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Wie man sich eine Hassmaschine bastelt

geschrieben von: Lucas Schoppe

Anstatt politische Institutionen zu kritisieren, inszenierte DER SPIEGEL einen Kampf der Dunkelheit gegen das Licht

 

Stories bring us together, untold stories keep us apart. Elif Shafak

 

Einer kleinen NGO werden durch einen Beschluss des Bundestages 400.000 Euro zur Verfügung gestellt. Wenig im Vergleich zu dem, was andere bekommen – aber sehr viel und sehr hilfreich für diesen Verein, der sich dafür einsetzt, in der Geschlechterpolitik auch Interessen von Männern und Jungen zu beachten. Das zuständige Ministerium aber blockiert und verschleppt die Auszahlung.

Medien untersuchen das Agieren des Ministeriums nicht, sondern unterstützen es fraglos. Wie so etwas möglich ist, wird deutlich an einer Titelgeschichte, die vor einigen Wochen im SPIEGEL erschienen ist. Ihre Analyse lohnt sich auch heute noch.

 

Ein Ministerium versteckt Foschungsergebnisse und pfeift auf den Bundestag

Am Ende des vergangenen Jahres berichteten Spiegel, taz und Neues Deutschland empört über einen Beschluss des deutschen Bundestags: Aus den Mitteln des Familienministeriums wurden für das Forum Soziale Inklusion 400.000 Euro bereitgestellt.

Das FSI setzt sich dafür ein, in der Geschlechterpolitik auch auf Nöte von Männern und Jungen zu achten und Anliegen von Männern und Frauen im Zusammenhang miteinander zu betrachten, nicht als Gegensätze. Familien, auch Trennungsfamilien, seien beispielsweise als gemeinsames System zu verstehen. Beim Nullsummenspiel zwischen Vätern und Müttern hingegen, bei dem eine Seite nur gewinnen kann, wenn die andere verliert – verlieren in jedem Fall die Kinder.

Spiegel, taz und Neues Deutschland stellen das Forum Soziale Inklusion deshalb als „antifeministisch“ hin. Dass sie damit kein sonderlich günstiges Bild vom Feminismus zeichnen, entgeht ihnen allerdings. Für die grüne „Heinrich Böll Stiftung“, die jährlich mit etwa 70 Millionen Euro aus Steuermitteln finanziert wird, unterstellt Thomas Gesterkamp dem Forum schlankweg Betrugsabsichten:

Systematische Täuschung und das Provozieren von Verwechselungen gehören zum maskulinistischen Kalkül.

Obwohl die Anschuldigung erheblich ist, liefert Gesterkamp dafür keine Belege. Er kennt das Forum Soziale Inklusion nicht näher und hat niemals ein Gespräch mit dessen Verantwortlichen geführt. Der Vorwurf der „Täuschung“ basiert daher bloß darauf, dass die Positionen des Vereins mit seinen Vormeinungen nicht übereinstimmen. Die grüne Stiftung agiert hier ganz wie ein kürzlich abgewählter amerikanischer Präsident, der lauthals „Täuschung“ und „Betrug“ beklagt, wenn die Welt anders ist, als er sie sich vorgestellt hat.

Das Familienministerium hat derweil bis heute das Geld für das Forum Soziale Inklusion nicht ausgezahlt. Aktiv wurde es lediglich, als es wenige Tage nach der Bundestagsentscheidung noch schnell noch seine Förderrichtlinien änderte. Auf Informationsersuchen des FSI antwortet es bis heute ausweichend.

So hintertreibt ein Ministerium eine demokratische Entscheidung des gewählten Parlaments mit dem bewährten Mittel der administrativen Verschleppung. Anstatt wiederum ihre Aufgabe als Opposition zu erfüllen und die Rechte des Parlaments gegenüber der Regierung zu behaupten, orchestrieren die Grünen dieses Regierungshandeln auch noch, ihrerseits mit öffentlichen Mitteln. Anstatt schließlich dieses undemokratische Agieren von Regierung und Opposition zu analysieren, übernehmen Medien die grüne Darstellung ungeprüft. All dies auf Kosten einer kleinen NGO.

Ganz ähnlich agiert das Familienministerium bei der wichtigen und mit 1,2 Millionen Euro geförderten Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht“, deren Ergebnisse nun schon seit Jahren überfällig sind. Hier immerhin hat der Spiegel kurz berichtet und gezeigt, wie etwa die Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr (FDP) seit Jahren hingehalten wird, wenn sie etwas über die Ergebnisse der Studie erfahren möchte. Oder dass Beiratsmitglieder wie die Rechtswissenschaftlerinnen Hildegard Sünderhauf oder Dagmar Coester-Waltjen sich „unwillkommen“ fühlen und ihrerseits auf Informationen warten müssen.

Den Hintergrund für diese Verschleppung – die FAZ schreibt gar von einer Sabotage der Forschung – hat die Familienministerin selbst unverblümt deutlich gemacht: Sie beruft sich ausdrücklich auf beteiligte „Interessenlagen“ – als ob das eine Legitimation wäre und keine Selbst-Belastung.

Nun sind politische Interessen bei der Auswertung von Studienergebnissen sicherlich relevant – aber doch nicht bei der Frage, ob diese Ergebnisse öffentlich finanzierter und öffentlich relevanter Forschung überhaupt zugänglich gemacht werden.

Es liegt nahe, dass die Studie eben die Ergebnisse bestätigt, zu denen internationale Studien schon seit Jahren gelangen – dass es nämlich für das Wohl von Trennungskindern sehr wichtig ist, einen guten Kontakt zu beiden Elternteilen zu behalten. Die Vermutung lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die Studienergebnisse eben deshalb zurückgehalten werden, weil sie die Position einer gemeinsamen elterlichen Sorge, auch in Doppelresidenz, stärken und die Position der mit Millionen geförderten Alleinerziehendenverbände schwächen könnten.

Stattdessen finden sich immer neue Gründe dafür, die Ergebnisse zurückzuhalten: der Tod eines der beteiligten Wissenschaftler – die nirgends nachvollziehbar erklärte Notwendigkeit, die Ergebnisse der Studie umfassend zu überarbeiten – und neuerdings plötzlich wiederentdeckte Datenschutzbedenken, mit denen die Studie nun möglicherweise endgültig begraben wird.

Zur Erinnerung: Bei alledem geht es nicht um die Abwehr irgendwelcher antifeministischer Frauenfeinde, die sich Frauen an häusliche Herde zurückwünschen. Es geht um die selbstverständliche Frage, wie Erwachsene beiderlei Geschlechts ihrer Verantwortung für das Wohl von Kindern gerecht werden können.

