erlebt, dass sich irgendjemand aus Desinteresse, Selbstgerechtigkeit oder Hildmannschem Sendungsbewusstsein über die Corona-Regeln hinweggesetzt hat.

Ohnehin ist es nach meiner Erfahrung ein Vorurteil zu glauben, die „Jugend“ – das sind für Menschen über 30 oft so ziemlich alle Menschen unter 30 – wäre rücksichtslos und eher hedonistisch interessiert als infektionslogisch verantwortungsvoll. Ein Beispiel:

Im ersten Lockdown im Frühjahr erteilte ich ausschließlich Distanzunterricht und konnte daher wochenlang bei meinem Sohn in einer anderen Stadt sein, und er blieb die ganze Zeit über bei mir. Als ich schließlich an meinen ersten Wohnort zurückkehren musste, hingen dort am schwarzen Brett unseres Wohnhauses gleich mehrere Zettel, auf denen Jüngere anboten, für Ältere einzukaufen: Offenbar waren gleich mehrere studentische WGs der Umgebung durch die Nachbarschaft gezogen und hatten dort Zettel aufgehängt, auf denen sie ihre Hilfe anboten. Das sah berührend aus.

Meine Mutter erzählt dasselbe: Sie muss gar nicht mehr selbst zum Einkaufen gehen, weil ihr viele jüngere Nachbarn angeboten haben, das für sie zu übernehmen.

Ich könnte noch einige Beispiele aus verschiedenen Bereichen hinzufügen, alle mit derselben Tendenz: Nach meiner Erfahrung waren zivile Alltagsstrukturen sehr stabil und haben viele Lasten ganz selbstverständlich getragen. Wenn nun politisch so getan wird, als wären immer weitere Verschärfungen der Corona-Regeln nur deshalb nötig, weil die Leute so unvernünftig wären  – dann schiebt das Verantwortung aus dem Bereich politischer Institutionen ab auf eben die Menschen, die mit den Entscheidungen dieser Institutionen leben müssen.

Und über diese Entscheidungen habe ich mich deutlich häufiger geärgert als über meine Mitmenschen.

 

2020: Von Versäumnissen, Unehrlichkeiten und dem  Eigenleben der Institutionen

Dabei verstehe ich sehr gut, dass es für Politiker oder Behörden nicht einfach war, sich auf die Corona-Situation einzustellen und Entscheidungen über das Leben vieler Tausender zu treffen. Trotzdem: Im Rückblick erscheint das politische Handeln im Jahr 2020 nicht einfach nur als verständliche Überforderung, sondern auch als eine Kette von Unehrlichkeiten.

Zuerst war Angst vor Corona reine Panikmache – dann waren Masken überhaupt nicht notwendig  – dann waren Urlaubsfahrten überhaupt kein Problem – dann versprach Spahn, dass es keinen zweiten Lockdown geben würde – dann waren die Schulen auf jeden Fall sicher – und schließlich hatten wir nur deshalb viel zu wenig Impfstoff, weil wir so verdammt solidarisch mit anderen sind:

Eine deprimierende Kette politischer Versäumnisse, die jeweils durch opportune Unehrlichkeiten kaschiert wurden.

Ich selbst habe an der Schule eindrücklich erlebt, wie dysfunktional Institutionen in dieser Krise agiert haben. Ich beschreibe das beispielhaft etwas ausführlicher, weil ich diesen Bereich persönlich gut kenne, weiß aber, dass andere in anderen Bereichen ähnliche oder noch deutlich deprimierendere Erfahrungen gemacht haben – Pflegekräfte zum Beispiel oder Selbstständige, die heute immer noch auf die Corona-Hilfen warten, die im Frühjahr mit großer Geste angekündigt wurden.

Das Verhältnis zwischen Schulen und Behörden war schon vor Corona eher schlecht. Aushang in einer Schule.

Von unserer Dezernentin (A16-Gehalt) habe ich zum letzten Mal im März etwas gehört – damals hatte sie uns verboten, unseren Schülern im Lockdown Aufgaben zu geben, weil das Schulen benachteiligen würde, die digital nicht ausgestattet wären. Das war es dann von ihr.

Es ist ohnehin schon seltsam, dass viele Schulen digital kaum in den 90er Jahren angekommen sind. Gar nicht mehr zu verstehen ist, dass auch seit dem Frühjahr nichts getan wurde, um die Situation zu verbessern – als wäre Corona einfach ein ungezogener Schüler, der sich nach vielen Tadeln nun ganz gewiss endlich benehmen und die anderen Schüler in Ruhe arbeiten lassen würde.

Es ist, als würden politische und andere Institutionen ein Eigenleben führen, das nichts mehr zu tun hat mit den Funktionen, für die sie einmal errichtet worden sind – abgeschottet durch moralisierendes Fingerzeigen auf alle, die das nicht in Ordnung finden. Wer sich zum Beispiel darüber aufregt, dass die Versorgung mit Impfstoffen in die undurchsichtigen Prozesse der EU abgeschoben und dort erwartungsgemäß verkorkst wurde, wird dann eben öffentlich als „Nationalist“ beschimpft.

