Mark Smith

Zumal ich vermutlich in der kommenden Zeit immer wieder einmal auf man tau Texte publizieren werde, möchte ich in Analogie zu Lukas Schoppe meinen Hintergrund, von dem ich aus schreibe, kurz skizzieren.

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Politische, thematische und theoretische Präferenzen

Ich würde mich seit meiner Adoleszenz politisch als linksliberal bezeichnen, dementsprechend habe ich als Schweizer beständig entweder die Sozialdemokraten oder die Grünen als Partei gewählt, wobei man sagen muss, dass die Grünen in der Schweiz indessen erheblich linker oder radikaler sind als die gegenwärtigen deutschen Grünen, dasselbe gilt vermutlich für die Sozialdemokraten. Mit Geschlechterthemen beschäftige ich mich seit Jahren: insbesondere stiess ich über den Soziologen Lothar Böhnisch immer wieder auf die männliche Sozialisation. Böhnisch gehört gewiss zur Kritischen Männerforschung, seine Konzepte und Theoriebezüge sind jedoch äusserst elaboriert und dialektisch angelegt, sodass er die männliche Sozialisation und die Geschlechterordnung fortwährend im Spannungsverhältnis von Macht und Ohnmacht bzw. Hilflosigkeit, Täter und Opfer (TäterOpfer und OpferTäter) gesehen hat. Es werden dementsprechend auch die Verletzungen, Probleme, Nachteile, Diskriminierungen von Männern zum Thema gemacht.

Die Themen, mit denen ich mich bisher intensiver beschäftigt habe und die mich ebenfalls gegenwärtig am meisten interessieren sind:

  • Männliche Sozialisation
  • Geopolitik/Geostrategie – Internationale Politik
  • Militarisierung, Konflikt- und Friedensforschung
  • Medien, Öffentlichkeit, Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit, Medienkritik
  • Kritische Kriminologie, Labeling Approach, Grundrechte, Bürgerrechte
  • Politische Ökonomie – Makroökonomie – Globalisierung
  • Soziale Ungleichheit – Postdemokratie
  • Individualisierung

Wir sehen, Geschlecht und Geschlechterthemen sind eines unter vielen anderen  Themen.

Intensiv habe mich vornehmlich ansonsten mit folgenden Theoretikern auseinandergesetzt:

  • Pierre Bourdieu
  • Michel Foucault
  • Norbert Elias
  • Noam Chomsky
  • Anthony Giddens
  • Ulrich Beck
  • Erving Goffman

Der Fall Kachelmann als Schlüsselereignis und Wendepunkt

Ich würde sagen, bis ins Jahre 2010 war ich gegenüber feministischen Positionen gänzlich unkritisch, und ich habe mehr oder weniger alles, das aus dieser Ecke stammt, durchgewunken bzw. für gut geheissen.

2010 kam es allerdings zum Fall Kachelmann. Ich war damals vielfach in einem Politikforum aktiv und dort wurde dieser Fall, der ja über Monate in der Öffentlichkeit ein Thema war, sehr intensiv beobachtet und diskutiert. Bei der Causa Kachelmann waren demnach mindestens drei Themen virulent, für die ich mich bislang ebenfalls interessierte, nämlich: das Geschlechterthema, Bürgerrechte/Kritische Kriminologie und die Medien. Nun würde ich behaupten, im Fall Kachelmann haben mindestens die Medien, die Staatsanwaltschaft, teilweise ebenfalls das Gericht und gewisse Feministinnen eine ziemlich unrühmliche Rolle gespielt.

Das betrifft gravierendste Persönlichkeitsverletzungen, Diffamierungen, Diskreditierungen, Dämonisierungen sowie Verletzung der Unschuldsvermutung gegenüber dem Verdächtigen und späteren Angeklagten Kachelmann. M.E. unterste Schublade und absolute Schweinerei!

Seit diesem Zeitpunkt kann ich feministische Positionen nicht einfach mehr so unbedarft durchwinken. Zumal für mich klar ist: wer rechtsstaatliche Grundsätze, Bürgerrechte, Menschenrechte (Unschuldsvermutung), Persönlichkeitsrechte etc. einfach so mit den Füssen tritt und dies im Namen einer anscheinend guten Sache wie Frauenrechte und Feminismus, der muss einen erheblich verzerrten ideologischen Blick auf die Welt haben.

Karl Kraus und die Dialektik der Aufklärung

In diesem Zusammenhang kommt mir immer wieder der Aphorismus von Karl Kraus in den Sinn, der einmal gesagt hat:

Das Übel gedeiht nie besser, als wenn ein Ideal davor steht.“

Das heisst: Gewisse Feministinnen, die das Gute wollen, sich also für Frauenrechte stark machen, vergessen dabei, dass ihr unter dieser Prämisse gesteuertes Handeln, selbst in Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit umschlägt bzw. umschlagen kann. Es erinnert ein wenig an den Topoi der Dialektik der Aufklärung, in der Aufklärung in eine neue Mythologie zurückfällt.

Im Hinblick auf das Männerthema heisst dies

  • Dort, wo Männer benachteiligt und diskriminiert werden, dort, wo erhebliche Problemlagen von Männern vorhanden sind, geht es mir darum, diese in der Öffentlichkeit zu thematisieren, damit diese Problemlagen, Benachteiligungen und Diskriminierungen mittels politischer Steuerung behoben werden können.
  • Des Weiteren geht es mir darum, dass Männer nicht pauschal dämonisiert, pauschal als Täter hingestellt werden und gleichsam für das gesamte Übel der Welt verantwortlich gemacht werden. Frauen haben in den westeuropäischen Staaten seit Jahrzehnten das Wahl- bzw. Stimmrecht und haben somit, wie die Männer auch, sämtliche politischen Mittel in der Hand, um Benachteiligungen und Diskriminierungen zu beheben, wenn sie es nur wollen. Männer wie Frauen sind folglich genau gleich für ihre gesellschaftliche Situation, in der sie leben, verantwortlich. Frauen sollten somit weniger die Schuld bei den Männern suchen, sondern sich selbst an der Nase nehmen. Dasselbe gilt allemal desgleichen, mit umgekehrten Vorzeichen, für die Männer. 🙂
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