So könnte eine Regierung kaum agieren, wenn sie nicht medialen Geleitschutz hätte. Der kritische Blick von unten nach oben, von den Regierten auf die Regierenden, wird dabei ersetzt durch einen missgünstigen Blick der Regierten aufeinander, die sauber in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt und gegeneinander in Position gebracht werden. Zum Beispiel in einer Titelgeschichte des Spiegel, die vor gut einem Monat veröffentlicht wurde. Verfasst wurde sie von Maik Baumgärtner, Marcel Rosenbach, Roman Höfner – und von Ann-Katrin Müller, die für das Magazin zuvor schon das Forum Soziale Inklusion ohne weitere Belege als „antifeministischen Verein“ präsentiert hatte.

 

Mörder, Incels, Stammtischfutter

Unter der Überschrift „Erst Hass, dann Mord“ schreiben sie über die „düstere Welt enthemmter Männer“, bei denen „Onlinehetze und Offlinegewalt“ eng zusammenhängen würden. Schon die Überschrift greift also auf eine Hell-Dunkel-Metaphorik zurück, in der Wesen der Dunkelheit als Bedrohung für andere erscheinen.

Die Titelgeschichte beginnt mit der ungeheuer grausamen Vergewaltigung und Ermordung einer Zwölfjährigen in der Nähe von Neuburg an der Donau. Der Mörder, der 26jährige Stefan B., habe schon vorher oft frauenfeindliche Nachrichten im Netz gepostet und zudem offen mit Rechtsradikalen sympathisiert. „Wegen seiner Internetaktivitäten wurde B. über die Jahre nicht gestoppt, trotz der öffentlich einsehbaren Nachrichten.“

Der Eindruck, dass die Polizei mit dem Internet „einen Tatort (…) nicht im Blick“ gehabt habe, ist irreführend – B. hatte wenige Monate vor seiner Tat vor Gericht gestanden, weil er Frauen im Netz zum Sex aufgefordert hatte. Er hatte eine lange Geschichte von Gewalttaten, Verurteilungen, war arbeitslos und wohnte in einer Obdachlosenunterkunft.

Auch diese letzten Informationen lässt der Spiegel-Text aus, sonst wäre es auch schwerer gewesen, den Mörder als repräsentativ für die „Manosphere“ im Internet hinzustellen. Zu der gehörten, so der Text, neben Pick-Up-Artists und Incels auch „Männerrechtsaktivisten“ – Gruppen, die bei unterschiedlich intensiven Angriffen auf Frauen allesamt dasselbe Ziel hätten: „Es geht um den Kampf gegen Gleichberechtigung“.

So etwas wird von Philosophen manchmal als „mereologischer Fehlschluss“ bezeichnet, außerhalb der Philosophie eher als „Stammtischargument“. Dazu gehört das Manöver, extreme Einzelbeispiele als typisch für die Menschen einer ganzen Gruppe hinzustellen. Wir kennen das ausführlich von der AfD, wenn sie schlimmste Vergewaltiger als repräsentativ für Migranten präsentiert.

Stammtisch – das sind selbstverständlich immer nur die anderen

Im Spiegel-Text ist Stefan B. Aufhänger, um eine direkte Verbindung zwischen Äußerungen von Männern im Internet, frauenfeindlicher Gewalt und Rechtsradikalismus zu etablieren: „Mörder und Terroristen töten, weil sie Frauen hassen.“ Dazu gehörten auch „Incels“, deren „Verachtung und Wut sind nicht nur gegen Frauen gerichtet, sondern meist auch rassistisch geprägt“ sei.

Incels sind unfreiwillig zölibatär lebende (involuntary celibacy) Menschen. Dass der Begriff „Incel“ in sozialen Medien zu einem Synonym für „Frauenhasser“ geworden ist, hat mehrere Gründe. Einerseits gehen fast alle der Texte über Incels, die sich auf den ersten Google-Seiten finden, auf dieselbe Quelle zurück: auf Veronika Kracher, deren Texte allerdings nicht ohne Gegencheck gelesen werden sollten.

Andererseits habe ich in einem einschlägigen Forum, incels.is, ein wenig herumgelesen und fand es tatsächlich abstoßend, mit welcher Selbstverständlichkeit dort der Begriff „women“ durch „holes“ oder „toilets“ ersetzt wurde. Wer so daherschreibt, pflegt nicht nur im konstanten Circle Jerk seine Verachtung, sondern versucht auch gar nicht erst, die eigene Situation auch Menschen außerhalb der eigenen Echokammer begreifbar zu machen.

Dass Incel-Männern der intime, partnerschaftliche Kontakt mit Frauen fehlt, kann also über das persönliche Problem hinaus auch zu einem Problem der Kommunikation insgesamt werden. Ohne den direkten kommunikativen Austausch werden Frauen zur bloßen Projektionsfläche – über sie wird geredet, aber nicht mit ihnen. Es ist nicht verwunderlich, dass sich Incel-Gruppen in dieser gestörten Kommunikationssituation bis hin zu Gewaltphantasien radikalisieren können.

Das Spiegel-Team führt als Beispiel Elliot Rodger an, der sechs Menschen ermordet hatte. Unerwähnt bleibt im Text,  dass vier der Opfer Männer waren: Rodgers Wut richtete sich gegen Frauen, die ihn als Liebhaber nicht interessant fanden, und gegen Männer, die bei Frauen mehr Erfolg hatten als er. Seine Gewalttätigkeit ist eng verknüpft mit einer tiefen, ihrerseits pathologisch anmutenden Abhängigkeit von weiblicher Beachtung.

Dass ein anderer Incel in Toronto zehn Menschen ermordete und eine „Incel-Rebellion“ verkündete, lässt es im Spiegel-Text dann völlig plausibel, ja überfällig erscheinen, dass „die fanatischen, teils militanten Frauenhasser“ als Terroristen eingestuft werden müssen. Immerhin sei auch der rechtsradikale, antisemitische Attentäter von Halle „ein erklärter Frauenhasser“.

Würde das Autorenteam allerdings andere, naheliegende Fälle mit einbeziehen, dann würde das den Eindruck allerdings stören, rechte Gewalt sei eine spezifisch frauenfeindliche Gewalt.

 

Frauenhass und Männerhass

Beim Massenmord in Hanau im Jahr 2020 wurden beispielweise zehn Menschen getötet – acht davon waren Männer, eine der beiden ermordeten Frauen die Mutter des Mörders. Obwohl der Spiegel-Text fast genau zum ersten Jahrestag dieser Verbrechen erscheint, werden die Taten dort nur ganz beiläufig erwähnt – und ohne weitere Erklärung als „antifeministisch“ eingestuft.

Die Mordserie des NSU richtete sich ebenfalls gezielt gegen Migranten und durchweg gegen Männer. Das einzige weibliche Opfer der Mordserie war eine Polizistin ohne Migrationshintergrund. Im Spiegel werden die Opfer jedoch geschlechtsneutral als „zehn Menschen, überwiegend mit Migrationshintergrund“, dargestellt.