Nun ist mir Europa allerdings ganz gewiss wichtiger als Leuten, die europäische Institutionen einfach als sauteuren Gnadenhof für Politiker nutzen, die in ihren Heimatländern keiner mehr braucht. Wer wirklich von einer europäischen Idee überzeugt ist, platziert mit Ursula von der Leyen, Christine Lagarde und anderen auch keine „Parade von Inkompetenz und moralischer Wurstigkeit“ (Sonneborn) auf entscheidenden Posten der EU.

Diese Politik ist nicht einmal neo-liberal, sondern neo-feudal. Teure Institutionen versorgen die, die in ihnen tätig sind, aber sie lassen sich gar nicht mehr daran messen, ob sie ihre Funktion erfüllen für die Menschen, die sie finanzieren.

In eben diesem Zusammenhang wird denn auch klar, warum identitäre Politik, beliebt bei Rechten wie bei Linken, im Aufschwung ist: Sie flankiert die neo-feudalen Verschiebungen medial.

Identitäre Akteure vermitteln Menschen den Eindruck, sie würden nicht dadurch repräsentiert, dass sie ihre Repräsentanten frei wählen und für ihr Handeln zur Verantwortung ziehen könnten – sondern durch deren Herkunft, Hautfarbe und Geschlechtszugehörigkeit.

Rein theoretisch könnten soziale netze auch ein relativ friedlicher, interessanter Ort sein, an dem wir ganz unterschiedliche Menschen kennen lernen können.

Die sozialen Netze jedoch hätten eigentlich das Potenzial, solche Abschottungsprozessen institutionalisierter Macht durch offene Debatten auszugleichen und zu verhindern. Warum gelingt das nicht?

 

Harry Potter und die Echokammern des Schreckens

Wenn ich meinen Sohn frage oder mit meinen Schülern spreche, merke ich: Stars für Kinder und Jugendliche sind heute keine Schauspieler oder Sänger, sondern Youtuber. Das hat Konsequenzen. Sie erleben medial damit gar keine Welt, die ihren Horizont übersteigt und die sie sich erst erarbeiten müssen. Sie erleben ihre eigene, vertraute Welt, tausendfach vervielfältigt.

Noch vor zwanzig Jahren war sogar eine Autorin ein Star, J.K. Rowling mit ihren Harry-Potter-Romanen. Ich lese öfter mal Kinder- und Jugendliteratur, nicht nur für den Unterricht, kenne auch die Potter-Bücher gut und finde sie tatsächlich fantastisch. Sie erscheinen heute manchmal wie aus einer anderen Welt, zwanzig Jahre nach ihrem Erscheinen und im Vergleich mit den erregten Frontstellungen sozialer Medien – beispielsweise in der Art und Weise, wie Rowling Männer darstellt.

Obwohl sie beim Schreiben der Romane getrennt- (und wohl auch allein-) erziehende Mutter war, und obwohl sie sich ausdrücklich als Feministin sieht, sind ihre Bücher voller positiver Männerfiguren. Harry, Ron, natürlich Dumbledore, Lupin. Severus Snape und Sirius Black wirken zunächst wie feuchte Träume von Menschen, die sich gern über toxische Männlichkeit empören – Black erscheint brutal, gewalttätig, machtgierig, Snape kalt, technokratisch, sadistisch. Bei beiden aber wird schließlich klar, dass das negative Bild eine Täuschung war.

Nun aber ist Rowling bei Akteuren, die sich irgendwie für links und aufgeklärt halten, zu einer Unperson geworden, weil sie sich gegen die Vorstellung gewandt hatte, dass Transfrauen unabhängig vom biologischen Geschlecht als Frauen zu gelten hätten.

Geschlechterpolitisch ist die wütende Auseinandersetzung interessant, weil sie ganz anders verläuft, als sie zu erwarten gewesen wäre: Umkämpft ist nicht etwa die als privilegiert geltende männliche Identität, sondern die weibliche, obwohl sie doch in den etablierten Geschlechterdiskursen als stark benachteiligt geführt wird.

In den Angriffen auf Rowling wird aber vor allem ein grundsätzliches Problem sozialer Netze deutlich.

In einer funktional ausdifferenzierten, über Kommunikation gesteuerten modernen Gesellschaft müssen wir damit leben, dass uns Menschen in anderen als den uns vertrauten Kontexten ganz anders sehen, als wir uns selbst sehen. Auch wenn ich mich selbst als Frau wahrnehmen würde, müsste ich realisieren, dass es Frauen geben kann, denen meine Anwesenheit in Umkleidekabinen unangenehm ist – oder Männer und lesbische Frauen, für die ich als Sexualpartnerin nicht in Frage komme.

Die Bereitschaft, zwischen Selbst- und Fremdbildern zu vermitteln, ist nun einmal eine Basisvoraussetzung für das Leben in modernen Lebenswelten. In den Attacken gegen Rowling aber geht es keineswegs um Kriterien für Weiblichkeit und Männlichkeit, die beispielsweise im Sport sehr sinnvoll sind – sondern um das Erleben einer existentiellen Bedrohung, wenn das eigene Selbstbild durch Fremdbilder nicht bestätigt wird.

Die Strukturen sozialer Netze unterstützen eine solche antimoderne Sakraliserung des Selbstbildes, dessen Relativierung durch Fremdbilder als Akt maßloser Gewalt fantasiert wird. Hier können sich Menschen, anders als beispielweise in modernen Arbeitsverhältnissen, ein Umfeld zusammenstellen, das ihre Selbstbilder bestätigt – und sie können sich störende Fremdbilder leicht vom Leibe halten. Wer andere in sozialen Netzwerken blockiert, nimmt nicht einmal mehr wahr, dass sie überhaupt existieren.