Insgesamt sind die Todesopfer rechtsextremer Gewalt weit überwiegend männlich, nach einer Statistik der Zeit aus dem Jahr 2018 wurden in der Bundesrepublik 155 Männer und 29 Frauen von Rechtsextremen getötet. 

Das ist nicht verwunderlich. Wer Migration als „Invasion“ fantasiert, der nimmt auch Migranten als feindliche Soldaten wahr. Das mobilisiert und legitimiert dann nicht nur wahnhaft Gewalt gegen sie – sondern bedingt eben auch eine Konzentration dieser Gewalt auf männliche Opfer.

Dass rechtsradikale Gewalt sich vor allem gegen Männer richtet, ist also nicht allein ein statistisches Phänomen, sondern lässt sich auch inhaltlich erklären. Das schließt nicht aus, dass sie auch spezifisch frauenfeindliche Aspekte hat – etwa im Hass auf berufstätige Frauen, die dem Ideal der Mutter im Mittelpunkt des Volkes nicht entsprechen.

Im Spiegel aber ist die Auseinandersetzung mit rechtsradikaler Gewalt bloß Mittel zum Zweck – interessant nur gerade dann, wenn die Geschlechterfantasien des Autorenteams bestätigt werden. Mit der stereotypen Verknüpfung von Männlichkeit, Gewalt und Rechtsradikalismus schieben die Journalisten gar einen Großteil der Opfer stillschweigend an die Seite ihrer Mörder.

Wenn wir nach der Bedeutung des Geschlechts im Rechtsradikalismus fragen, dann ist es sinnlos, den offenkundigen und spezifischen Hass auf Männer zu ignorieren.

Arbeitsteilung im SPIEGEL: Die Kolumnistin Margarete Stokowski macht sich höhnisch darüber lustig, dass in fast allen Altersstufen deutlich mehr Männer als Frauen an Corona sterben – und eine Titelgeschichte prangert geschlechtsspezifische Aggressionen im Internet an.

Das gilt so auch für den norwegischen Massenmörder Anders Breivik, der im Text gleich vier Mal genannt und als Beispiel für „Antifeminismus“ vorgestellt wird. Das ist zumindest irreführend. Tatsächlich wirft Breivik in dem „Manifest“, in dem er seine Morde wirr zu begründen versucht, dem Feminismus vor, Männer so verweiblicht zu haben, dass sie zur Verteidigung ihres Landes und ihrer Frauen nicht mehr bereit und fähig wären. Die wesentliche Schuld an solchen verachtenswerten Männern trügen allerdings nicht Feministinnen, sondern „Kulturmarxisten“. Das wiederum sind Linke im Gefolge der Frankfurter Schule, die von der amerikanischen Rechten schon lange und weitgehend kenntnisfrei als Zersetzer der westlichen Gesellschaft fantasiert werden.

Breivik hat Frauen und Männer, Mädchen und Jungen unterschiedslos ermordet. In seinem Manifest denkt er jedoch spezifisch über das Töten von Frauen nach – und dies nicht, weil er gezielt Frauen töten möchte, sondern weil das Töten von Frauen für ihn im Unterschied zur Tötung von Männern ein Problem darstellt. Frauen sind für ihn nämlich eigentlich, so wörtlich, „zu wertvoll, um sie in Gefahr zu bringen“. Zum soldatische Mann hingegen gehört auch hier die Bereitschaft, sich opfern zu lassen.

Mit seinen Geschlechterklischees und seiner spezifischen Unempfindlichkeit gegenüber männlichen Gewaltopfern steht Breivik damit den Spiegel-Journalisten deutlich näher als den Männerrechtlern, die im Text eigentlich diskreditiert werden sollen.

 

Der toxische Bundestag

Es ist natürlich vollkommen legitim, sich für die Interessen einer bestimmten Gruppe einzusetzen und dabei nicht immer auch die Interessen anderer Gruppen einzubeziehen. Das geht gar nicht anders. Aber wenn jemand behauptet, spezifische Probleme einer bestimmten Gruppe herauszustellen, die andere Gruppen eben nicht haben – dann gehört es aus simplen logischen Gründen dazu, die Erfahrungen dieser anderen Gruppen mit einzubeziehen und die eigene Position daran zu überprüfen. Der Vorwurf des „Whataboutism“ oder die hämische „What about te menz?“-Frage sind dann deplatziert.

Wir verstehen soziale Erfahrungen von Menschen ohnehin besser und reicher, wenn wir die Erfahrungen anderer Menschen nicht ausblenden.

Beim Blick in den Bundestag hingegen berichten die Spiegel-Schreiber allein über Bedrohungen, die weibliche Abgeordnete erhalten, und schließen dann daraus, dass auch im Bundestag selbst „eine toxische Atmosphäre“ herrsche. In einer Befragung des Spiegel hätten nämlich 72% der antwortenden weiblichen Abgeordneten „Frauenfeindlichkeit innerhalb des Parlaments“ erlebt.

Im Zentrum toxischer Männlichkeit?

Ich bezweifle das nicht. Ich habe zwar selbst zu MeToo-Zeiten einmal darüber geschrieben, dass auch Männer sexualisierte Grenzverletzungen erfahren. Aber ich habe auch schon junge Frauen von häufigen, selbstverständlichen sexualisierten Übergriffigkeiten berichten hören und kann mir daher vorstellen, dass solche Erfahrungen für einige Frauen alltäglich sind, während sie für mich Einzelfälle bleiben.

Doch selbst bei diesem Thema, bei dem sich möglicherweise durchaus Geschlechterunterscheide nachweisen ließen, sind die Spiegel-Informationen auf seltsam willkürliche Weise selektiv. Arne Hoffmann verweist in seiner Kritik des Textes schon darauf, dass Männer nach einigen Studien online häufiger Attacken wie Beleidigungen oder Bedrohungen erhielten – und deutlich häufiger stark oder extrem stark beunruhigende Drohungen.

Ein ganz anderes, kleineres Beispiel für die Auslassungen des Textes. Die FDP-Abgeordnete Katja Suding berichtet über respektlose Kommentare zur Kleidung von Frauen aus der AfD. Unerwähnt bleibt, dass für die bekannteste sexistische Attacke auf sie ein (mittlerweile aus anderen Gründen ausgetretener) Grüner verantwortlich war. Er hatte 2015 das gute FDP-Ergebnis in Hamburg neidisch mit dem Satz kommentiert, Suding habe „mit Titten und Beinen anstatt Inhalten“ gewonnen. Diese Information hätte die strikte Verknüpfung von Frauenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus im Spiegel-Text zumindest irritiert.