Die Juristin und Redakteurin Fatina Keilani hat gerade erfahren, was geschehen kann, wenn jemand sich nicht einfach durch einen Block entfernen lässt: Sie hat einen enormen Shitstorm erlebt, als sie den identitären Umgang mit Rassismus kritisierte.

Gerade für Linke jedoch ist die Illusion der Stärke, die den Hetzmeuten im Netz entstehen kann, ebenso verführerisch wie katastrophal. Denn dass Akteure von Rechtsaußen, wenn sie Schwäche wittern, in sozialen Netzwerken hetzen oder drohen, ist abstoßend, aber nicht überraschend.

Linke Politik aber muss prinzipiell mehrheitsfähig sein, denn schließlich engagiert sie sich in ihrem eigenen Verständnis für Menschen, die weitgehend machtlos sind. Sie kann daher auch nicht dadurch einflussreich werden, dass sie Interessen mächtiger Gruppen bedient – sondern nur dadurch, dass sie Koalitionen und Mehrheiten organisiert.

All cops are targets: Wer das als LINKE Position vertritt, schadet zuerst Polizisten, aber auch linker Politik und demokratischen Diskussionen.

Wer von links aus Wagenburgen schließt, sich in Echokammern und Spiegelsälen routiniert selbst bestätigt und Andersdenkende aus dem Diskurs kickt, statt sich an ihren Einwänden weiter zu entwickeln – der schadet linker Politik, nutzt ihren Gegnern und schwächt demokratische Diskussionen.

 

Kumpel Donald

Zudem können wir Strukturen, die über unsere selbstgebastelte mediale Lebenswelt hinausgehen, leicht ignorieren. Soziale Netzwerke erwecken den Eindruck einer scheinbaren Hierarchiefreiheit – als ob der Präsident der Vereinigten Staaten, wenn er sich über Twitter äußert, ein Kumpel wäre wie andere auch, nur eben mit etwas mehr Followern.

Wir können Menschen mit winzigen Accounts so leicht als mächtige Gegner erleben und bekämpfen, während wir uns Akteure auf institutionellen Machtpositionen als mutige Verteidiger der Machtlosen fantasieren.

Dieses Erleben scheinbar ganz verflachter Hierarchien, in denen Menschen Donald Trump oder, ganz anders, Jan Böhmermann als Kumpel von Nebenan erleben, schützt institutionelle Machtpositionen vor Kritik und trägt politische Konflikte in die alltägliche Lebenswelt.

Twitter (Symbolbild): Spiegelbilder und Kampfposen

Identitäre Akteure orchestrieren diesen Prozess ideologisch, wenn sie zwar obligatorisch von „Strukturen“ reden, dann aber zwanghaft immer wieder bei biologistischen Kategorien landen, bei Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht: Als würden die wesentlichen gesellschaftlichen Machtstrukturen zwischen meinem Nachbarn und mir wirken, nicht zwischen uns beiden und weitaus mächtigeren Akteuren, die institutionell gestützt und abgesichert wesentliche Entscheidungen über unser beider Leben treffen.

Die nur scheinbare Hierarchieflachheit der sozialen Netzwerke begünstigt es also, dass politische Konflikte als Auseinandersetzungen zwischen Akteuren geführt werden, die allesamt kaum etwas an diesen Konflikten ändern können. Dazu trägt vermutlich noch ein weiterer Aspekt bei, der so selbstverständlich ist, dass er kaum auffällt.

 

Von der Aggressivität der Lämmer

Unser Erleben in einer medialen Umwelt ist, verglichen mit unserem alltäglichen Erleben, enorm reduziert. Geräusche, Gerüche, subtile Gesten, Konstellationen, Farbspiele – die selbstverständliche Dichte alltäglicher Erfahrung ist in der medialen Wirklichkeit enorm ausgedünnt.

Reizvoll ist diese Welt also nicht durch eine dichtere Sinnlichkeit, die ist dort bis auf weiteres nicht zu erwarten. Reizvoll ist sie, weil die sinnliche Verarmung dadurch ausgeglichen werden kann, dass wir simplen Zugriff auf extreme Erfahrungen haben, die den meisten von uns im Offline-Alltag sehr fern sind: massive Aggressionen – Selbstoffenbarrungen, die wir sonst von Fremden völlig deplatziert finden würden – sexuelle Spielarten, die wir persönlich noch nie erlebt haben – oder auch ganz allgemein Verhaltensweisen Erwachsener, die in beruflichen Umfeldern sofortige Abmahnungen nach sich zögen.

So ist leicht zu erklären, dass bei Twitter oder Facebook ein Verhalten erfolgreich ist, dass wir im zivilen Alltag als völlig deplatziert erleben würden. Aggressive Härte, Beschimpfungen, sinnlose Zuspitzungen, Unterstellungen bekommen nach meiner Erfahrung regelmäßig deutlich mehr Likes als abgewogene, ruhige Beiträge. Halt die Fresse!