Vor allem aber überprüfen die Spiegel-Journalisten nicht, wie aussagekräftig die Ergebnisse ihrer Befragung überhaupt sind. Nur etwas mehr als ein Viertel aller angefragten weiblichen Bundestagsabgeordneten hat überhaupt geantwortet – was keine hohe Quote ist angesichts der Hypothese, dass Frauen im Bundestag durchgängig unter einer „toxischen Atmosphäre“ zu leiden hätten.

Warum annähernd drei Viertel der Frauen nicht geantwortet haben, interessiert die Befrager nicht. Sie kommen auch nicht auf die naheliegende Idee, dass möglicherweise eben diejenigen Frauen geantwortet haben, die Frauenfeindlichkeit im Parlament als dringendes Problem ansehen – so dass das Ergebnis durch diese Selbstselektion verzerrt sein könnte.

Das bedeutet weder, dass Frauenfeindlichkeit im Bundestag kein Problem wäre, noch, dass Attacken auf weibliche Abgeordnete keinen spezifischen sexistischen Einschlag haben – beispielsweise in Vergewaltigungswünschen, die der Artikel wiederholt zitiert. Das aber können wir nur dann einschätzen, wenn wir Erfahrungen von Frauen und Männern zur Kenntnis nehmen und miteinander vergleichen. Insgesamt schreiben die Spiegel-Journalisten jedoch so, als hätten sie noch nie etwas vom Mord an Walter Lübcke gehört.

 

Mit Breivik und Relotius

Oder als wäre Claas Relotius für das Magazin stilbildend geworden: Die Journalisten blenden aus, was nicht zu ihren Vormeinungen passt –  sie überprüfen Daten nicht kritisch, sobald sie Vormeinungen bestätigen – und geben den Akteuren, die im Text angegriffen werden, keine Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Die „Manosphere“ wird auf diese Weise insgesamt und unterschiedslos als düstere Welt enthemmter Männer hingestellt, als Hetzmaschine. „Männerrechtler“ werden nicht einmal zitiert, aber selbstverständlich in diese düstere Welt einsortiert, als wären sie alle heimlich im Bündnis mit dem Massenmörder Breivik.

Damit ist die Kommunikation hier in ähnlicher Weise gestört wie in sich selbst radikalisierenden Incel-Foren, nur eben mit ungleich größerer Reichweite. Wenn nur über Menschen geredet wird, aber die Erfahrung der Kommunikation mit ihnen fehlt – dann können sie beliebig zur Projektionsfläche aufgebaut werden. Da sie wiederum beliebig projektiv besetzt und hier als enthemmte Frauenfeinde fantasiert werden, legitimiert sich ihre Ausblendung aus dem Diskurs.

Ein Journalismus aus der Echokammer für die Echokammer, Circulus Vitiosus und Circle Jerk zugleich.

Auch wenn das Forum Soziale Inklusion wider Erwarten und trotz einiger Schikanen des Familienministeriums die bereitgestellten 400.000 Euro noch erhält, würde es damit wesentlich weniger Mittel haben als Organisationen wie etwa der Alleinerziehendenverband. Es gäbe aber einen kleinen Riss in den selbstbezüglich abgeschotteten Kommunikationsstrukturen der institutionalisierten Geschlechterpolitik.

Möglicherweise ist das schon Grund genug für die heftigen Attacken auf die kleine NGO. Die Spiegel-Titelgeschichte jedenfalls stellt einen Rahmen bereit, mit dem das undemokratische Verhalten des Familienministeriums ideologisch orchestriert werden kann.

Ann-Katrin Müller, Autorin der Spiegel-Titelgeschichte und eine der entschiedenen journalistischen Gegnerinnen des Forum Soziale Inklusion, wendet sich bei Twitter direkt an „Sexisten“, die auf den Text mit sexistischen Schimpfwörtern wie „Fotzenjournalismus“ geantwortet hätten. Ich hatte von diesem Begriff noch nie gehört und ihn daher – zur Empörung meines katholischen Kindheits-Ich – über die Suchfunktion nachgeschlagen.

Das Netz als düstere Welt enthemmter Männer? Wenn es nicht so bescheuert wäre, wäre es ein wenig mitleiderregend, wie dieser User völlig erfolglos über mehrere Tweets hinweg seinen Hashtag zu etablieren versucht. Müller wiederum kann auf große Unterstützung durch Frauen UND Männer bauen.

Müllers Reaktion darauf hingegen findet sogleich bei Frauen und bei Männern mehrtausendfach Unterstützung, ebenso ihre Versicherung, dass sie „trotzdem weiter solche Themen“ recherchieren werde. Ihr Ärger über den Begriff ist damit nicht unbegründet, er bleibt ja trotzdem sexistisch. Die ganz unterschiedlichen Reaktionen zeigen aber, dass in diesem Fall sogar bei Twitter zivile Regeln geschützt werden, und dass Müller als Journalistin keineswegs einer anonymen Front männlicher Hetzer gegenübersteht. Das ist eine gute Nachricht.

Wer hingegen Individuen Gruppen unterordnet und diese Gruppen dann gegeneinander ausspielt, der gefährdet diese zivile Gemeinsamkeit. Der Spiegel, einst „Sturmgeschütz der Demokratie“, bastelt heute selbst an solch identitären Frontstellungen, schützt dabei Institutionen vor Kritik – und assoziiert demokratische Prozesse beliebig mit Akten massiver Gewalt und mit Fantasien des Kontrollverlusts.

Die Kooperation zwischen Eltern ist für Kinder existentiell wichtig. Das gilt auch für Trennungseltern.

Disclaimer: Ich bin Mitglied im Forum Soziale Inklusion. Ein wesentlicher Grund für mich: Ich habe als Trennungsvater an mir selbst und in der Erfahrung mit vielen anderen Vätern erlebt, wie oft Männer in dieser Situation hilflos wütend oder verbittert agieren. Das ist angesichts der Umstände oft völlig verständlich – aber es ist politisch nicht sinnvoll.

Denn wer wütend oder verbittert ist, ist oft auch in der eigenen Perspektive gefangen. Wer hingegen politisch etwas bewirken möchte, muss in der Lage sein, Situationen auch aus der Perspektive anderer einzuschätzen. Jedenfalls dann, wenn er demokratisch agieren möchte.

Das finde ich beim Forum Soziale Inklusion wieder, und stärker, als ich das zuvor von Vätergruppen kannte. Der Vorwurf, das FSI würde eine täuschende Oberfläche bieten, aber intern frauenfeindlich agieren, basiert allein auf den Fantasien der Gegner dieser kleinen NGO. Ich selbst habe dort nie etwas erlebt, was im Widerspruch zur Außendarstellung stand.