„Ihr Lämmer, Schwestern sind, / mit euch verglichen, die Krähen“ (Enzensberger, Verteidigung der Wölfe gegen die Lämmer)

So wird die sinnliche Armut medialer Umwelten durch sensationelle Inhalte ausgeglichen. Dabei entstehen aber auch Debatten, aus denen sich Menschen, denen an zivilen Strukturen gelegen ist, zurückziehen – was dann Aggressionen nur noch mehr Raum gibt.

Auch das habe ich  im letzten Jahr gemerkt: dass es mir gut tut, mich immer mal wieder eine Weile aus den sozialen Medien zurückzuziehen und auf den nicht-digitalen Alltag zu konzentrieren.

Ich möchte daher diesem Rückblick in ein paar Tagen noch einen anderen, zweiten anhängen, der von den politischen Diskussionen ein wenig ablenkt und der sich auf etwas ganz anderes konzentriert – auf Musik nämlich.

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16 Comments

  • Frohes neues Jahr!

    Nur eine kurze Anmerkung zum Text, der wie immer meinen Horizont erweitert hat: Ich finde es unredlich, der Schule aus Anlass der Corona-Krise vorzuwerfen, in den 90ern stehengeblieben zu sein oder seit Jahrzehnten die Digitalisierung verschlafen zu haben.

    Vor Corona bedeutete „Digitalisierung der Schule“ (jüngstes Schlagwort – hieß früher anders, meinte aber dasselbe ) die Modernisierung des Präsenzunterrichts. Es ging um digitale Whiteboards und die Ausstattung der Schulen: Wie kann man iPads in den Unterricht integrieren?

    Was heute gebraucht wird, ist die Ausstattung für Fernunterricht und die Bereitschaft aller Beteiligten, ihn sinnvoll umzusetzen. Das stellt technisch ganz andere Herausforderungen als das, was wir hätten, wenn die Schulen nicht seit den 90ern die Digitalisierung verpasst hätten.

    Man kann den Institutionen m. E. nicht vorwerfen, dass sie im ersten Lockdown nicht auf digitalen Fernunterricht vorbereitet waren, denn der stand vor Corona einfach niemals zur Debatte und wurde von niemandem gefordert.

    Man kann ihnen vorwerfen, dass sie den Sommer nicht genutzt haben, aber da geht es eben um die Versäumnisse in Monaten, nicht in Jahren.

    • Danke, auch Dir ein frohes neues Jahr, wenn auch spät! 🙂

      Du hast völlig recht – die Digitalisierung hatte nie das Ziel, den Präsenzunterricht zu ersetzen, daran hätte nie jemand gedacht. Aber es fehlte an Schulen oft an basalen digitalen Ausstattungen, für jede Art von Unterricht. Oben im Text habe ich z.B. einen Artikel verlinkt, der von einem Pilotprojekt berichtet, an dessen Ende Berliner Lehrkräfte dienstliche Mailadressen haben sollen. 2021, nicht 1995.

      Ich hab schon lange eine dienstliche Adresse, meine eigene Schule ist auch sehr gut ausgestattet – ich kenne aber andere Schulen, in denen das ganz anders ist. Da war es dann eben wirklich nicht möglich, Aufgaben per Mail hin und her zu schicken, wenn die Lehrer das nicht über ihre privaten Adressen machen sollten.

      Dazu kommt: Wenn die Schulen digital einigermaßen ausgestattet sind, dann sind auch die Lehrkräfte im Umgang mit dem Netz geübt und können leicht umstellen, wenn kein Präsenzunterricht mehr möglich ist. Wir haben z.B. ganze Jahrgänge, in denen alle Schüler iPads haben – das ist für alle der Übergang ins Distanzlernen nicht besonders schwer.

      Auch wenn das Distanzlernen natürlich nie ein Ziel der Digitalisierung war: Dass es heute oft massive Schwierigkeiten verursacht, liegt daran, dass die digitale Infrastruktur der Schulen insgesamt (z.B. zentrale Server, Clouds etc.), die technische Ausstattung der einzelnen Schulen und die digitale Kompetenz der Lehrkräfte in den letzten Jahren jeweils völlig vernachlässigt wurde.

      Es gibt eine Reihe von Lehrern, die sich digital sehr gut zurechtfinden – aber das ist ausschließlich auf deren eigenes Interesse und Engagement zurückzuführen, nicht auf irgendeine übergeordnete Organisation. So sind dann die Unterscheide zwischen den Lehrkräften in dieser Hinsicht auch sehr groß.

      • Also ich stehe der Digitalisierung des Unterrichtes in der Schule skeptisch gegenüber. Zum einen habe ich noch kein wirklich überzeugendes Konzept gesehen, das digitale Medien sinnvoll einbindet. Bestenfalls als Ergänzung des bestehenden Unterrichtes und da kommt es meine Meinung nach viel mehr auf die Person des Lehrers als auf die möglichen digitalen Gimmicks.
        Begrenzt man die Digitalisierung auf di Bereitstellung der Infrastruktur, dann ist es nicht damit getan ein paar Geräte anzuschaffen und ein Netz aufzubauen. Ich würde mich als Lehrer ohnehin weigern irgendwelche administrativen Tätigkeiten im Bereich Netz zu tun. Wer sichert in diesem Falle die Einhaltung der immer bekloppteren Gesetze? Wer trägt die Verantwortung falls, die Schule gehackt wird oder irgendwelche persönlichen Rechte von irgendeiner Schneeflock verletzt werden? Nein das ist selbst im unternehmerischen Bereich zu einem Minenfeld geworden. Ich möchte einfach nicht, dass durch irgendeinen Umstand eine Mine gerade unter mir explodiert.
        Ein weiteres Problem entsteht mit der Alterung der digitalen Geräte, also alle zwei Jahre ein neues Gerät, wie im Buisness üblich dürfte bei dieser Menge einfach zu viel sein.