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13 Comments

  • Vielen Dank für die unaufgeregte Gegendarstellung.
    Ja, der Schock, dass die Idee, man müsse nur Frauen und Minderheiten zusammenaddieren und sei politisch unbesiegbar – der Schock über das Scheitern dieser Idee, den der erklärte Antifeminist-Trump ausgelöst hat, der ist bis heute nicht vergangen bei der Linken.

    Und deshalb muss eben alles, was Männerpolitik betreibt, stigmatisiert werden: Als Rechtsextreme, Terroristen, Mörder, Irre, Gescheiterte, im Internet-Verstecker etc. – ob es helfen wird es fraglich. Trump war bei Mann und Weib in USA ja sehr beliebt, seine Abwahl ging auf seine katastophale Corona zurück, nicht auf seinen (etwas nervigen) Antifeminismus. Das Thema aber bleibt: Wie kann es der Politik dauerhaft gelingen, steuerzahlende Männer zwischen 25 und 55 so zu marginalisieren, dass „der Rest“ der Wähler von diesem Geld frei bedient werden kann (i.e. deren Stimmen durch Wohltaten gekauft werden), ohne dass erstere die Möglichkeit hätten, sich mehrheitsbildend zu artikulieren. Ganz einfach: Indem man Männer und Frauen auseinanderdividiert, letztere (völlig unrealistischerweise) zu natürlichen Feinden der ersteren erklärt und stattdessen in die Kuschelecke mit Homosexuellen, Alten und Minoritäten holt.

    Ob das in Deutschland gelingen wird? Mal sehen.

    Auf jeden Fall mússen wir Kritischen immer wieder betonen: Feminismus hat mit Frauen nix zu tun (so wenig wie der Sozialismus mit Arbeitern), sondern ist eine linke und linksextreme Ideologie mit starken Anti-Familien-Zügen (noch aus der DDR bekannt). 7% Männer und Frauen sind Feministen; und die meisten Frauen und Männer können mit Feminismus nix anfangen. Das lässt hoffen, und das muss man politisch ausnutzen. Das Problem sind nicht Männer (oder Frauen), das Problem ist der Feminismus und der Linksextremismus dahinter.

    Ich freue mich, dass die FDP das Thema zaghaft puscht, sie kann da ein riesiges Wählerreservoir anzapfen. Das gleiche gilt übrigens nicht für die AfD, die mit Männerrechten erklärtermassen nichts anfangen kann.

  • Lieber Lucas,
    bitte spendiere ein „nicht“:
    „Bei alledem geht es um die Abwehr irgendwelcher antifeministischer Maskulisten,“
    🙂

  • Die geradezu fanatische Abwehrhaltung gegen eine kleine NGO wie „Forum Soziale Inklusion“ lässt sich recht einfach erklären. In ihrem Selbstbild und ihrer Selbstwahrnehmung halten sich so ziemliche sämtliche Feministen für progressiv, d.h. fortschrittlich in einem positiven Sinn. Sie fantasieren sich eine Welt zurecht, in der sie, die Progressiven, sich als Underdog gegen eine etablierte Übermacht männlicher, reaktionärer Interessensvertretung zu behaupten versuchen. Wer diese Selbstwahrnehmung herausfordert, so wie das Forum Soziale Inklusion, der rüttelt an der selbstgebastelten Identität des gesellschaftlich etablierten Feminismus. Wer dieses Identitätskonstrukt in Frage stellt, der erntet ehrlich empfundenen Hass. Der Stadardvorwurf der Rechtsradikalität ist die Krücke, die das eigene Identitätskonstrukt und die Eigenwahrnehmung des institutionelllen Feminismus und seiner Protagonisten stützen soll. Es ist im Grunde unerheblich, welche politischen Positionen das FSI tatsächlich einnimmt.

    Würde sich dieser eingestehen, dass seine Protagonisten aus einer Position der Stärke operieren und dass sie medial gehätschelt werden, der müsste sich der Kritik stellen und könnte sich nicht mehr als Opfer darstellen, das unbedingte Solidarität einfordern kann, sondern sie müssten sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass hier Opfer und Täter nicht so einfach entlang der Geschlechtergrenzen verteilt sind, so wie sie das propagieren.
    So nebenbei hat sich das Forum Soziale Inklusion eines weiteren Verbrechens schuldig gemacht. Der Begriff „Inklusion“ ist ein geschützter, so wie Coca Cola oder Pepsi und darf nicht so ohne weiteres von einem Haufen dahergelaufener (und selbsternannter(!)) Männerrechtler benutzt werden.

  • Ganz herzlichen Dank an alle, die hier kommentiert oder den Text gleich nach seinem Erscheinen weiterempfohlen haben! 🙂

    Ich möchte aber zunächst einmal etwas dazu schreiben, warum es so lange gedauert hat seit meinem letzten Text hier. Das hat mittelbar dann auch wieder etwas mit dem Artikel zu tun.

    In der Corona-Zeit sind unterschiedliche Berufe ja ganz unterschiedlich betroffen – mal als Existenzbedrohung oder -vernichtung bei Selbstständigen, als Überforderung bei Pflegekräften, als ständiges Risiko bei vielen anderen.

    Bei Lehrern ist die Spannweite sehr groß. Wir haben keine Angst um unsere finanzielle Existenz, was eine enorme Erleichterung ist, einige haben zudem seit Monaten tatsächlich ein ziemlich laues Leben – aber für einige ist die Zeit auch sehr anstrengend.

    Ich selbst unterrichte in drei verschiedenen Abschlussjahrgängen (9, 10 und 13) und bin daher durchgehend ohne Einschränkungen im Präsenzunterricht. Ich merke schon lange, dass ich wirklich sehr erschöpft bin, wenn ich zu Hause bin, und abends einfach nur noch meine Ruhe haben möchte. Der Grund ist weniger, dass zum Präsenzunterricht noch Homeschooling dazukommt – sondern dass sich etwa alle zwei Wochen die Bedingungen plötzlich ändern, unter denen wir unterrichten.

    Schule ist aber ein komplexes System und braucht Routinen. Wenn die nicht da sind, wird es für alle zermürbend – für die Schüler wie für die Lehrkräfte.

    Ich schreibe das gewiss nicht, um zu klagen – im Unterschied zu vielen anderen habe ich überhaupt keine finanziellen Existenzängste. Aber ich merke, dass ich, wenn ich daheim bin, einfach keine Konzentration mehr habe, um einen Text zu schreiben. An dem Text oben habe ich daher stückchenweise geschrieben, über mehrere Wochen hinweg.

    Jetzt habe ich seit mehr als einer Woche Ferien, ich habe die ganze Zeit meinen Sohn bei mir, bin deutlich ausgeruhter (schöne Grüße an die Eltern, die im Netz lauthals über die Anstrengung schreiben, ihre Kinder versorgen zu müssen), und so konnte ich den Text jetzt in Ruhe fertigstellen, wenn der Kleine schlief.

    Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass es ohnehin keinen Sinn hat, gegen die weit überlegenen Ressourcen von SPIEGEL, Heinrich-Böll-Stiftung, Ministerien oder anderen Massenmedien anzuschreiben. Aber das finde ich nicht so wild: Es ist ein Unterschied, ob davon abweichende Perspektiven überhaupt zugänglich sind, auch wenn sie nicht mit denselben Ressourcen verbreitet werden können – oder ob es sie gar nicht mehr gibt.

    Was daran aber deutlich wird, ist, wie wichtig es ist, wenn auch für eine inklusive Geschlechterpolitik Ressourcen zur Verfügung stehen.

    Wer Väter aus der Beziehung zu ihren Kindern heraushalten möchte, findet über den Alleinerziehendenverband und andere Organisationen gute Möglichkeiten vor, die eigene Position zu verbreiten – und das womöglich gar auf einer eigens dafür geschaffenen beruflichen Position. Wer auf die Bedeutung beider Eltern für Kinder hinweisen möchte, muss das hingegen in seiner Freizeit, auf eigene Kosten und mit weit unterlegenen Bordmitteln tun.

    Eben deshalb wären die 400.000 Euro für das FSI auch wichtig, auch wenn sie im Vergleich zu dem Geld, dass allein der VAMV bekommt, sehr wenig sind. Aber hier hätten Akteure, die Interessen von Männern und Jungen vertreten und mit denen von Frauen und Mädchen vermitteln möchten, zum ersten Mal so etwas wie eine kleine Fighting Chance.

    Eben deshalb wird die Auszahlung wohl auch so bekämpft und verschleppt. Und nicht deshalb, weil das FSI eine Bande von Frauenfeinden wäre – daran glauben die Leute, die so reden, Gesterkamp, Kemper etc., vermutlich selbst nicht.

    Bei den Ressourcen, die eingesetzt werden könnten, wüsste ich dann auch gern bei Gelegenheit mal, warum für einen Text wie die Spiegel-Titelgeschichte eigentlich vier Leute nötig waren. Sämtliche Informationen sind allen, die sich mit den Themen beschäftigen, längst bekannt – und falls nicht, sind sie an einem Nachmittag bequem zu ergoogeln. Wenn noch dazu, wie hier, das Gegenchecken von Informationen entfällt, könnte ein Mensch, der nichts anderes zu tun hat, solch einen Text wie die Spiegel-Titelgeschichte eigentlich bequem an einem Wochenende allein schreiben.

    Lediglich die Umfrage im Bundestag ist eine neue Information, und diese Umfrage ist unter diesen Bedingungen ein Misserfolg. Zum Vergleich: Ich habe mal an einer großen Schule eine Evaluation eines Unterrichtsmodells gemacht und dazu ziemlich umfangreiche Fragebögen an die Lehrkräfte ausgegeben. Die Rücklaufquote war schließlich bei 100%. Das ist durchaus möglich, wenn das Sample auf einen begrenzten Raum (wie eine Schule oder ein Parlament) beschränkt ist, in dem problemlos wiederholt nachgefragt werden kann – und wenn das Thema für die Beteiligten wirklich wichtig ist.

    Beim Spiegel kam sogar noch etwas hinzu: Alle konnten davon ausgehen, dass ihre Anliegen – wenn sie die denn haben – in einer der größten und wichtigsten Publikationen des Landes verbreitet und unterstützt werden.

    Angesichts dieser Voraussetzungen finde ich die Rückläuferquote so schwach, dass im Text zumindest irgendeine Erklärung dafür formuliert werden sollte. Sie ist z.B. so schwach, dass es als Erklärung nicht ausreicht, auf die erwartbar mangelnde Beteiligung der AfD zu verweisen. Der Schluss ist nicht von der Hand zu weisen, dass womöglich für viele Frauen im Bundestag das Problem nicht so groß ist, wie es im Spiegel dargestellt wird.

    Unter den gegebenen Bedingungen jedenfalls ist eine demokratische Öffentlichkeit eine Frage von Ressourcen. Schlimmer noch: Diejenigen, die überlegene Ressourcen haben, nutzen die nicht nur für die Präsentation ihrer eigenen Positionen – sondern sie stigmatisieren auch die Positionen derjenigen, die weniger Ressourcen haben. Was dann wiederum die ungleich verteilten Ressourcen legitimiert.

    Es wäre sehr wichtig, wenn diese Erstarrung zumindest ein wenig gelöst werden könnte. Aber es wird auch verständlich, warum es Akteure gibt, die viel tun, um eben das zu verhindern.

    • Na ja, vielleicht ändert sich doch mal was? Ein Beispiel dazu:

      In meiner Heimatgemeinde existiert nicht nur ein Frauenhaus, sondern seit einiger Zeit auch ein Männerhaus. An Nachfrage mangelt es nicht, im Gegenteil, man verwaltet den Mangel. Frauengewalt existiert eben auch, manchmal aber ist die Erscheinungsform weniger körperlich.

      Das ganze ist so revolutionär wie die Frauenhäuser vor mehreren Jahrzehnten, anfänglich genauso belächelt.
      Dass das Problem Gewalt in der Partnerschaft universell ist, wird sich auf Dauer nicht mehr wegdiskutieren lassen, die Verbreitung dieser Erkenntnis wird aber noch dauern.

  • Beleidigende Tweets wie der von diesem User Giftfass sind unbezahlbar, leichter kann man seinen Opferstatus und seinen Einfluß auf die öffentliche Meinung kaum verbessern.

    Faszinierenderweise werden umgekehrte Beleidigungen, z.B. Männlichkeit als Gift zu bezeichnen, locker ignoriert bzw. selber verbreitet.

    @Lucas:

    Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass es ohnehin keinen Sinn hat, gegen die weit überlegenen Ressourcen von SPIEGEL, Heinrich-Böll-Stiftung, Ministerien oder anderen Massenmedien anzuschreiben.

    Dieses Gefühl habe ich auch öfters. Ich hatte mich über die Jahreswende ausführlicher mit der Rolle und Macht der Medien in unserer Demokratie“ befaßt und bin dabei immer depressiver geworden, was unsere Demokratie bzw. die Illusion von einer Herrschaft des Volks betrifft: die Medien sind nicht die 4. Macht im Staat, sondern die erste. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer hat vollkommen recht mit seiner These, daß sich Politiker den Funktionslogiken (und Türhütern) der Massenmedien unterwerfen müssen. Reporter in reichweitenstarken Medien, namentlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, werden zu Schiedsrichtern über Personen und Programme oder selber zu politischen Aktivisten, die praktischerweise auch gleich die öffentliche Beurteilung ihrer eigenen Vorschläge vorgeben dürfen.