        • Ich finde die digitalen Möglichkeiten für den Unterricht wirklich gut. Das kommt aber auch auf die Ausstattung an: Wenn die Klassen digitale Boards haben, wenn die Schüler (zumindest in den oberen Klassen) alle mit Tablets ausgestattet sind, und wenn die Schule ein stabiles Wlan hat – dann erleichtert die Digitalisierung nicht nur vieles, sondern schafft tatsächlich auch Möglichkeiten, die es zuvor nicht gegeben hat. Das betrifft zum Beispiel Recherchen im Netz, aber auch die Arbeit mit Apps. Über Mentimeter kann man z.B. sowohl umstandslos Ideensammlungen als auch Stimmungsbilder erstellen. Dabei ist es in der Schule nicht nötig, alle zwei Jahre neue Geräte zu haben. Unsere digitalen Tafeln haben wir jetzt seit acht Jahren, und sie funktionieren – von wenigen Ausnahmen abgesehen – noch gut.

          Ein großer Nachteil ist allerdings tatsächlich nicht einmal die Digitalisierung selbst, sondern die Tatsache, dass die Organisation der Schule damit nicht Schritt hält. Und das wird dann tatsächlich ausbeutend. Es ist ja normal, dass alle möglichen Zusatzaufgaben von Lehrkräften für ein paar Anrechnungsstunden erledigt werden – aber die Organisation und Instandhaltung des Netzwerkes einer großen Schule ist eindeutig keine Aufgabe, die nebenbei mal miterledigt werden kann. An großen Schulen gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit kompetente Kollegen, die das sogar hinbekommen – aber das ist keine faire Organisation. Dafür müssten Extra-Stellen geschaffen werden, die ja auch nicht unbedingt von Lehrkräften besetzt werden müssen.

          • kompetente Kollegen, die das sogar hinbekommen – aber das ist keine faire Organisation.

            Ab einem bestimmten Grad an Abhängigkeit des „Produktivbetriebs“ ist eine nichtprofessionelle Betreuung unverantwortlich. Ich habe einen Bekannten, der betreut zusammen mit anderen ein größeres Netzwerk, das „unternehmenskritisch“ ist und im Prinzip 24h/7d laufen muß. Bei erfolgreichen Angriffen (Angriffe passieren täglich) muß innerhalb von Viertelstunden jemand am Ball sein. Der Bekannte liest jeden Tag die Nachrichten, welche Exploits für welche Betriebssystemversionen und Netzwerkprodukte gerade bekannt geworden sind und wie gut welche Patches sind. Diese speziellen Kenntnisse über die Netzwerkprodukte usw. kann sich kein Lehrer nebenbei beibringen, vom Arbeitsaufwand und der Tag- und Nachtbereitschaft gar nicht erst zu reden.

            Diesen hohen Grad an (teurer) Betreuung braucht nicht jeder. Autarke digitale Boards sind insofern unkritisch, wenn der Lehrer ein paar Webseiten dabei herunterladen muß, ist das auch keine technische Herausforderung, und wenn es mal nicht klappt, dann stirbt keiner. Kritischer sind schon Administrationsaufgaben, elektronische Notenlisten usw. innerhalb der Schule, vor allem qualitativ wegen Datenschutz usw.. Weil das ein überschaubarer Nutzerkreis ist – eben nur die Lehrer und anderes Schulpersonal – sieht das noch überschaubar aus.

            Eine ganz andere Qualität bekommt es, wenn auch alle Schüler und ggf. deren Eltern irgendwelche relevanten Zugänge haben. Die Zahl der Benutzer ist um Größenordnungen höher und die Endgeräte sind viel heterogener. Wenn jetzt auch noch Videokonferenzen dazukommen, hat man auch noch ein Bandbreitenproblem und braucht einen sehr hohen Grad an Ausfallsicherheit.

            Die einzige sinnvolle und finanzierbare Option sind hier mMn zentrale Betreuungseinrichtungen, entweder auf Ebene Bundesland oder Regierungsbezirk, die i.w. das gleiche anbieten wie Amazon Web Services, nämlich standardisierte, sichere Dienste für alle Schulen. Dazu bräuchte jede Schule erst mal eine gute Netzanbindung, und man müßte von der Kirchturmspolitik weg, daß jede Schule andere Systeme benutzt, weil in der einen Schule ein Apple-Liebhaber verantwortlich ist, in der nächsten ein Linuxer usw.

          • „Die einzige sinnvolle und finanzierbare Option sind hier mMn zentrale Betreuungseinrichtungen, entweder auf Ebene Bundesland oder Regierungsbezirk, die i.w. das gleiche anbieten wie Amazon Web Services, nämlich standardisierte, sichere Dienste für alle Schulen.“ Das sehe ich genauso.

            Ich habe mich nach den Erfahrungen im März auch gewundert, warum in dieser Hinsicht in den Sommermonaten überhaupt nichts passiert ist. Dass nicht alle Schulen, die zum Teil nicht einmal dienstliche Emailadressen haben, plötzlich mit Smartboards in allen Klassen sowie dazugehörigem Internet ausgestattet werden – da war zu verstehen, dass die Versäumnisse der letzten zehn Jahre nicht in drei Monaten aufzuholen sind. Auch wenn das natürlich keine akzeptable Situation ist.

            Aber dass auch nichts zentral aufgebaut wurde – und seien es nur zentrale Server, die es allen Lehrern und Schülern ermöglichen, von zu Hause aus Aufgaben digital zu bearbeiten und zu kontrollieren – das verstehe ich nicht. Eigentlich haben im März alle gemerkt, dass über viele Jahre hinweg sehr viel versäumt wurde – und dann haben die Verantwortlichen in Behörden und Ministerien damit einfach weiter gemacht, als ob nichts passiert wäre.

    • Ich bin durch Zufall auf diese Seite bzw. Ihre Texte, Herr Schoppe, gestoßen, die ich sehr klug formuliert finde!

      Zum Thema Digitalisierung: es gibt eine große Schnittmenge zwischen der Ausstattung für digitalen Präsenz- und Fernunterricht. Schulen, an denen es vor Corona bereits Dinge wie Dienstmail, funktionierendes Moodle (für Hausaufgaben, Materialbereitstellung v.a. für Kurse), Hard- und Software für Lehrer (z.B. Dienst-Tablet, digitale Bücher und Begleitmaterialien) schon gab, haben sich natürlich mit deutlich weniger Kraftanstrengung in den Fernunterricht einarbeiten können. An meiner Schule haben einige digital affine Lehrer kurzerhand jede Menge Erklärvideos erstellt, Moodle-Kurse für alle Klassen angelegt, Big Blue Button und einige weitere Funktionen integriert und schon lief der Laden ziemlich reibungslos.

      Will sagen: der Vorwurf von Herrn Schoppe ist durchaus berechtigt.

  • Das ist ja ein Problem sehr vieler Behörden: Anpassungen verlaufen sehr sehr langsam, es müssen Gelder bereitgestellt und bewilligt werden, es müssten Schulungen vorgenommen werden und dann kann man ja auch noch Beamten nur sehr schwer zu etwas zwingen: Wenn sie dicht machen und nicht lernen wollen, dann kann ihnen kaum etwas passieren.
    Was dann vielleicht auch die „Eigenfortbildung“ stark erschwert: Meine Folien benutze ich seit 20 Jahren, warum soll ich da was ändern?
    Nicht falsch verstehen: Natürlich gibt es sehr engagierte Lehrer, aber eben an jeder größeren Schule auch die Immerkranken, die, die sich nicht gegen die Schüler durchsetzen können und die, die einfach weiter machen wie bisher und es gar nicht einsehen, dass sie da was neues machen müssen.

    Und in der Tat ist es faszinierend wie viel Gewicht Youtube in der jüngeren Generation hat. Ich war neulich mal in einer Schule und in der Klasse hingen so eine Art Profile der Schüler, die die mal im Unterricht erstellt hatten. Bei den Mädchen waren bei Interessen zu mindestens 50% Youtubstars schauen dabei, ich meine Bibi.

    Aber auch noch etwas zu dem positiveren: Toll, dass du die Coronazeit für einen besseren Umgang nutzen konntest! Das ist ja leider selten, bei vielen scheint es sich mir eher verschlechtert zu haben.

  • „Aggressive Härte, Beschimpfungen, sinnlose Zuspitzungen, Unterstellungen bekommen nach meiner Erfahrung regelmäßig deutlich mehr Likes als abgewogene, ruhige Beiträge. Halt die Fresse!“

    In der Regel klicke ich Twitter nach ein paar gelesenen Tweets weg, weil mir eben genau das Unbehagen bereitet. Auf der anderen Seite finde ich es es aber auch gut, dass sich Menschen da austoben können, dass sie Worte nutzen können, um ihre Gefühlslage und Sicht auszudrücken.

    Ich sehe die Herausforderung dabei nicht darin, hässliche Äußerungen zu unterdrücken, sie zu blocken oder zu eliminieren, die Autoren zu bestrafen. Oder den Menschen einzureden (wie der Bundespräsident), wer Hass formuliere, der würde auch ganz bald Gewalt praktizieren.
    Die Herausforderung liegt darin, ein gänzlich neues Rezeptionsverhalten zu entwickeln. Zu reflektieren, warum eine Twitter-Hassbotschaft den eigenen Blutdruck in die Höhe und einen mental in die Eskalationsspirale treibt. Zuzulassen, dass da draußen millionenfach extreme Äußerungen aus den Seelen kriechen, die man den dazugehörigen realen Menschen nie zutrauen würde.

    Es ist wie bei vielen im Auto: Sie schimpfen und fluchen über andere Verkehrsteilnehmer mit justiziablen Begriffen, drohen sogar explizit Gewalt an. Ihr Fahrzeug ist da ihre Echokammer. Dieses menschliche Verhalten ist alt und wird durch sog. soziale Medien nur präsenter.

    Wir müssen lernen, das zu dulden. Denn Worte und die dahinterliegenden Gedanken sind sozial zu wichtig, um sie systemisch zu unterdrücken.
    Wie gesagt, wenn es mir too much wird, klicke ich Twitter weg. Wenn ich mich im Straßenverkehr zu sehr aufrege, dann nehme ich die Straßenbahn.