    Der Feminismus hat es geschafft, diese mediale Machtelite komplett zu unterwandern. Man kann die dadurch herrschende Ideologie und ihren Haß auf Männer nicht mehr argumentativ bekämpfen, dazu bräuchte man einen fairen Debattenraum. Den werden wir so schnell nicht bekommen. Die etablierten Journaktivisten nutzen ihren Einfluß, um mißliebige Meinungskonkurrenz auszuschalten und die eigene Hegemonie abzusichern. Wenn man so will, dann ist der Erfolg von Substack ein deutliches Indiz für diesen Trend, denn dort publizieren sehr viele „gecancelte“ Journalisten.

  • @Lucas: Schön, mal wieder einen Text von Dir zu lesen, danke dafür!

    Beim medial zelebrierten ‚Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit‘ ist ein wichtiger, aber oft unbemerkter Faktor, dass hier popkulturell verbreitete Muster wiederholt werden. Vielleicht finden diese eben eine solche Resonanz, weil wir sie aus unzähligen Filmen kennen und sie unseren Sehgewohnheiten entsprechen. Besonders deutlich in „Der Herr der Ringe“, wo Mordor ja wirklich ein dunkles Reich des Bösen ist, beherrscht vom bösen Sauron. Die guten, angeführt von Gandalf, auf einem weißen Ross stoßen ja wirklich aus dem strahlenden Licht in den gerechten Kampf. Mir scheint, das solche medialen Spektakel eine tiefe Sehnsucht nach einem Bösen nähren, dass man bekämpfen kann, aber dass sich doch kaum unterkriegen lässt. Das perpetuiert sich allsonntäglich im Tatort, wenn hier auch meist schon komplexer, weil die Ermittler, die sich mit dem Mörder ein Duell liefern, oft einen Teil des Bösen in sich tragen.

    Deutlich hat man die Sehnsucht nach dem Bösen ja auch in der oft fantastisch dämonisierten und enthumanisierten Darstellung von Trump und Putin, die wie Sauron im Repertoire der Mainstream-Medien als Masken den absoluten Bösen herhalten müssen. Alle möglichen Missstände, Probleme und Konflikte lassen sich an solchen Personifikationen des Bösen festmachen und externalisieren. Viele Leitmedien leiden ja momentan unter einbrechender Nachfrage, weil mit Trump ein Oberbösewicht von der Bühne getreten ist, ich habe den Eindruck, dass damit eine Art Mangel am Bösen entstanden ist, für den nun Ersatz benötigt wird.

    Ich glaube, dieses Verlangen nach einem greifbaren Feind macht es erst möglich, dass eine relativ kleine Organisation wie das „Forum Soziale Inklusion“ so einen Hass von so vielen größeren und kleineren medialen Akteuren auf sich ziehen kann (meine Twitter-Timeline war voll davon). Die meisten Medienkonsumenten hätten von dieser Organisation ja sonst kaum etwas mitbekommen. Dazu kommt noch ein Sehnsucht nach dem Duell, wo zwei in etwa gleich starke Gegner miteinander ringen wie Frodo und Sauron. Das FSI erscheint so als Agent finsterer Mächte, die endlich einmal eine erkennbare Gestalt annehmen und bekämpft werden können.

  • Ich empfinde es zunehmend als bedrohlich, wie totalitär sich feministisch-gynozentrische Einordnungen über unsere ganze Gesellschaft legen. Jetzt wird schon ernsthaft diskutiert, ob Straftaten, von denen Frauen betroffen sind, juristisch schärfer geahndet werden. Wenn auch Frauen getötet werden, ist regelmäßig von „Femizid“ die Rede. All das widerspricht meinem Grundverständnis von der Gleichheit aller Menschen. Sie werden explizit in Schutzbedürftigere und weniger Schutzbedürftige eingeteilt – in werte und weniger werte. Es sind erschreckend wenige, die ihre Stimme dagegen erheben.

    Feminismus und das damit stabilisierte und ausgebaute Matriarchat bestimmen auf einer Metaebene unser Denken, unseren Nachwuchs und unsere Zukunft. Sogar die Jungen Liberalen schreiben „Feminismus ist männlich, weiblich, divers.“ Daraus kann sich nur der Nachsatz ergeben: „weil er über allem steht.“ Er ist eine Selbstverständlichkeit und hat nichts mehr mit Gleichberechtigung, nicht mal mehr mit Gleichstellung zu tun. Feminismus ist eine Art Ersatzreligion und Staatsziel.
    Ich sehe das mehr mit ungläubigem Staunen als mit Verbitterung oder Wut.

    Ich halte es auch für falsch, dem Feminismus einen Maskulismus entgegenzustellen, weil sich so die Fronten nur verhärten und der Geschlechterkonflikt angeheizt wird. Vielmehr muss der Feminismus verschwinden, damit die Geschlechter wieder zusammenfinden können, sich ergänzen für eine gemeinsame, bessere Welt.
    Aus diesen Überlegungen heraus bin ich Antifeminist. Und ich bin wirklich baff, dass ich damit plötzlich eine Art Radikaler, eine Art Terrorist, etwas Böses bin.

    Wie komme ich da nur wieder raus?

  • Wunderbar hier wieder einen Beitrag zu finden. Die Story über den Spiegel ist wichtig. Sie ist beispielhaft für einen Wandel in den Medien, den, glaube ich, viele in den letzten Jahren bemerkten und ablehnen. Zumindest in meinem Bekanntenkreis höre ich mittlerweile etliche Stimmen, die sich an der Art und der Einseitigkeit stoßen, die das Gendern ablehnen und denen auch die feministisch-zentrierte Darstellung aufstößt.
    Dass der Spiegel jetzt eine solche verzerrte Darstellung bringt, dass in ÖRR Sendungen immer stärker feministische Darstellung den Zuschauer penetrieren und im Gegenzug auch die Gegner einer solchen Dastellung beleuchtet werden – als hell/dunkel Kontrast – ist eigentlich positiv zu werten.
    Denn zum einen wird jetzt deutlich, wie übergriffig die feministische Ideologie ist, wie verzerrt deren Wahrnehmung und wie stark der Hass auf alles Männliche ist. Nur so ist ein Tatort über ‚Incels‘ möglich geworden, nur so ist ‚ttt‘ zu dem geworden, was es aktuell ist (ein feministisches Sprachrohr), nur so ist die Gendersprechlücke bei ‚*innen‘ möglich geworden. Und lässt viele Zuschauer/-hörer mit großen Fragenzeichen zurück, wie es so weit kommen konnte.
    Gerade jetzt ist es wichtig für Blogs wie diesen, für Genderama, allesevolution, uepsilonniks, maninthmiddle und alle anderen die ich jetzt nicht aufzähle kann, zu bestehen und aktiv zu sein und endlich präsenter zu werden.