    Ich bestimme, was das Problem für mich ist und wie viel es von meiner Persönlichkeit einnimmt. Wenn das zu viel ist, dann muss ich an mir arbeiten – und nicht an den gefühlten Spinnern da draußen.

  • Reizvoll ist diese Welt also nicht durch eine dichtere Sinnlichkeit, die ist dort bis auf weiteres nicht zu erwarten. Reizvoll ist sie, weil die sinnliche Verarmung dadurch ausgeglichen werden kann, dass wir simplen Zugriff auf extreme Erfahrungen haben, die den meisten von uns im Offline-Alltag sehr fern sind: …

    Ich habe mich in letzter Zeit viel mit Medien und deren Rolle in einer Demokratie beschäftigt, u.a. wegen der hier angerissenen Frage, warum die Leute so viel Zeit in den Medien verbringen, obwohl es ziemlich offensichtlich ist, wie schädlich dieser Konsum ist. Man kommt dabei zu recht frustrierenden Antworten. Das war das Thema der letzten Folge meiner Blogpost-Reihe über die Mediendemokratie, und ich habe lange überlegt, ob ich als Titel „Brot und Spiele“ nehmen sollte (es ist dann Der mediatisierte Staatsbürger geworden, weil das Brot fehlte). Der dort zitierte Neil Postmans und sein „Wir amüsieren uns zu Tode“ hat es schon in den 1980ern erkannt: Unterhaltung übt eine hypnotische Anziehungskraft aus (welche Art von Unterhaltung, hängt vom Individuum ab) und bedient die Sucht nach Unterhaltenwerden. Der Zugriff auf extreme Erfahrungen ist dabei ein Klassiker. Während man bei Gladiatorenwettkämpfen oder beim Stierkampf lieber aus sicherer Entfernung von der Tribüne aus zusieht, kann man bei Twitter und anderen Medien im Schutze der Anonymität sogar selber mitmischen. Der Kick ist so ähnlich wie bei VR-Ballerspielen.

    Eigentlich müßte man sich ja die Sinnfrage stellen: wieso lese ich Tweets oder anderes Material? Was fange ich mit dem an, was ich da „gelernt“ habe? Dient es nur dazu, ein Gefühl zu erzeugen, daß ich „informiert bin“ und mitbekomme, was sich abspielt (also daß ich „Datensenke“ bzw. Endverbraucher von Informationen bin)? Hat es irgendwelche operationalen Konsequenzen dergestalt, daß ich etwas Konkretes mache?

    Auf die Sinnfrage gibt es mehrere Antworten: (a) Unterhaltung, (b) politische Debatten, (c) echtes Lernen und ggf. weitere. Nur wenn ich mir den Sinn klar gemacht habe, z.B. politische Debatten, und dann überhaupt noch Twitter o.ä. in Betracht ziehe, dann werde ich klare Kriterien haben, wie ich mich vor dem grassierenden Datenmüll schütze und mit wem ich überhaupt reden will. Dann haben extreme Erfahrungen auch keinen Wert mehr und ich konsumiere das nicht mehr.

    Der größte Feind sitzt in einem selber: die Sucht nach Unterhaltung, also der unkontrollierte Konsum (nichts gegen dosierte Unterhaltung zwecks Entspannung).

  • Das ist die Tragik des digitalen Zeitalters. Eine totale und instante Verfügbarkeit allen abstrakten Wissens führt eben nicht automatisch zu mehr Intellektualität und dem gesteigerten Gebrauch von Verstand und Vernunft, sondern kann eben auch prima der Verbreitung von emotinalen Schund dienen. Und nicht so selten hat man den Eindruck, dass letzterer alles überlagert und zukleistert. Wenn man aber Geduld hat, dann enttäuscht einen „das Internet“ nicht, man muss ja nicht gebannt und fixiert auf die ganzen „schellenlauten Toren“ starren …..

  • Die sozialen Medien haben wesentlich dazu beigetragen, dass alles, aber wirklich alles Teil des politischen Kampfes wird. Die Kampfzone wird beständig ausgeweitet. Als Beispiel mag die Maskenpflicht dienen. Die Frage, die sich in diesem Fall stellt ist doch: Was ist der Nutzen der Maskenpflicht, ist die Pflicht gerechtfertigt. Es zeigt sich, dass Befürworter und Kritiker/ Gegner sich entlang politischer Präferenzen formieren, obwohl es sich um Sachfragen handelt, nicht unmittelbar um weltanschauliche Dinge. Dazu aber werden sie gemacht, zu einem von vielen Distinktionsmerkmalen, das anzeigt, welcher Sippe die Loyalität gilt. Das ist doch alles ziemlich verrückt.

    • „Es zeigt sich, dass Befürworter und Kritiker / Gegner sich entlang politischer Präferenzen formieren, obwohl es sich um Sachfragen handelt, …“

      Soweit ich weiß, ist das allgemein so. Bei allen Ansichten und Meinungen, die über unmittelbares Fühlen und Handeln hinausgehen, orientieren sich die Menschen weniger an sachlicher Information, als vielmehr an menschlichen Referenz-Gruppen.

      Ob ich an den Klima-Kollaps glaube (oder an die Auferstehung …), hängt nicht davon ab, welche Informationen ich hierzu habe und wie ich diese beurteile, sondern welcher Gruppe von Leuten ich mich zugehörig fühle.

      Gruppenzugehörigkeit ist für Menschen wichtiger als Wahrheit.

  • Im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Unterrichts fehlen mir dann doch ein paar Aspekte. Ich erinnere mich daran, dass mir meine Kinder auf „die Schule“ angesprochen selten etwas über die einzelnen Fächer und Unterrichtseinheiten erzählt haben, aber immer etwas über die Interaktion mit Mitschülern und Lehrern. Offenbar sind die Schulpausen deutlich wichtiger, als die Verabsolutierung der Digitalisierung als bildungspolitisches Allheilmittel. Dann konstatiere ich, dass – insbesondere die Naturwissenschaften – natürlich eigentlich keine digitalen Experimente durchführen können. Es macht einen Unterschied, sich die Wirkweise einer elektr/on/ischen Schaltung per Videoclip anzuschauen oder die Schaltung selbst zu stecken. Ähnliches für Chemie oder Biologie. Fatal auch, dass Werkunterricht/Basteln praktisch unmöglich sind. Nicht jeder hat die Möglichkeit, zuhause auch mal einen Nistkasten zu bauen. Ganz zu schweigen vom Sportunterricht, zumal ja auch der Vereinssport Corona-Opfer ist. Ich vermag mir die Konsequenzen noch nicht auszumalen. Vielleicht können Sie, lieber Herr Schoppe, ja mal einen kleinen Artikel darüber schreiben. Mein Eindruck der vorherrschenden Berichterstattung scheint der zu sein, dass das aufziehende Desaster beschwiegen wird, obwohl die Jugendpsychiatrien überlaufen sind.

    Da ich keine (a)sozialen Dienst nutze, kann ich nur bedingt zum verfallenden Umgangston Stellung nehmen. Allerdings fällt mir auch in den Leserkommentarspalten der Online-Medien der aggressivere Grundton auf. Ich hätte mir doch einen stärkeren zivilisatorischen Firnis gewünscht. Es scheint so, dass man Andersdenkenden mittlerweile kaum noch das Recht auf Leben einräumt. Übrigens auf beiden Seiten des politischen Spektrums. Es verblüfft mich besonders deshalb, weil die Protagonisten tatsächlich der Meinung zu sein scheinen, dass knapp dreistellige „Likes“ aus ihrer Echokammer die eigene Wahrheit beweisen. Es grenzt an Wahnsinn.

  • Feministinnen bekommen Unterstützung von den sogenannten Pseudo-Evolutionsbiolog*innen. Jetzt sollen wir Menschen, insbesondere Männer uns moralisch und gesellschaftlich dem Tierreich angeglichen werden. Unfassbar…

    Wie Männer sich die Macht über Frauen nahmen und warum das jetzt aufhört
    In der Natur kontrollieren Weibchen den Zugang zu Sex. Die Biologie nennt das FEMALE CHOICE. Bis zur Sesshaftwerdung galt das auch für den Menschen. Doch dann schufen die Männer eine Zivilisation unter Ausschluss der Frauen. Doch die finden langsam zu ihrer natürlichen Stärke zurück. Uralte Geschlechterverhältnisse sind endlich in Bewegung. Die Zeit ist reif, das Zusammenleben von Frauen und Männern neu zu denken.

    »Wo und wann nahm die Ungleichheit der Geschlechter ihren Anfang? Über dieses Buch wird debattiert und gestritten werden! Das ist gut, denn dann müssen es viele Menschen lesen!«
    Petra Hartlieb

    »Meike Stoverock entreißt Biologie und Geschichte all jenen, die in der Geschlechterdebatte schon immer gewusst haben wollen, wie Männer und Frauen so sind.«
    Nils Pickert, pinkstinks.de

    FEMALE CHOICE ist ein Fachterminus aus der Biologie, der die Fortpflanzungsstrategie der allermeisten Lebewesen beschreibt. Hierbei müssen Männchen eine Leistung erbringen, um sich mit einem Weibchen zu paaren. Denn für das Weibchen ist Fortpflanzung viel aufwändiger. Sie ist wählerisch, er anspruchslos. Er geht auf Masse, sie auf Klasse. Er konkurriert, sie entscheidet. Doch im Laufe der Geschichte unserer Zivilisation hatten die Frauen bisher kaum eine Wahl. Mit der Landwirtschaft wurden die Menschen sesshaft und die Frauen aus der Öffentlichkeit ins private Heim gedrängt. Erst seit – evolutionsbiologisch – sehr kurzer Zeit können Frauen die Welt mitgestalten. Und nun gerät die männliche Ordnung ins Wanken. Überall formiert sich männlicher, zum Teil gewaltbereiter Widerstand. Was nun? Klug, provokant und anschaulich beschreibt Meike Stoverock nicht nur, wo die Menschheit vor über 10.000 Jahren falsch abgebogen ist, sondern auch, was sich ändern muss, damit Männer und Frauen eine gemeinsame Zukunft haben.
    https://www.amazon.de/Female-Choice-Anfang-m%C3%A4nnlichen-Zivilisation/dp/360850480X

    https://www.augsburger-allgemeine.de/kultur/Journal/Trend-Polyamorie-Ueber-das-Leben-in-einem-Liebesrudel-in-Augsburg-id59103206.html

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