    Für jede Leserin und jeden Leser der feministischen Gegenbewegung (ob das Maskulisten sind oder Antifeministen sei mal offen) ist es eine Pflicht die Inhalte und Botschaften zu teilen und in den Kommentarspalten der Medien unterzubringen. Es ist die Pflicht diese oft unbequemen Ansichten auch im Kreis der Freunde und Bekannten unterzubringen und Denkprozesse zu starten. Auch wenn der mittlerweile offene Kampf sehr ungleich geführt wird, so ist es die Pflicht der hier Mitlesenden diesen zu führen.
    Meine Erfahrung ist, dass es durchaus wieder Medien gibt, die auch andere Meinungen zulassen. Auf geht’s!

    • Hallo Jolanda, wenn Du des öftern was nicht in das Schema passendes Postest oder noch den Fehler begehst, z. B. hier auf einen Beitrag zu verlinken, dann bist Du Ruck-zuck gesperrt und der Beitrag gelöscht. Bei mir dauert waren es genau zwei Beiträge, bei der TAZ genügt ein Beitrag… Und nein, die Beiträge enthielten keinen Hass etc. eine andere Meinung zu haben genügt völlig und ganz schlimm, wenn die auch noch durch Zahlen, verlinkte Studien etc. untermauert sind. Sowas kann natürlich den eigenen Blasenbewohnern auf keinen Fall zugemutet werden, getriggert und so… ;o) Divers ist, wenn alle die gleiche Meinung haben wie ich! Yeah…. alles andere: Natzi, Frauenhasser, Gamer, alte weiße Männer etc.

  • Überzeugende Analyse – Danke hierfür!

    Eine Voraussetzung des obigen Artikels leuchtet mir wenig ein. Dies ist deshalb wichtig, weil eben auch die Autoren des „Spiegels“, der „taz“ usw. genau diese Voraussetzung machen.

    Im Artikel oben heißt es:

    „Andererseits habe ich in einem einschlägigen Forum, incels.is, ein wenig herumgelesen und …“

    Was haben denn die Beiträge eines Forums mit dem Titel „incels.is“ mit unfreiwillig enthaltsam lebenden Männern zu tun? Diese Frage erscheint vielleicht abwegig. Und doch ist sie genau so sinnvoll wie die Frage, was die DDR mit Demokratie zu tun hatte, was die UdSSR mit Sozialismus zu tun hatte, was die Chinese Communist Party (CCP) mit Kommunismus zu tun hat? Ebenso werden einige Leute fragen, was wohl der „Spiegel“ mit einem Spiegel zu tun haben mag (wörtlich oder bildlich), oder was eine „taz“ mit einer Zeitung zu tun haben mag.

    Etwas näher am Zitat: Ich lese gelegentlich in einem Forum, das sich „AllesEvolution“ nennt. Dort geht es z. B. um die Wahlergebnisse in Deutschland oder um angebliche Frauenfeindlichkeit im Bundestag. Wer solche Beiträge des Forums sucht, die sich wirklich mit Evolution oder evolutionären Phänomenen bzw. Theorien befassen, der muss etwas länger suchen. Trotzdem heißt dieses Forum seit Jahrzehnten „AllesEvolution“.

    Kurzum: Wir leben in einer Zeit des Etiketten-Schwindels. Es gibt überhaupt keinen Grund für die Voraussetzung, in einem Forum mit dem Titel „Incels.is“ würden sich die Beiträge vornehmlich um unfreiwillig enthaltsam lebende Männer drehen. Erst recht gibt es keinen Grund für die Voraussetzung, die Verfasser der Beiträge des Forums „Incels.is“ wären mehrheitlich echte Incels oder würde in ihren Beiträgen zumindest die Perspektive echter Incels einnehmen.

    Es mag schon sein, dass so ein Forum früher mal von einem Incel gegründet wurde und ursprünglich mit der Absicht betrieben worden ist, sich mit echten Incels über die echten Belange von Incels auszutauschen. Diese Hypothese erlaubt aber keinerlei Rückschlüsse auf das, was aktuell in diesem Forum stattfindet, oder was vor zwei Monaten dort stattgefunden hat. Letztlich wissen wir über die Leute, die sich dort betätigen – sei es schreibend oder nur lesend -, praktisch nichts.

    Ein weiteres Problem: Selbst wenn wir sicher wüssten, dass die aktiven Mitglieder des Forums „Incels.is“ tatsächlich Incels sind, die dort ernsthaft, aufrichtig und mit Bedacht ihre Beiträge verfassen, so wären diese Beiträge nicht repräsentativ für die gesamte Gruppe der Incels. Vor etlichen Monaten hat ein Mitglied von „AllesEvolution“ darauf hingewiesen, dass das Phänomen der unfreiwilligen Enthaltsamkeit (involuntary celibacy) eben kein Problem einer gesellschaftlichen Minderheit darstellt, sondern bei einer Mehrheit der Gesellschaft anzutreffen ist. Dies zeigt sich z. B. in Publikationen, die von solchen Erwachsenen handeln, welche Sex nur aus dem Fernsehen kennen – oder aus dem Groschenroman:

    https://www.amazon.de/-/en/Renate-Wichers/dp/3896026747/

    https://www.amazon.de/-/en/Iris-Osswald-Rinner/dp/3531181858/

    Unfreiwillige Enthaltsamkeit ist mittlerweile ein Massenphänomen und betrifft eben nicht nur einige ältere Ehepaare, die in einem ganzen Jahr „die Zehnerkarte nicht mehr vollkriegen“.

    https://allesevolution.wordpress.com/2021/04/11/sexlosigkeit-nimmt-zu-was-sind-die-gruende/

    Es ist nun völlig abwegig zu unterstellen, dass einige Dutzend Leute, die sich im Forum „Incels.is“ über Löcher und Toiletten austauschen, für diese gesellschaftliche Mehrheit der Enthaltsamkeit repräsentativ seien. Denn diese enthaltsame Mehrheit umfasst viele Millionen Menschen, wogegen es sich bei den Forums-Mitgliedern um einige Dutzend handelt. Die Stichprobe ist damit zu klein: Was immer in so einem Forum passieren mag, mit welchem Personal auch immer – es ist nicht repräsentativ und hat für die Mehrheit der Incels keinerlei Beweiskraft.

    Deswegen ist die oben gemachte Voraussetzung in zweifacher Hinsicht fehlerhaft. Mir scheint es wichtig, dass man den werten Autoren beim „Spiegel“, bei der „taz“ usw. ihre bequemen, aber falschen Voraussetzungen streitig macht.

  • Der größte Treppenwitz ist doch der Titel des Spiegelartikels.
    Eigentlich müsste es heißen: „Feindbild Mann“.
    Den hätten sich unsere neutralen Männerhetzmedien über mehrere Jahrzehnte hinweg doch redlich verdient.

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